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Ethik & Gesellschaft

Eine Reise ins Ungewisse mit tragischem Ende

Ich vermisse meine Freunde, vermisse es genau das zu tun, worauf ich gerade Lust habe, ohne Einschränkungen. Aber das ist nichts im Vergleich zu tausenden Eltern, Geschwistern oder anderen Familienangehörigen, die ihre Kinder vermissen. Sie kratzten ihre letzten Ersparnisse zusammen, um wenigstens ihren Kindern ein Leben ohne Krieg, Gewalt und Angst zu ermöglichen. Selbst nach dem kleinsten Strohhalm wird gegriffen, um das Leid der eigenen Kinder zu minimieren. Doch nicht nur der Heimatort, sondern auch die Reise in ein neues, vermeintlich besseres Leben birgt Risiken, Gefahren und unvorstellbare Taten.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 25. Mai 2020

Wir sollten nie müde werden, uns vor Augen zu führen, welchen Weg diejenigen hinter sich haben, die als Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen werden und welche Last sie mit sich tragen. Stellen wir uns eine Familie aus Syrien vor. In ihrem geliebten Heimatland herrscht Krieg, an eine normale Arbeit mit ausreichender Bezahlung ist nicht zu denken. Trotzdem wird jeder Cent, der eingespart werden kann, eingespart. Die Ersparnisse sollen der Grundstein für ein neues Leben sein, ohne jegliche Einschränkungen und vor allem ohne tägliche Angst. Für die ganze Familie werden sie das Geld niemals zusammen bekommen, dafür sind die Schlepper zu begehrt und jeder weiß: Je größer die Nachfrage, desto frecher die Preise. Eine Flucht als Familie ausgeschlossen. Somit wird ausreichend Geld gesammelt, um wenigstens ein Kind auf den Weg nach Europa zu schicken. 

Das Bild von hunderten Minderjährigen auf kleinen Gummibooten ist keine Seltenheit. Die Rettungswesten, die der vermeintliche Retter ausgibt, sind oft Attrappen, um seinen Gewinn zu maximieren. Unvorstellbar, aber wahr. Es wird mit dem Leben von Menschen, insbesondere mit dem von Kindern, Geschäft und Profit gemacht wird, ohne die Flüchtigen zu schützen. Wenn die Reise über das offene Meer nicht tödlich endet, ist die Gefahr aber noch lange nicht gebannt. Sie landen in den grässlichen Lagern auf den griechischen Inseln, die von den europäischen Ländern so gut es geht verdrängt werden. Dort gibt es zwar keine Bombenangriffe, dafür wird vor körperlicher und psychischer Gewalt, Raub, Vergewaltigungen und Mord kein Halt gemacht. Es ist in keinem Fall das, was sich die Eltern für ihr Kind gewünscht haben und hätten sie es vorher geahnt, weiß ich nicht, ob sie ihr Kind alleine auf diese Reise geschickt hätten. Die Kinder verbringen dort nicht wie geplant Tage oder Wochen. Die Geflüchteten bleiben hier Monate, wenn nicht sogar Jahre und verbringen dort ihre Kindheit, den Übergang zum Erwachsenwerden und mit der normalen Portion Glück auch noch die Jahre nach der Volljährigkeit.

Aber gehen wir mal davon aus sie gehören zu den Glücklichen, wie dieses Jahr 350 unbegleitete Minderjährige. Sie wurden während der Corona-Krise aus dem Flüchtlingslager Moria nach Deutschland geholt. Dort sind sie zwar in einem sicheren Land, aber wahrscheinlich ohne Freunde, Bekannte oder entfernte Verwandte in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstehen, geschweige denn sprechen können. Sie werden in besseren Lagern untergebracht. Wenn sie nun auf ihrer Reise gegebenenfalls Freunde kennengelernt haben, die beispielsweise in Dänemark oder Schweden untergebracht worden sind und diesen folgen, wissen die Eltern in Syrien nichts davon. Auf der Suche der Eltern nach ihrem Kind, werden sie nicht fündig. Im besten Fall sind sie wirklich mit ihren neu gefundenen Freunden in ein anderes Land gezogen – das wäre die schönste Erklärung. Die bittere Wahrheit ist aber leider, dass dies lediglich einen Bruchteil der vermissten Fälle widerspiegelt. In der Regel sind die geliebten Kinder oder Jugendlichen auf der oben beispielhaft beschriebenen Reise umgekommen oder psychisch so labil, dass sie ihrem Leben ein Ende gesetzt haben. Durch die unnormalen Mengen an Menschen in den Lagern kann es schon einmal sein, dass der ein oder andere Mensch nicht vermisst wird. Außer von seiner Familie, die sehnsüchtig darauf hofft, doch noch ein Lebenszeichen zu erhalten. 

Gerade in Zeiten wie diesen und am Welttag der vermissten Kinder, in denen wir uns Normalität wünschen, sollten wir die Menschen nicht vergessen, die geliebte Menschen vermissen. Unseren Blick nicht nur auf unseren kleinen Kosmos richten, sondern darüber hinaus und den Menschen, die dringender Hilfe benötigen zuhören und diese anbieten. #Leavenoonebehind

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