Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kinderschutz

Bundeskriminalamt veröffentlicht Zahlen kindlicher Gewaltopfer

In der vergangenen Woche wurden die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 zu kindlichen Gewaltopfern in Deutschland vorgestellt. Die Zahlen machen nicht nur betroffen, sie sind erschütternd.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 11. Juni 2018

Im vergangenen Jahr wurden 143 Kinder getötet (das ist ein Anstieg von 68,42 Prozent!). Fast 78 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. In 77 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Die Zahlen zu Misshandlungen an Kindern stagnieren seit Jahren auf einem hohen Niveau. 4.208 Kinder waren hiervon betroffen, 43 Prozent von ihnen haben das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Im Bereich sexuelle Gewalt … weist die Statistik einen Rückgang von 3,64 Prozent auf, doch wurden noch immer 13.539 Kinder als Opfer registriert. Die in der Polizeilichen Statistik erfassten Fallzahlen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials stiegen im Vergleich zum Vorjahr wieder um 15,06 Prozent an.

Dies sind nüchterne Zahlen aus der Presseinformation des Deutschen Kinderhilfe e. V. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass dies nur die registrierten Fälle sind – die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher sein. Kleine Opfer, die noch nicht wissen, dass das, was mit ihnen geschieht, Unrecht ist. Die mit Lügen und Drohungen so unter Druck gesetzt werden, dass sie schweigen und ihre Situation ertragen. Die Täter kommen häufig aus dem sozialen Nahbereich, also aus dem Umfeld, in dem jedes Kind Schutz und bedingungslose Geborgenheit findet sollte und in das man von außen nur wenig Einblick erhält.

Erschreckend genug, dass die sogenannte Züchtigung als Erziehungsmaßnahme erst im Jahr 2000 gesetzlich verboten wurde. Doch in der Polizeilichen Kriminalstatistik geht es nicht um den „pädagogischen“ Klaps auf den Po. Bei den Gewaltdelikten sind die Täter meist hoffnungslos überforderte Eltern, häufig weist ein Elternteil psychische Störungen auf. Drogen, Alkohol und Trennungskonflikte lassen die Situation eskalieren. Selten geschieht dies völlig überraschend.

Allein in Hamburg sind in den letzten 13 Jahren sieben Kinder zu Tode gekommen. Sie waren alle jugendamtsbekannt. Nach jedem neuen Fall gibt es neue Ausschüsse und Gremien, die analysieren wie es dazu kommen konnte und Konzepte erarbeiten, damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt. Doch der Jugendschutz besteht aus verschiedenen Professionen: (Rechts-)Medizin, Kinder- und Jugendhilfe, Familiengerichte, Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Fachberatungsstellen, Kitas, Schulen und Polizei. Hier bedarf es dringend einer deutlich stärkeren Kommunikation zwischen den Akteuren und übergreifender Informationssysteme und -prozesse. Und es bedarf Menschen mit Zivilcourage, die einen Verdacht melden und somit die Stimme  erheben, wo die kleinen Opfer aus Angst schweigen.

Einiges aus den Konzepten wird bereits umgesetzt. Doch die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Und sie zeigen, dass wir genau dafür keine Zeit mehr haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*