HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Umwelt & Nachhaltigkeit

Eine Formel gegen Lebensmittelverschwendung

Die Diskussion um den Umgang mit Lebensmittelabfällen hat sich ein bisschen beruhigt, von einer Lösung sind wir aber noch weit entfernt. Denn selbst wenn das geforderte „Containern“ von Hamburgs Justizsenator Till Steffen legalisiert wird, geht es dabei nur um einen Bruchteil dessen, was in Privathaushalten, Supermärkten, Küchen und Restaurants weggeworfen wird.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 5. August 2019

Mit den erschreckenden Zahlen haben wir sie dieses Jahr bereits vertraut gemacht. Trotzdem noch einmal zur Erinnerung: Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Das sind 55 Kilo pro Person. Von diesen elf Millionen Tonnen, werden rund 61 Prozent in den Privathaushalten produziert – eine Zahl die viel zu hoch ist, wenn man bedenkt, dass an dieser Schraube selbst gedreht werden kann. Denn die Bedenken und Pflichten des Einzelhandels bezüglich des Mindesthaltbarkeitsdatum sind andere, als die einer Privatperson. Sie können entscheiden wann Lebensmittel wirklich nicht mehr genießbar sind. Sie können planen was und wann sie einkaufen, sodass möglichst kein Überschuss entsteht.

An einer Lösung für den Einzelhandel wird momentan mithilfe künstlicher Intelligenz gearbeitet. Das Prinzip ist ganz einfach: ein Algorithmus legt anhand des Haltbarkeitsdatum fest, wann und ob das Produkt im Preis reduziert wird. Rückt also das Ablaufdatum des Produkts näher, reduziert sich auch automatisch der Preis um zehn bis 60 Prozent. Neben der Ablauffrist fließen auch Wetterdaten, Rabattangebote, Vorräte, historische Verkaufsdaten und Angebote der Konkurrenz mit ein.

Das in 2017 gegründete niederländisch-israelische Start up Wasteless ist der Entwickler dieser Idee und damit auch schon recht erfolgreich. Die niederländische Supermarktkette Albert Heijn testet dieses Tool bereits und auch Spaniens Discount Markführer Dia ist eingestiegen. Laut einer ersten Fallstudie konnte die spanische Supermarktkette ihre Lebensmittelabfälle durch die „dynamischen Preisreduzierung“, bereits nach drei Wochen um ein Drittel reduzieren und den Umsatz um 6,3 Prozent steigern. Denn auch wenn Ware billiger verkauft wird, bringt reduzierte Ware mehr Geld in die Kasse, als weggeschmissene. „Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit und Profitabilität Hand in Hand gehen,“ argumentiert auch der CCO von Wasteless Ralph De Vries.

Voraussetzung für die Umsetzung ist die technische Anpassung der Märkte. Der Preis muss digital gesteuert werden können d.h. auf einem elektronischen Display angezeigt werden. Das ist vor allem im Ausland schon üblich. Außerdem werden die Preisanpassungen über eine Software mit dem Kassensystem verknüpft und immer auf dem aktuellen Stand gehalten.

In Deutschland stehen die Märkte der Innovation noch skeptisch gegenüber. Aktuell wird z.B. bei Rewe und Penny reduzierte Ware mit einem roten Aufkleber „30 Prozent reduziert“ markiert. „Diese Praxis ist bei unseren Kunden bekannt und es ist momentan nicht geplant, diese zu ersetzen, argumentierte eine Sprecherin der Supermarktkette.

Wie Sie trotzdem selbst in Deutschland innovativ werden können, zeigen wir Ihnen ab nächstem Montag in einer „Clever Kochen Serie – für eine Küche ohne Verschwendung“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*