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Ethik & Gesellschaft

Barrierefreiheit im Internet

Denkt man an Barrierefreiheit kommen einem primär physische Aspekte in den Sinn. Sind öffentliche Gebäude barrierefrei? Welche Probleme ergeben sich beim Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Diese Fragen sind rund um die Inklusion von sehr großer Bedeutung. Unsere Zeit verlangt allerdings, dass wir einem weiterem Bereich Beachtung schenken sollten: Die Barrierefreiheit des Internets. Wie bewegen sich Sehbehinderte oder Gehörlose durch die Weiten des World Wide Webs?

Veröffentlicht von Marie Mävers am 16. Oktober 2018

Es gibt einige Angebote für Lese-Software, sogenannte Screenreader Programme. Für Windows ist das wohl bekannteste und aus meinen anfänglichen Erfahrungen mit verschiedenen Programmen, das am einfachsten zu bedienende Programm: non-visual-access NVDA Das Programm lässt sich kostenlos herunterladen und liest im Grunde einfach den Bildschirminhalt vor. Wie mit vielen Dingen gibt es bei Computermodellen und Programmen immer persönliche Vorlieben. Meine ist das OS X Betriebssystem von Apple. Für dieses Betriebssystem lässt sich die NVDA Software leider nicht verwenden. Apple hat dafür in seinem Betriebssystem ein eigenes Voice-over Programm installiert, das der Benutzer in den Systemeinstellungen nur zu aktiveren braucht. Die Funktionen ähneln dem NVDA Screenreader – eine Computerstimme liest den Inhalt des Computerbildschirms vor.

Das hört sich einfacher an als es ist. Sich wirklich mit geschlossenen Augen auf die Programme zu verlassen, endet bei meinen ersten Testversuchen im totalen Chaos. Ich bin genervt von der eintönigen viel zu hohen weiblichen Wiedergabestimme und habe überhaupt keine Orientierung wo ich mich gerade auf der Seite befinde. So kann das nicht weiter gehen. Frustriert öffne ich meine Augen und begebe mich sofort auf die Suche, um in den Systemeinstellungen die Funktion zur Änderung der Wiedergabestimme zu finden. Die weibliche Siri oder Alexa war mir auch schon immer ein Dorn im Auge. Mit Augen auf gestaltet sich die Suche als ganz einfach. Augenblicklich empfängt mich eine tiefere männliche Stimme. Mit neu gefasstem Mut starte ich nun das Apple-Tutorial. Diesen Schritt habe ich zunächst selbstsicher ausgelassen. Ein Fehler. Im Tutorial wird nicht nur mein Gehör geschult, ich erlerne Tastenkombinationen, damit mir die Wiedergabestimme auch wirklich eine Hilfe ist und ich befehlen kann, welcher Inhalt auf dem Bildschirm mir vorgelesen wird.

Nach erfolgreich bestandenem Tutorial starte ich einen neuen Versuch. Begebe mich erneut ins Internet auf den HanseMerkur CSR Blog. Diese Seite nutze ich als Testimonial, um im gleichen Zug auch die Barrierefreiheit unseres Webauftritts zu testen. Mit leicht geschultem Gehör gelingt es mir nun den Ansagen der angenehmen Männerstimme zu folgen. Wo sich die Stimme gerade auf der Seite befindet lässt sich nämlich durch leise „Klick“-Geräusche verfolgen. Durch bestimmte Tastenbefehle navigiere ich die Stimme von Web-Überschriften, zu den Web-Inhalten. Zumindest sollte es so im besten Fall funktionieren. Die Tastatur ist die Schaltzentrale und ersetzt die Sehkraft. Leider werde ich immer noch mehr von der Männerstimme navigiert als andersherum, aber damit habe ich mich arrangiert. Ich weiß zumindest ungefähr wo ich bin.

HanseMerkur CSR Blog als Testimonial. Mit Hilfe des Voice-over Programms lasse ich mir bestimmte Inhalte des Bildschirms vorlesen.

Bei dem Selbstversuch am CSR Blog fällt auf, dass insbesondere die Web-Überschriften, der Header der Seite, mit sehr vielen Informationen gefüllt sind. Bis ich mich auf den wirklich wichtigen Teil navigiert habe, die Blogbeiträge, sind gefühlt fünf Minuten vergangen. Auf einer Beitragsseite angekommen, das gleiche Problem. Der Header ist identisch mit dem der Startseite und wird mir zuerst vorgelesen. Zum dritten Mal erfahre ich welche Telefonnummer ich wählen muss, um beim CSR-Team zu landen. Denn diese Telefonnummer ist auf jeder Unterseite der erste Inhalt der von links nach rechts erfasst wird. Ich kann mittlerweile die Männerstimme im durchgehen der Inhalte beschleunigen. Dieser Erfolg macht die anfänglich unnötigen Informationen vergessen und macht mich fast ein bisschen euphorisch. Der Blogbeitrag wird mir flüssig vorgelesen. Die Stimme gerät nur immer dann ins stocken, wenn englische Begriffe, Verlinkungen (denn diese werden immer ins Detail vorgelesen) und umgangssprachliche Begriffe in „Anführungszeichen“ auftauchen. Ich fühle mich in der Bedienung noch immer nicht sicher, aber durch ein paar erlernte Tastenkombinationen, kann ich mir eine Vorstellung davon machen, wie barrierefrei der HanseMerkur CSR-Blog ist.

Es folgt der wirkliche Test. Mit geöffneten Augen nehme ich den gleichen Pfad wie mit geschlossen Augen, von der Startseite auf die Unterseite des Blogbeitrags und verfolge dabei die männliche Wiedergabestimme. Es fällt auf, dass die Vorschauleiste auf der rechten Bildschirmseite nicht erfasst wird. Demnach war es mir mit geschlossen Augen auch kaum möglich, den HanseMerkur CSR Blog zu abonnieren. Denn diese Auswahl-Funktion befindet sich auch in der rechten Bildschrimspalte. Gleichermaßen verhält es sich mit den Bildunterschriften in oder außerhalb der Fotogalerie. Die Bildbeschreibung wird nicht vorgelesen. Da ich mich als blutigen Anfänger sehe muss ich über die Erfassung der rechten Seitenleiste hinweg sehen. Ein geschultes Gehör und eine Vertrautheit mit dem Programm, hätte die rechte Seitenleiste wahrscheinlich gefunden. Anders verhält es sich mit den Bildunterschriften. Bilder sind genau der Teil, der von keinem Vorleser der Welt, männlich oder weiblich, vorgelesen werden können. Aus diesem Grund sollten unbedingt die Bildunterschriften für die Programme lesbar gemacht werden.

Fazit: Der HanseMerkur CSR Blog ist relativ kompliziert strukturiert, mit vielen Spalten, Unter- und Überschriften, vielen extra Fenstern mit Auswahloptionen oder Verlinkungen. Der Blog ist barrierefrei, für einen Anfänger wie mich allerdings ein Dschungel. Gehen wir von geschulten Personen aus, sind alle Informationen zugänglich. Es bleibt nur die Funktion der Bildunterschriften offen. Diese sind für Sehbehinderte Menschen, mit beiden getesteten Programmen, leider nicht zu lesen.

Ulrike Köhler, Tochter von Eva Luise Köhler die u.a. seit vielen Jahren Jurymitglied des HanseMerkur Preis für Kinderschutz ist, hat uns mit ihren Erfahrungen in der Bedienung von Screenreaders auf die Barrierefreiheit im Internet aufmerksam gemacht und dazu angeregt, uns und unserem Blog dem Selbsttest zu unterziehen. Ulrike Köhler weist aber auch darauf hin, dass es bei der Barrierefreiheit um noch viel mehr geht.

„Barrierefreiheit ist allerdings wesentlich komplexer, als nur mit dem Screenreader lesbar zu sein. Dazu gehört auch die Rezeption der Inhalte für gehörlose Menschen mit einer Sehbehinderung möglich zu machen und die Zugänglichkeit für Menschen, für die „einfache“ Sprache der Schlüssel zur Welt ist, zu gewährleisten.“

Die Form ist nichts wert ohne ihren Inhalt. In diesem Sinne werde auch ich in meinen Beiträgen darauf achten meine Sprache zu nutzen, um den Blog, ganz abgesehen von der Form, durch den Inhalt barrierefrei zu machen. An der Optimierung der Form werden wir ebenfalls arbeiten und versuchen zu ermöglichen, dass der HanseMerkur CSR Blog in Form und Inhalt angenehm barrierefrei ist.

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