HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 25. Oktober 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kinderschutz

Deutschlands sexuelle Tragödie

Sie glauben Sexualität spielt im Kindesalter noch keine Rolle? Dann lassen Sie sich von Bernd Siggelkow, dem Gründer des christlichen Kinder- und Jugendwerk DIA ARCHE und dem Journalisten Wolfgang Büscher auf eine Reise mitnehmen, die ihr Bild ein wenig ins Wanken bringen wird.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 31. Mai 2019

Das Buch „Deutschlands sexuelle Tragödie wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist“ ist  in 30 Kurzgeschichten unterteilt und beschreibt eindringlich, womit viele Kinder und Jugendliche sowohl hinter verschlossenen Wohnungstüren als auch ganz präsent in der Werbung konfrontiert und wodurch sie geprägt werden.

Sexualität wird so offen angesprochen, wie die Jugendlichen es im Kindesalter von ihren Eltern gelernt oder viel eher vorgelebt bekommen. Es wird zur Normalität der Kinder, die eigenen Eltern oder Elternteile, mit wechselnden Partnern beim Sex zu sehen oder sich tagsüber zu ihnen aufs Sofa zu setzen, während sie Pornofilme sehen. Neben Müsli und Kaffee kommen die Sexgeschichten von allen auf den Tisch. Es entsteht eine Art Wettbewerb zwischen den Kindern aber auch den Erwachsenen. Es geht darum zu zeigen, dass es einen Bereich gibt, wo man was drauf hat. Gefühle, insbesondere Liebe, sind dabei kein Thema. Es geht um die Anzahl der Akte, der Partner und die skurrilsten Orte. Und es geht um eine traurige Form der Bestätigung.

Bernd Siggelkow kommentiert treffend dazu: „Wäre es nicht besser, wenn wir heute handeln würden, damit in zehn Jahren junge Erwachsene in unserer Gesellschaft leben, die gelernt haben, was Liebe, Beziehung und echte Sexualität bedeutet?“ Doch in einer Zeit von Tinder, Freundschaft plus und Sprunghaftigkeit entwickelt sich die Gesellschaft immer mehr zu einem durch Werbung- und YouPorn-gesteuerten, beziehungsunfähigen Haufen, der blind dem mediengemachten Ideal hinterher hechtet, anstatt seine Träume zu leben.

Sehnsüchte werden gerade am Wochenende mit Alkohol und Drogen verdrängt. Die  Hemmschwelle sinkt  ins Unermessliche, die Lust steigt und Verhütungsmittel sind nur teuer. So kommt es, dass „Mädchen viel zu früh Mütter werden und vor der Herausforderung stehen, ihren Kindern Liebe zu schenken, ohne selbst je Liebe empfangen zu haben“, so Siggelkow. Die Jugendlichen setzen sich mit ihren Träumen, wie beispielsweise einem „normalen“ Leben, mit einem Job, einer Familie und Eigentum auseinander. Sie verwerfen dies jedoch schnell, wenn sie an ihr jetziges Leben denken. Siggelkow und Büscher appellieren an den Leser: „Wir züchten uns eine Gesellschaft mit beziehungsunfähigen Menschen heran, wo letztlich der Einzelne in Bedeutungslosigkeit versinken wird[…], diesen Hilferuf dürfen wir nicht überhören!“

Von den 30 beschriebenen Schicksalen gibt es nur ein einziges Mädchen, die in ihrer Teenagerzeit keinen Geschlechtsverkehr hatte, sondern erst ihre Träume verwirklichen möchte. Für sie steht ein geregeltes Leben, Freunde und Familie vor dem Geschlechtsverkehr ohne Gefühle. In der ARCHE wird sie von den anderen dafür bewundert. Ein so „Spaß-freies Leben“ können sich die meisten jedoch nicht vorstellen.

Beim Lesen wird man sich immer wieder bewusst, was eine Einrichtung wie DIE ARCHE, übrigens ein ehemaliger Preisträger des HanseMerkur Preises für Kinderschutz, für eine großartige Arbeit leisten. Sie bringen Normalität und Ruhe in die Leben der Kinder und Jugendlichen. Sie schaffen eine Basis aus Werten und Normen, Geborgenheit und Vertrauen. Sprechen offen, aber gefiltert über Sexualität im Zusammenhang mit Gefühlen wie Liebe.

Abschließen möchte ich mit einen kleinen Appell von Siggelkow: „Hat ein Mensch in seinem Leben nie Geborgenheit erfahren, wird er zu einem Gefühlskrüppel, er verwahrlost emotional“. Versuchen Sie, Signale bei Kindern und Jugendlichen erst zu nehmen. Vielleicht ist es ihnen nicht möglich, genau auszudrücken, was sie sich wünschen, weil sie sich nicht mehr trauen zu träumen.

„Deutschlands sexuelle Tragödie – wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist“
von  Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher
GerthMedien
ISBN: 978-86591-346-3 oder 978-3-579-06779-7

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*