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Erstes Forum Zukunftsmedizin Live

Die HanserMerkur ist Projektpartner des Forums Zukunftsmedizin (FZ) der Rheinischen Post, über das wir im CSR-Blog schön öfters berichtet haben. Angesichts der dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens rund um COVID-19 wurde am 23. März 2020 das erste Online-Format FZ Live aus der Taufe gehoben. Virologen und Fachärzte der Hygiene und Infektionsprävention, der Kardiologie, Neurologie, Onkologie und Gastroenterologie ordneten ebenso wie ein Soziologe und Psychologe sowie Vertreter der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung – darunter unser Leistungsmanager Folke Tedsen – das aktuelle Pandemiegeschehen ein.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 26. März 2020

Drei Themenblöcke strukturierten die Diskussion jener zehn Experten des Forums Zukunftsmedizin, die sich über 105 Minuten an der Videodiskussion beteiligten, um valide Informationen zu vermitteln und mit vielen Gerüchten rund um das Coronavirus aufzuräumen. Es ging um Lebensführung im Corona-Jahr, um gesicherte Fakten und Realitäten und last not least um Zuversicht.

Achtsamkeit, Gelassenheit und Entschlossenheit

LEBENSFÜHRUNG

Der Internist Prof. Dr. Heiner Greten (Asklepios-Klinik St. Georg, Hamburg) brach eine Lanze für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Wir werden diesen unbekannten Gegner, gegen den wir nichts in der Hand haben, bis es Impfungen gibt, nur besiegen, wenn Solidarität einkehrt. Dem Forum Zukunftsmedizin kommt dabei eine wichtige Rolle zu: an Intellekt, Gemeinschaft und Resilienz zu appellieren. Psychische Widerstandskraft kann man zum Teil trainieren. Religion hilft dabei ebenso wie intakte Familien oder die Beschäftigung mit Dingen, an die wir glauben, die Halt und Anker bieten.“

Prof. Dr. Dirk Arnold, Onkologe an der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona, sprach von der ersten bedrohlichen Situation seiner Generation. „Im Klinikum müssen wir eine Rollenambivalenz aushalten. Wir sind plötzlich Helfende und potentiell Betroffene und haben dafür zu sorgen, dass wir selbst handlungsfähig bleiben. Eigenverantwortung wird zur Verantwortung für die Anderen. Für Patienten und Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Körperliche Distanz wird zum sozialen Verhalten.“

Prof. Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privat-Universität in Wien und Düsseldorf ordnete die aktuelle Situation aus soziologischer und psychologischer Sicht wie folgt ein: „Noch ist die Zahl der an Corona massiv Erkrankten scheinbar sehr überschaubar. Aber die gedankliche Infektion hat uns bereits befallen. Insofern ist die psychische Krise im Moment der Humus, auf dem wir über unsere Zukunft entscheiden. Kein Ende abzusehen, keinen rettenden Horizont zu erahnen, macht uns fragil und mit der Zeit auch mürbe. Abwarten, innehalten und ausgeliefert sein, da fehlt den meisten von uns mittlerweile die Erfahrung, die Geduld und die Kapazität. In diesem Sinne erleben wir alle gemeinsam eine Vollbremsung der Welt. Dieser Zustand ist für unser Gehirn und unsere Gefühle eine ungeahnte Überforderung. Wir erleben eine gnadenlose Vertreibung aus der Komfortzone. An dieser Stelle aber sind wir keineswegs verloren, sondern haben die ultimative Möglichkeit, unsere geistigen und sozialen Schalter umzulegen. Selbstdisziplin, Empathie und planvolles Vorausdenken scheinen die Gebote der Stunde zu sein. Wir müssen Mitgefühl und Solidarität für unsere Mitmenschen und unsere Gemeinschaft walten lassen. Es geht nur gemeinsam, obwohl und gerade, weil wir getrennt werden. Die vermeintliche Vorteilsnahme einzelner Egoisten wird am Ende ein Rohrkrepierer. Und zum hoffentlich guten Schluss sollten wir vorausdenken. In welche Welt werden wir wieder zurückkehren, wie wollen wir dann sein? Persönlich, beruflich, charakterlich? Carpe diem. Nutze den Tag. Wenn wir es schaffen, die Welt nach der Krisenüberwindung humaner zu machen, ist die Chance tatsächlich genutzt worden. Es liegt an uns.“

FAKTEN UND REALITÄTEN

Der Gastroenterologe Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, der sowohl die Universitätsmedizin in Essen als auch die Medizinische Hochschule Hannover gut kennt, sieht Deutschland auch in der Behandlung schwerstkranker Patienten gut aufgestellt. „Auch wenn wir gesellschaftlich oft reflexhaft reagieren, bin ich positiv beeindruckt, wie Politik und Gesundheitswesen seit vielen Wochen maßvoll reagieren und an den richtigen Schrauben drehen. Dazu gibt es exzellente Virologen mit klaren Botschaften, die für die medizinischen Kollegen sehr hilfreich sind. Man kann aktuell froh sein, in Deutschland zu leben und nicht in anderen Ländern.“ Wedemeyer dämpfte jedoch die Hoffnung auf die schnelle Verfügbarkeit eines Impfstoffs: „Akademische Forschung und Wirtschaft gehen da auf vielen Ebenen sehr pragmatisch vor, nicht zuletzt, um die Sicherheit jener Menschen, die an Studien teilnehmen, zu gewährleisten. Aber es dauert halt sechs bis 12 Monate, bis wir ein Medikament getestet haben. Und dann stellt sich die Frage, welche Basis der Impfstoff haben muss und wie realistisch es ist, in kurzer Zeit große Mengen davon zu produzieren.“

Für den Kardiologen Prof. Dr. Stephan Willems (Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg) ist die These, dass sich nur bei älteren Patienten schwere Krankheitsverläufe zeigen, nicht zu halten. „Natürlich steigt das Risiko bei diesem bösartigen Virus mit Lebensalter und Co-Morbiditäten. Aber es trifft eben auch junge und nicht vorerkrankte Menschen. Der jüngste Patient, von dem ich weiß, ist Anfang 20. In keinem Fall sollten Herzmedikamente oder ACE-Hemmer auch bei einer Erkrankung mit COVID-19 abgesetzt werden. Das Absetzen richtet in jedem Fall einen größeren Schaden an als die fortgesetzte Einnahme bei gut eingestellter Medikation.“

 Der Neurologe Prof. Dr. Joachim Röther (Asklepios Klinik Altona, Hamburg) sieht wenig neurologische Symptome bei der Lungenerkrankung, die vom Corona-Virus ausgelöst wird. „Gleichwohl gibt es Patienten mit einem ähnlichen Krankheitsbild wie bei einer Hirnhautentzündung oder bei Bewusstseinsstörungen, diesmal jedoch hervorgerufen durch eine schlechtere Sauerstoffversorgung. Auch Anzeichen eines eingeschränkten Riech- und Geschmacksvermögens sind ein vorübergehendes Phänomen von wenigen Tagen. In jedem Fall ist Patienten mit Alzheimer, Parkinson oder Multipler Sklerose zu raten, jetzt ganz besonders vorsichtig zu sein, da hier vermehrt schwere Verläufe zu erwarten wären. Aber das Spazierengehen unter Wahrung der Distanz empfehle ich älteren Patienten unbedingt. Sich zu isolieren, ist keine gute Idee.“

Dr. Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin (BIOSCIENTIA ZHI, Ingelheim) attestierte Deutschland eine deutlich bessere Reaktion auf den bisherigen Verlauf der Epidemie als Italien oder Spanien, wo die Sterblichkeit signifikant höher sei. Er sagte: „Italien hat seit Mitte Januar eine klar höhere Dunkelziffer an Infizierten. Zudem ist die Bevölkerungsstruktur mit einem Anteil von 30 Prozent der über 60-Jährigen deutlich älter. Das medizinische System ist massiv überlastet und verfügt über wesentlich weniger Intensivbetten. In Deutschland haben wir sehr früh damit angefangen zu testen und Bürger entweder in die Quarantäne zu schicken oder sie stationär aufzunehmen.“ Zinn sieht Deutschland beim Verlauf der Corona-Krise unterhalb der 10-km-Marke eines Marathons und warnt zugleich vor überflüssigen Testungen: „Mein Institut erhält 5.000 Proben pro Tag und ist damit an der Auslastungsgrenze. Wir sollten uns daher auf Intensivpatienten und Krankenhausmitarbeiter fokussieren und nicht auf Patienten mit atypischen Symptomen.“

Der Virologe Prof. Dr. Thomas Schulz (Medizinische Hochschule Hannover) sieht als Hauptübertragungsweg des Coronavirus‘ vor allem die Tröpfchen-infektion. „Eine Übertragung durch Material ist natürlich auch möglich, wobei die Überlebenszeit des Erregers je nach Oberfläche wechselt und bis zu drei Tage vorhalten kann. Im Anschluss an die Erkrankung wird wahrscheinlich eine Immunität ausgeprägt, nur wir wissen natürlich noch nicht für wie lange. Die gute Botschaft ist, dass sich in vielen Altersgruppen nur geringe Symptome zeigen werden. Aber Hauptrisikofaktoren sind Alter gepaart mit Vorschädigungen wie Diabetes, Lungen- oder kardio-vaskulären Erkrankungen.“

ZUVERSICHT (ZITATE)

Prof. Arnold: „Wir lernen gerade viel über Fürsorge und Miteinander, über Krisenmanagement, Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf unser zukünftiges Leben.“

Prof. Röther: „Am Jahresende werden wir alle klüger und weiser sein, auch zu den Themen Humor, Gelassenheit und Mitmenschlichkeit, die sich gerade breit machen. Wir werden die nächsten Wochen gut überstehen mit hervorragenden Pflegekräften und Intensivmedizinern sowie exzellenten Informationen aus dem Robert Koch Institut.“

Folke Tedsen, HanseMerkur: „Die Geschwindigkeit der Krise ist erschreckend. Wir müssen jetzt gut miteinander umgehen und pragmatische Lösungen finden. Dabei hilft uns unsere sehr gute Versorgung mit 150.000 Ärzten und 2.000 Krankenhäusern, mit 600 Laboren und einem Krankenversicherungssystem, in dem alle Bürger Schutz genießen. Als Gesundheitsdienstleister stellt die HanseMerkur guten medizinischen Rat sowie schnelle und kompetente Informationen zu COVID-19 zur Verfügung: über ihr Gesundheitsportal und –telefon ebenso wie mit dem 24/7-Online-Arzt-Service. So lässt sich in der Krise mit Digitalität für die Kunden viel erreichen.“

Matthias Kohl, DAK-Gesundheit: „Es gelingt gut, die betrieblichen Abläufe digital und dezentral aufrechtzuerhalten. Jetzt ist jeder wichtig und muss in seinem eigenen Kompetenzfeld das Beste geben. Die Ausnahmesituation befeuert die Digitalisierung.“

Prof. Willems: „Bei aller Dramatik der Situation brauchen wir Achtsamkeit, indem wir unser Verhalten ändern, Gelassenheit im Umgang mit Informationen und Entschlossenheit im gemeinsamen Kampf gegen den unsichtbaren Feind.“

Prof. Wedemeyer: „Bleiben wir beharrlich und wachsam bei dieser großen Herausforderung, auch wenn im nächsten Halbjahr die zweite Infektionswelle kommt. Anschließend müssen wir evaluieren und sehen, wie wir das System besser machen können.“

Dr. Zinn: „Jeder muss an seinem Platz seinen Beitrag leisten, damit wir die Krise überstehen. Es wird ein Marathon, und er wird nur gemeinsam zu bestehen sein.“

Prof. Greten: „Jetzt ist eine solidarische Gesellschaft gefordert. Bei uns haben sich sehr kompetente Politiker gute Ratgeber gesucht. Es gibt kaum Parteienstreit über das weitere Vorgehen. Ich bin dankbar, dass die politisch Verantwortlichen so sachorientiert handeln.“

Pia Kemper, Initiatorin des Forums Zukunftsmedizin und Leiterin der Finanz- und Wirtschafts-EXTRAS des Rheinische Post | Forums, führte gemeinsam mit Christopher Peterka, Geschäftsführer gannaca global, durch die Online-Sendung. Kemper zeigte sich begeistert von dem virtuellen Expertentreffen, den strukturierten Informationen sowie der großen Anzahl von User-Kommentaren. Sie betonte, dass diese Sendereihe in den kommenden Wochen immer montags um 18.00 Uhr fortgesetzt wird – solange es die aktuelle Situation erfordert. Nächster Termin: Montag, 30. März 2020, 18.00 Uhr – 18.45 Uhr

Zum Nachlesen, Nachschauen und Live Dabeisein:

www.forum-zukunftsmedizin.de/live

www.facebook.com/rheinischepostforum

instagram.com/forum_zukunftsmedizin

https://www.youtube.com/watch?v=IO66oiZ3ibQ

Foto: Gregor Hense
Foto: Gregor Hense
Foto: Gregor Hense

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