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Sport & Gesundheit

Brustkrebs – Wissenschaft vs. Wirtschaft

Allein im vergangenen Jahr sind in Deutschland 70.000 Frauen an Brustkrebs erkrankt. Wird er früh genug erkannt und hat noch nicht gestreut, stehen die Heilungschancen gut. Grund genug für die Wissenschaft, die Möglichkeiten der Früherkennung immer weiter zu erforschen und zu verbessern. Doch auch die Wirtschaft findet hier einen lukrativen Markt. Was passiert, wenn die Gier nach Ruhm und Profit die Moral und den gesunden Menschenverstand ausschaltet, erleben wir derzeit in einem der größten Medizinskandale des Landes.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 3. Mai 2019

Als Krankenversicherer ist unser Interesse an innovativen Methoden zur Früherkennung und Behandlung von Krankheiten sehr groß. Gespannt haben wir deshalb auch die Pressemeldung gelesen, die die Universitätsklinik Heidelberg im Februar dieses Jahres herausgebracht hat: Die Forscher haben einen ersten marktfähigen Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs entwickelt. Von Weltneuheit war da die Rede, die das Forscherteam um Prof. Dr. Sarah Schott, Sektionsleiterin Translationales Frauenheilkunde und Prof. Dr. Christof Sohn, Geschäftsführender Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, entwickelt haben. Ein Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik. Anhand von Biomarkern im Blut sollte eine Brustkrebserkrankung festgestellt werden können. Das Verfahren liefert die Diagnose besonders früh, schnell, sicher und vor allem schonend, da nicht-invasiv und ohne die Strahlenbelastung der Mammographie. Die eigens hierfür gegründete HeiScrenn GmbH sollte noch in diesem Jahr die Markteinführung übernehmen.

Es dauerte keinen Monat bis die Weltneuheit sich zu einem handfesten Skandal entwickelte: Fachleute und Mediziner kritisierten, dass das Verfahren längst nicht ausgereift sei und die Testergebnisse fehlerhaft. Der Molekularbiologin und führende Brustkrebsforscherin der Uni-Klinik Heidelberg, Barbara Burwinkel, wurde die Forschungsarbeit gegen ihren Willen im Jahr 2017 nach eigener Aussage förmlich „aus den Händen gerissen“ und anderen Verantwortlichen übergeben. Sie mahnte mehrfach an, dass die Tests von Marktreife weit entfernt seien, wie sie vergangene Woche der FAZ mitteilte. Die Mahnung wurde aber von den Verantwortlichen wohl ignoriert.

Inzwischen wurde eine Untersuchungskommission gegründet, um die Fakten und das Zusammenspiel der einzelnen Akteure aufzuarbeiten. Dabei werden nicht nur die Handlungen der Forschungsverantwortlichen genau betrachtet, sondern auch die Rolle, der HeiScreen GmbH, mit dem Großinvestor Jürgen B. Harder.

Moralisch verwerflich ist dieser Skandal insbesondere deshalb, weil derartige „Weltneuheiten“ in vielen Frauen eine große Hoffnung wecken. Bekannte Untersuchungsmethoden, wie beispielsweise die Mammographie, liefern zwar gute Ergebnisse, jedoch werden die Kosten meist erst ab dem 50. Lebensjahr übernommen. Eine Methode, die mittlerweile immer stärkere Anerkennung findet, ist die Medizinische Tastuntersuchung durch Menschen mit Sehbehinderung (MTU). Bei diesem Verfahren werden der Patientin Papierstreifen auf den Oberkörper geklebt, die der Tastuntersucherin Orientierung geben. Mit dem sehr feinen Tastsinn untersucht sie die Brust dann rund 30 Minuten und spürt kleinste Gewebeveränderungen auf. Der Arzt/die Ärztin kann dann gezielte Untersuchungen durchführen. Laut Michael Lux von der Frauenklinik der Universität Erlangen kann die Ergebnisrate bei beachtlichen 89 Prozent liegen. Durch die Untersuchung entstehen lediglich Kosten in Höhe von 46,50 Euro, die bundesweit von 26 Krankenkassen übernommen werden – und das schon vor dem fünfzigsten Lebensjahr.

 

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