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Kinderschutz

Aktive Sterbehilfe für Minderjährige

Sterbehilfe ist ein umstrittenes und viel diskutiertes Thema. Schließlich geht es um das größte Gut des Menschen. Das Leben. Aktuell rückt es noch mehr in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Der Grund ist nicht verwunderlich, denn es geht um die Sterbehilfe für Minderjährige.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 1. Oktober 2018

In der EU sind die Niederlande und Belgien bislang die einzigen Staaten, die auch Kindern und Jugendlichen das Recht auf aktive Sterbehilfe einräumen. In Luxemburg ist aktive Sterbehilfe ab dem 16. Lebensjahr mit Zustimmung der Eltern möglich.

Abgesehen von der Rechtsprechung für Minderjährige, ist auch das Recht erwachsener Personen auf aktive Sterbehilfe in der EU nicht weit verbreitet. Aktive Sterbehilfe, Tötung auf Verlangen, ist nur in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg möglich. In Griechenland oder Großbritannien hingegen wird der Verstoß mit Mord gleichgesetzt. Eine indirekte Sterbehilfe, Lebensverkürzung durch palliative Maßnahmen und eine passive Sterbehilfe, sterben lassen, ist in allen EU-Staaten, außer Polen, erlaubt oder gilt als rechtliche Grauzone.

Geht es aber um Minderjährige, so schließt das Recht auf aktive Sterbehilfe seit 2014 Kinder und Jugendliche in Belgien, seit 2002 in den Niederlanden im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren und seit 2009 in Luxemburg ab dem 16. Lebensjahr mit ein. Belgien ist seit der Gesetzesänderung im Februar 2014 der erste europäische Staat, der für aktive Sterbehilfe keine Altersgrenze mehr hat. Generell haben also alle Minderjährigen jeden Alters das Recht von ihrem behandelnden Arzt eine Beihilfe zur Selbsttötung zu erhalten. Die neue Regelung umfasst jedoch spezielle Voraussetzungen, die gegeben sein müssen. Sie beinhalten die ausdrückliche Bitte des Kindes, die Zustimmung der Eltern, die medizinische Klassifizierung des Leidens des Patienten als „unerträglich“ sowie ein psychologisches Gutachten, das die volle Zurechnungs- und Urteilsfähigkeit des minderjährigen Patienten bestätigt.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes haben in Belgien drei Kinder davon Gebrauch gemacht. Berichten zufolge waren die betroffenen Kinder 9, 11 und 17 Jahre alt. Sie litten an der unheilbaren Mukoviszidose, bösartiger Tumore im Kopf oder der Duchenne-Muskeldystropie, eine Art des Muskelschwundes. Belgische Befürworter der aktiven Sterbehilfe für Minderjährige sind der Meinung, manche Kinder haben dieselbe Fähigkeit Entscheidungen zu treffen wie Erwachsene. „Schwerkranken, leidenden Minderjährigen die Erlösung durch aktive Sterbehilfe zu verbieten, nur weil sie ein gewisses Alter noch nicht erreicht haben, sei diskriminierend“, bekräftigt auch Luc Proot, ein Mitglied der Belgischen Kommission für Euthanasie. (berichtet der Fokus.)

Auch in Deutschland wird das Thema gegenwärtig viel diskutiert und Ärzte sowie Initiativen setzen sich dafür ein, zumindest kritisch über das Thema nachzudenken. Sollten Sie weiterführend an der Aktualität dieses Themas interessiert sein, empfiehlt sich die arte-Dokumentation „Deutschland: Debatte über Töten auf Verlangen.“ , in der Uwe-Christian Arnold, pensionierter Urologe und Sterbehelfer aus Berlin, mit  Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz, über Pro und Kontra von aktiver Sterbehilfe diskutiert.

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