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Ethik & Gesellschaft

Barrieren, die keine sein dürften

Am 26. März fand, anlässlich des zehn-jährigen Jubiläums der UN-Behindertenrechtskonvention, der erste Aktionstag Inklusion in Hamburg statt. Viele Unternehmen und Sportvereine beteiligten sich an diesem Tag mit vielen Aktionen, um auf Inklusion und Barrierefreiheit in unserer Stadt aufmerksam zu machen. Dass trotz der Konvention leider noch immer große Barrieren bestehen, beweisen diese beiden Geschichten…

Veröffentlicht von Marie Mävers am 9. April 2019

Der 28-jährige Felix Klieser ist Hornist und das sehr erfolgreich. Anfang März trat er in der Elbphilharmonie auf und brachte unlängst sein viertes Album heraus („Mozarts Hornkonzerte – davon habe ich schon als Junge geträumt!“). Lauscht man seiner Musik fällt auch dem nicht geschulten Ohr auf, dass er wohl zu den besten seines Fachs gehört. Umso erstaunlicher, wenn man Felix Klieser live oder vor der Kamera spielen sieht. Der junge Hornist ist ohne Arme geboren  worden und bedient das wohl schwierigste Blasinstrument nur mit seinen Füßen. Bereits als vierjähriger Junge wollte er unbedingt dieses Instrument spielen und sein Eifer und Wille haben ihn, trotz seines Handicaps, nicht davon abgehalten.

Das Instrument bedient er von klein auf mit den Zehen seines linken Fußes und weitere Konstruktionen folgten, sodass er dem Instrument die schwierigen Töne entlocken kann. Das Horn ist auf einem in Kopfhöhe fixierten Stativ befestigt. Und statt wie Kollegen den Schalltrichter mit der rechten Hand zu stopfen, um die Farbe des Klangs zu beeinflussen, ruht auf einem weiteren Stativ ein Stoßdämpfer, der sich mit dem rechten Fuß in den Trichter hinein- und wieder herausrollen lässt.

Auch der Hamburger Rollstuhl-Extremsportler David Lebuser beweist tagtäglich, dass auch ein Rollstuhl einen nicht davon abhält seine Träume, geschweige denn einen normalen Alltag zu leben. Der durch einen Unfall querschnittsgelähmte David Lebuser kommt in seinem Rollstuhl eigentlich überall hin. Mit seinem Gefährt bezwingt er Berge und Halfpipes und wurde 2014 Weltmeister im Wheelchair Motocross. Sein größtes Vorbild und gleichzeitig Konkurrent ist der US-Amerikaner Aaron „Wheelz“ Fotheringham. Er ist der bekannteste Extrem-Rollstuhlsportler und weltweit berühmt geworden, weil er den ersten „Backflip“ meisterte – einen Rückwärtssalto mit dem Rollstuhl.

„Für mich bedeutete Rollstuhl vor meinem Unfall immer nur, dass man damit rumgeschoben wird. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen, dass man damit überhaupt einen Bordstein hochkommt. Jetzt gestalte ich mein Leben alleine und das sogar ziemlich cool“, sagt David Lebuser. 

Dennoch gibt es immer wieder Einschränkungen und Barrieren, die selbst einem derart mutigen Menschen wie David Lebuser enge Grenzen setzen. Bedenkt man welche „Hürden“ der 32-Jährige bezwingt, ist kaum zu glauben, dass ausgerechnet die Deutsche Bahn (DB) ihn immer wieder auf seinen Wegen aufhält. Besonders oft fährt er die Strecke Hamburg-Dortmund, weil in seinem früheren Wohnort Dortmund sein Arbeitgeber sitzt und er dort häufig Kurse gibt, in denen er sein Wissen über das Rollstuhl-Skaten weiter gibt. Da der Bahnhof in Dortmund nicht barrierefrei ist, ist er immer auf den Mobilitätsservice der DB angewiesen. Nicht nur, dass er diesen Service immer kompliziert separat von der Fahrkarte buchen muss, jetzt haben sich auch die Geschäftsbedingungen der DB geändert, sodass der Mobilitätsservice nur noch für DB-Verbindungen und 18 private Bahnunternehmen nutzbar ist. Die gern genutzte Eurobahn von David Lebuser, fällt nicht in den Geschäftsbereich der DB. Der Streit zwischen DB und Eurobahn wird seitdem auf den Rücken der Behinderten ausgetragen, denn keiner möchte die gesamten Kosten für den zusätzlichen Service übernehmen. „In den zurückliegenden vier Jahren sind die Reisendenzahlen, die eine Hilfeleistung in Anspruch genommen haben, um rund 50 Prozent gestiegen“, lautet die Aussage der DB. Diese Kostensteigerung möchte das Unternehmen mit seinem Konkurrenten von jetzt an „gerecht“ teilen.

Bei diesen beeindruckenden Geschichten zweier Lebenskünstler fällt es schwer zu glauben, dass der Alltag für Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft noch immer von großen Hürden bestimmt ist.

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