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Ethik & Gesellschaft

Alternativer Nobelpreis im 40. Jahr

Am 25. September 2019 gab die schwedische Right Livelihood Foundation bereits zum vierzigsten Mal die Preisträger des diesjährigen Alternativen Nobelpreises bekannt. Es sind Aminatou Haidar (Westsahara), Guo Jianmei (China), Greta Thunberg (Schweden) und Davi Kopenawa (Brasilien). Diese Auszeichnung wurde seit 1980 bereits 178 Menschen aus 70 Ländern zuteil. Mutige Persönlichkeiten, die helfen, globale Probleme zu lösen. Am 4. Dezember 2019 werden die Preise in Stockholm verliehen. Whistleblower Edward Swowden, Träger des Right Livelihood Award des Jahres 2014, wird per Liveschalte aus Moskau an den Feierlichkeiten teilnehmen.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 7. Oktober 2019

Eigentlich hätte es nie einen Alternativen Nobelpreis geben sollen. Denn der schwedisch-deutsche Philantrop und Briefmarkensammler Jakob von Uexküll war 1979 an die renommierte Nobelstiftung mit der Bitte herangetreten, zwei weitere Nobelpreise zu stiften: einen Umweltpreis und einen Preis zur Förderung des Wissens und der Perspektiven von Menschen in armen Ländern. Da dieser Vorschlag abgelehnt wurde, verkaufte von Uexküll einen Teil seiner über eine Million US-Dollar teuren Briefmarkensammlung und stiftete 1980 – einen Tag vor der Verleihung des Nobelpreises – erstmals die mittlerweile renommierteste Auszeichnung für Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Frieden. Dank auch vieler Spenden beträgt das – an die Arbeit der Geehrten gebundene – Preisgeld heute jeweils 1 Million Schwedische Kronen (94.000 €).

Der Preisstifter hat mittlerweile den Vorsitz der Right Livelihood Foundation an seinen Sohn Ole von Uexküll übergeben und widmet sich seit 2007 vornehmlich dem von ihm ins Leben gerufenen World Future Council, dessen Hauptsitz sich in Hamburg befindet. Die Stiftung verfolgt das „Ziel, unseren Kindern und Eltern einen gesunden Planeten mit gerechten Gesellschaften zu übergeben.“

Die Preisträger 2019

Aminatou Haidar
Als die ehemalige Kolonialmacht Spanien 1975 die Westsahara verließ, annektierte Marokko unmittelbar danach das Gebiet. Immer wieder wurde dem indigenen Volk der Westsahara, den Sahrauis, von den Vereinten Nationen, Spanien und Marokko das Recht auf Selbstbestimmung in Aussicht gestellt. Aber die marokkanische Besetzung dauert an; ein Referendum wurde in 40 Jahren nicht abgehalten. Seit ihrer Jugend tritt Aminatou Haidar, eine der Begrün-derinnen der sahrauischen Menschenrechtsbewegung, die auch „Ghandi der Westsahara“ genannt wird, trotz Morddrohungen, Angriffen und Schikanen unermüdlich für eine politische Lösung eines der längsten ungeklärten Konflikte der Welt ein. „Mit dem Preis wollen wir zeigen, dass gewaltloser Widerstand funktioniert, und allen Mut machen, die für eine gerechte Lösung des Konflikts eintreten“, sagt Ole von Uexküll.

Guo Jianmei
In China erfährt jede vierte verheiratete Frau häusliche Gewalt durch den Ehemann ebenso wie geschlechtsspezifische Diskriminierung am Arbeitsplatz. In ländlichen Regionen, die durch patriarchalische Strukturen geprägt sind, werden den Frauen auch Landrechte verweigert. Nur privilegierte der 650 Millionen Frauen im Reich der Mitte haben Zugang zu Anwälten. Hier setzt Guo Jianmei an, die seit 1995 durch ihre pro bono-Rechtsberatung über das 2005 gegründete China Public Interest Lawyers Network mit über 600 Anwälten mehr als 120.000 Frauen über 4.000 eingereichte Klagen geholfen hat, Themen wie ungleiche Bezahlung, sexuelle Belästigung, erzwungenen Vorruhestand ohne Entschädigung und Arbeitsverträge, die Schwangerschaften verbieten, öffentlich zu machen und anzuprangern. Die renommierteste Frauenrechts-Anwältin Chinas beweist angesichts dramatisch zunehmender Einschränkung zivilgesell-schaftlicher Handlungsräume großen Mut und außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit. Das Alternative Nobelpreiskomitee schreibt: „Guo Jianmei ist eine Vorkämpferin für die Frauenrechte in China…und…zeigt, wie man juristisch erfolgreich gegen Geschlechterdiskriminierung arbeiten kann.“

Greta Thunberg
Als sich im August 2018, wenige Wochen vor der schwedischen Parlamentswahl, eine 15-jährige Schülerin mit einem Plakat „Schulstreik für das Klima“ vor den Reichstag in Stockholm setzte, konnte niemand ahnen, welche Umweltbewegung sie mit #FridaysForFuture lostreten wurde. Als Stimme einer ganzen Generation, welche die Folgen des Klimawandels ausbaden muss, beeindruckt Greta Thunberg mit ihrer Entschlossenheit und ihrer kompromisslosen Art, den Mächtigen der Welt ins Gewissen zu reden. In der Preisbegründung heißt es: „Mit Greta Thunberg ehren wir eine der einflussreichsten Vertreterinnen der Zivilgesellschaft weltweit und weisen gleichzeitig auf die Kraft eines jeden Menschen hin, politisch etwas zu verändern.“ Und die Preisträgerin bekannte: „Ich bin Teil einer weltweiten Bewegung von Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen jeden Alters, die sich entschieden haben, unseren Planeten zu verteidigen. Mit ihnen teile ich diese Ehrung.“

Davi Kopenawa
Die Organisation „Hutukara Associação Yanomami“ setzt sich für die Bewahrung des Regenwalds und die Rechte der indigenen Bevölkerung in Brasilien ein. Das Volk der Yanomami zählt mit seinen rund 35.000 Mitgliedern zu den größten Stämmen und bevölkert im Amazonas-Territorium ein Gebiet von der Größe Griechenlands. Aber der politische Druck, die natürlichen Ressourcen des Regenwalds immer weiter auszubeuten, stellt nicht nur eine massive Bedrohung für die Artenvielfalt sondern auch für den Fortbestand indigener Völker dar. Davi Kopenawa vom Volk der Yanomami ist einer der angesehensten Sprecher der Urvölker Brasiliens und spielt eine entscheidende Rolle dabei, indigene Gemeinschaften zusammenzubringen, um sich gemeinsam gegen Bergbau, Viehzucht und andere Wirtschaftsinteressen zu wehren, die das Land und die Lebensgrundlage der Yanomami zerstören. Die Juroren des Alternativen Nobelpreises stellen fest: „Mit dieser Auszeichnung fordern wir die Welt auf, die Yanomami und andere indigene Völker zu unterstützen – in ihrem mutigen und wichtigen Kampf zum Erhalt unseres gemeinsamen Erbes.“

Brasilianischer Abend

„Andere indigene Völker“ wie die Huni Kuin, für die die Deutsch-Brasilianerin Fernanda Brandao am 10. Oktober 2019 im Atrium der HanseMerkur eine Lanze bricht. Wir freuen uns schon jetzt auf einen Abend mit Buchvorstellung, Versteigerung von Kunstwerken, Webarbeiten und Schmuck aus dem Amazonasgebiet, auf brasilianische Musik, jede Menge Spaß und viele Unterstützer für die Sache der Regenwaldindianer.

Fotocredits: Royal Livelihood Foundation

Aminatou Haidar
Gut Jianmei
Greta Thunberg
Davi Kopenawa
Ole von Uexkull

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