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Ethik & Gesellschaft

Auf der Suche nach Hermana Mirabal in uns

Am vergangenen Montag jährte sich der Todestag der Hermanas Mirabal zum siebzigsten Mal. Drei Schwestern kämpften in der Dominikanischen Republik für die Rechte der Frauen und wurden von dem damaligen Diktator kaltblütig ermordet. Doch auch drei Generationen später ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht so, wie wir uns das wünschen. Frauen werden in der Gesellschaft anders wahrgenommen als Männer. Sie müssen härter kämpfen, um zu erreichen was sie möchten. Dabei geht es in erster Linie um den Respekt, der ihnen nicht so entgegengebracht wird, wie es in einer gleichberechtigten Welt sein sollte.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 29. November 2019

„Mir ist jede offene Respektlosigkeit oder Frauenfeindlichkeit lieber als eine Heuchelei oder wortreiche Erläuterung religiöser Traditionen und Befindlichkeiten.“ Diese mehr als klare Aussage trifft Birgit Kelle, eine deutsche Journalistin und Publizistin, in einer ihrer Kolumnen. Grund für dieses Statement war ein verwehrter Handschlag, eines muslimischen Mannes. In Deutschland hat der Handschlag eine lange Tradition und wird vielseitig eingesetzt. Egal ob zur Begrüßung, dem Abschied, bei Vertragsabschlüssen, Gratulationen oder Beileidsbekundungen. Es ist ein Zeichen von Respekt und Nähe mit einem gesunden Abstand. Wie kann es sein, dass Kelle diese Geste in Deutschland verwehrt wurde? Eine Frage, die seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 immer wieder aufgekommen ist und die Gesellschaft spaltet. Das Ziel, das Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen zu ermöglichen steht an oberster Stelle und beim genauen Hinschauen, geht es um viel mehr als nur das Verwehren des Handschlags. Es geht um Respekt, Wahrnehmung und Integration von Ausländern, Deutschen und im Besonderen Frauen.

Das Frauen immer extra erwähnt werden, ist für mich ein Zeichen der Sonderstellung und möglicher Desintegration. Wir können nicht nur Probleme in anderen Ländern, Kulturen und Religionen kritisieren – wir finden das Thema auch in unseren Bundesministerien. Aktuell setzt sich Franziska Giffey, als Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, für die unterschiedlichen Gruppen ein. Die Gruppe Männer als solches sucht man vergeblich. Auch die Autorin, Publizistin und Feministin, Sineb El Masrar, setzt sich für Frauen ein. Sie thematisiert in ihren Büchern und Artikeln die Emanzipation von Frauen im Islam. Sie versucht klar zu machen, dass viele der Regeln, Vorgehensweisen und Schwierigkeiten selbstgemacht sind und bereit sind, über Bord geworfen zu werden. Im Interview mit der Welt macht sie nicht nur die muslimischen Männer für die förmliche Unterdrückung der Frauen verantwortlich, sondern auch die Mütter. Sie sind stolz Mütter von Söhnen zu sein, eine Tochter kann da leicht übersehen werden. Dass der Prophet Umm Sufyan, mehrheitlich Töchter hatte und wirklich stolz war, würde das Selbstbewusstsein der Mütter von Töchtern und für Frauen insgesamt stärken, so Sineb El Masrar. Die Anzahl der unterdrückten Frauen wäre geringer und auch die Gleichstellung von Geschwistern würde gefördert werden. Noch heute ist es so, dass die muslimischen Mütter ihren Söhnen zum perfekten (Ehe-)Mann erziehen wollen, sie dadurch verwöhnen und ihre Töchter in dem ganzen Stress häufig vernachlässigen. Für die junge Frau ist so ein Entkommen aus der Unterdrückung oder der Unterwürfigkeit weiterhin schwer möglich. Dies gelingt nur, wenn Familie, Sexualität und der Islam als Ganzes keine Tabuthemen mehr sind. Weder in der Gesellschaft noch in der Familie, so Sineb El Masrar weiter.

Da fehlender Respekt leider oft mit Gewalt einhergeht, setzte Kristina Schröder, sich sowohl während, als auch nach ihrer Amtszeit als Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend immer wieder für die Integration von Muslimen und dem Islam in Deutschland ein. Ihrer Meinung nach, muss das Schwarz-Weiß-Denken aufhören und die Mitte der Gesellschaft endlich wieder stark werden. Nicht jeder Ausländer ist aggressiv, intolerant und respektlos gegenüber Frauen, doch es gibt sie. Es bedarf einer weitergehenden Analyse des Verhaltens, die nicht bei der Ausrede endet, es liegt an den patriarchalen Strukturen in den Herkunftsländern. Der Weg sollte wieder zu einer Gemeinschaft gehen, die aus Menschen besteht, die offen und respektvoll miteinander umgehen und keine Unterschiede zwischen den Kulturen, den Religionen oder den Geschlechtern machen. Die Hermans Mirabal wären sicher stolz auf uns.

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