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Ethik & Gesellschaft

UNICEF-Foto des Jahres

Im 20. Jahr und 30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention kürte das UN-Kinderhilfswerk kurz vor Weihnachten das UNICEF-Foto des Jahres 2019. 90 herausragende Reportagen lagen der achtköpfigen Jury aus Foto-journalisten und Kunstwissenschaftlern zur Begutachtung vor. Das Rennen machte ein Bild des deutschen Fotografen Hartmut Schwarzbach, das vom mutigen Überlebenskampf von Kindern angesichts dreier Tragödien unserer Zeit erzählt: Armut, Umweltverschmutzung und Kinderarbeit. Die 13-jährige Wenie fischt im Hafen des philippinischen Manila Plastikreste aus dem Wasser.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 3. Januar 2020

Zur Weihnachtszeit machten der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck, Kirchen und Hilfsorganisation auf das Schicksal von rund tausend Kindern im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos aufmerksam, die in Elend und Dreck auf eine ungewisse Zukunft warten. Alle verlangten eine Geste der Humanität von der EU, manche Bundesländer waren bereit, die jungen Menschen ohne Zukunft aufzunehmen. Doch da sich nichts bewegte, kommentierte der SZ-Kolumnist Heribert Prantl: „Ein Europa, das so agiert, ist kein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts; es ist ein Raum der exzessiven Unbarmherzigkeit und der Gnadenlosigkeit.“

Wie unbarmherzig und gnadenlos der Alltag vieler Kinder weltweit ist, davon zeugen auch jene Fotos, die UNICEF seit zwei Jahrzehnten prämiert. Sie erzählen von Armut und Ausbeutung, Krieg und Flucht, Hunger oder mangelnden Bildungschancen. So wie jene Aufnahme, die dem im Elmshorn geborenen Fotografen Hartmut Schwarzbach gelang, der seit vielen Jahren die Lebenssituation von Kindern und Afrika dokumentiert. Am 24. Juni 2018 war er im Stadtteil Tondo am Hafen von Manila unterwegs, dem größten Slum der Philippinen, wo 70.000 Menschen auf dem Quadratkilometer hausen. In Hütten aus Wellblech, Pappe und Restholz, ohne Strom, Trinkwasseranschluss oder sanitäre Anlagen. Mangelernährung und Hautkrankheiten grassieren, Dengue und Durchfallerkrankungen sind an der Tagesordnung, die Lebenserwartung ist ob der Mangelernährung und schlechten Hygiene niedrig.

Philippinen: Die Kinder, der Müll und der Tod

In der verdreckten Bucht am Hafen von Manila paddeln schon Siebenjährige auf Bambusflößen oder Kühlschranktüren durch das keimverseuchte Schmutzwasser oder schwimmen hinaus, um Plastik aus dem Wasser zu fischen. Dieses verkaufen sie in den örtlichen Recyclinghöfen, den sogenannten „Junk-Shops“, um einen Tageslohn von 50 philippinischen Pesos, umgerechnet 90 Cents, zu erwirtschaften. Damit sind die Kleinsten eine große Hilfe für ihre Familien, die zu den Ärmsten der Armen gehören. So auch die 13-jährige Wenie Mahiya auf Schwarzbachs eindringlichem Foto. „Das UNICEF-Foto des Jahres erzeugt Nähe; Nähe zu Kindern, die sonst kaum jemand sieht. Es zeigt ihre Not – aber auch ihre Stärke, selbst unter trostlosesten Bedingungen nicht aufzugeben,“ erklärt Elke Büdenbender, UNICEF Deutschland-Schirmherrin.

Afghanistan: Tapfer ohne Orden

Dass in Afghanistan allein 2018 über 1.400 Zivilisten – 87 Prozent davon Kinder – bei der Explosion von Minen und anderen Hinterlassenschaften der Kampfhandlungen zwischen Taliban und Armee ums Leben gekommen sind, davon kündet jenes verstörende Foto, das den zweiten UNICEF-Preis bekam. Der australische Fotojournalist Andrew Quilty porträtierte sieben Kinder einer einzigen Familie eines Dorfes aus dem Distrikt Surkh Rod. Keines dieser Geschwister zwischen vier und 12 Jahren hat mehr beide Beine. Ihre Mutter und eine Schwester mussten sie bei der Detonation eines Blindgängers sterben sehen. Geradezu würdevoll blicken 14 Augen Traumatisierter in die Kamera, unschuldigste Opfer bewaffneter Konflikte auf ihrem mühsamen Weg durch Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen.

Burkina Faso: In der Unterwelt

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO müssen weltweit noch immer 155 Millionen Kinder arbeiten, beraubt um ihre elementaren Rechte und Chancen. Davon schufften 73 Millionen in Minen und Textilwerkstätten, auf Farmen und Ziegeleien, in Privathaushalten und in Bordellen. Nahezu 25 Prozent von ihnen sind unter zwölf Jahre alt. Die Qual der Goldsucher-Kinder von Burkina Faso – von den Minen bis zu den Friedhöfen – hat der spanische Fotograf Antonio Aragón Renuncio für das dritte UNICEF-Foto des Jahres dokumentiert. Das Volk der Mossi des westafrikanischen Staates lässt die Kinder nach kleinsten Goldkörnchen in jenen Bergwerken graben, welche die Minengesellschaften schon längst aufgegeben haben. Das eindringliche Foto legt einen Blick frei auf jene Unterwelt, die Kindern schwerste körperliche Arbeit abverlangt. Dem apathisch dreinblickenden Jungen ist die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben: Erschöpfung aus einer Arbeit in Höhlen und Gängen, grabend, hungernd, durstend, hustend, tags und nachts.

Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender von UNICEF Deutschland und Juror des HanseMerkur Preises für Kinderschutz, sagt: „Die Bilder zeigen Kinderschicksale, ehrlich und aufrichtig, manche schonungslos, manche voller Hoffnung. Sie sind ein eindringlicher Appell an Empathie und Mitgefühl und erinnern uns an unsere gemeinsame Aufgabe: für das Wohl der Kinder weltweit einzutreten.“

 

 

Afghanistan: Tapfer ohne Orden
Foto: Andrew Quilty, Australien (Agentur VU)
Burkina Faso: In der Unterwelt
Foto: Antonio Aragòn Renuncio, Spanien (Freier Fotograf)

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