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Ethik & Gesellschaft

Demenz als gesellschaftliche Herausforderung

Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September 2018 liegt der Fokus der Aktionswoche Demenz auch in Hamburg auf dem bedeutenden sozialen Brennpunktthema, wie die Betroffenen würdig umsorgt ohne kulturelle und soziale Exklusion lebens- und menschenfreundlich begleitet werden können. In der Hansestadt allein leben 26.000 Menschen mit ausgeprägter Demenz, in Deutschland sind es 1,6 Millionen. Bis 2050 soll sich die Zahl verdoppeln.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 21. September 2018

Der Soziologe und Journalist Burkhard Plemper, Vorstandsmitglied der Aktion Demenz, hat mit „…und nichts vergessen?!“ jetzt ein bemerkenswertes Buch geschrieben und am 17. September im Rahmen der „Hamburger Mittagsgespräche“ der Evangelische Akademie der Nordkirche und der Buchhandlung stories! vorgestellt. Er ist für sein Buch kreuz und quer durch Deutschland gereist und hat versucht, Antworten auf die Frage zu finden, wie es gelingen kann, Menschen mit Demenz nicht auszugrenzen, sondern ihnen auch zivilgesellschaftlich die Hand zu reichen. Wie man der Dämonisierung der Krankheit oder des Syndroms entgegentreten kann. Wie man dafür werben kann, dass Alter eben auch Vulnerabilität bedeutet und damit einen Abbruch unseres Machbarkeitswahns. Plemper zitiert den Mediziner und Psychiater Klaus Dörner, der Demenz als eine neue menschliche Seinsweise beschreibt, die sich mit dem Alter entwickelt. Plemper selbst schreibt: „Es gibt Anregungen, aber keine Rezepte“. Aber es gibt Leitplanken, welche die Aktion Demenz, für die er sich seit 2006 engagiert, im „Esslinger Aufbruch“ formuliert hat: „Menschen mit Demenz sind Bürger! Menschen mit Demenz gehören dazu! Menschen mit Demenz haben Rechte! Menschen mit Demenz gehen uns alle an! Menschen mit Demenz brauchen unsere Phantasie!“

Burkhard Plemper sucht in seinem Buch „…und nichts vergessen?! Die gesellschaftliche Herausforderung Demenz nach Wegen, wie ein gutes Leben auch mit Demenz möglich ist. Schließlich haben nach einer forsa-Studie für die DAK-Gesundheit aus dem Jahre 2015 48 Prozent der Deutschen Angst davor, an Alzheimer oder Demenz zu erkranken. Und er liefert Best-Practice-Beispiele aus dem Main-Kinzig-Kreis oder dem sauerländischen Arnsberg. Er hat mit Polizisten, Mitarbeitern von Rettungsdiensten, Personal demenzsensibler Krankenhäuser und vor allem mit zahlreichen Betroffenen gesprochen. Er hat Wohngruppen im niederländische Demenzdorf De Hogeweyk besucht und dort die holländische Expertin Yvonne van Amerongen interviewt. Sie sagt: „Das gibt zwei Möglichkeiten. Die Welt wird demenzfreundlich sein oder man hat eine Medizin gefunden. Das dauert noch sehr lange, das habe ich gehört. Und bis dann, ja, versuchen wir es so. Es wäre wirklich am besten, dass die Welt demenzfreundlich wird!“

Plempers Buch ist ein wichtiger, facettenreicher Beitrag für eine demenzfreundliche Welt. Unbedingt lesenswert! Und abschließend noch ein Hörtipp: Der Autor hat auch „Eine lange Nacht über Demenz“ im Deutschlandfunk gestaltet. Am 22. September 2018 ab 23.05 Uhr bitte einschalten.

Burkhard Plemper im Rahmen der „Hamburger Mittagsgespräche“

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