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Ethik & Gesellschaft

Exzellenz ist nicht gleich Elite

Die Universität Hamburg wurde letzte Woche in den Kreis der Elite aufgenommen. Zur großen Freude der Universitätsleitung wurde die Hamburger Exzellenzstrategie berücksichtigt und so darf sich die Bildungseinrichtung ab jetzt Exzellenz-Universität nennen. Aber was bedeutet dieser Status eigentlich?

Veröffentlicht von Marie Mävers am 30. Juli 2019

In Deutschland werden seit 2006 herausragende Universitäten durch staatliche Förderprogramme ausgezeichnet. Der Wettbewerb Exzellenzstrategie (ExStra) wurde 2016 ins Leben gerufen und am 19. Juli zum dritten Mal vergeben. Daraus hervorgegangen sind elf Universitäten und Verbünde aus mehreren, die sich nun für sieben Jahre mit dem Etikett „Exzellenz“ schmücken dürfen. Und nicht nur das – mit dem Fördervolumen von insgesamt 533 Millionen Euro pro Jahr, ist die ExStra ein wahres Schwergewicht unter den Förderprogrammen und bedeutet für die Bildungseinrichtungen eine große Chance auf finanzielle Förderung und einen Reputationsgewinn.

Für die Universität Hamburg bedeutet die ExStra eine Förderung für vier Exzellenz-Cluster, die durch eine finanzielle Förderung absolute Spitzenforschung betreiben können. Exzellenz-Cluster sind disziplinübergreifende Verbünde von Wissenschaftlern, die gemeinsam an besonders relevanten Themenkomplexen forschen. Ab diesem Jahr werden die Cluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ (Photonen- und Nanowissenschaften), „Climate, Climatic Change, and Society (CliCCS)“ (Klimaforschung), „Understanding Written Artefacts“ (Manuskriptforschung) und „Quantum Universe“ (Mathematik, Teilchenphysik, Astrophysik, Kosmologie) gefördert.

Außerdem umfasst die ExStra der Universität Hamburg noch fünf Leistungsdimensionen in den Feldern Forschung, Lehre, Transfer, Forschungsinfrastruktur und Internationalität. „Anders als bei den Exzellenz-Clustern geht es hier um die ganze Uni“, erklärt Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg. Darunter fällt z.B. der Aufbau eines neuen Studiengangs „Liberal Arts“ und der Fokus auf Internationalisierung, der mehr Studenten ein Auslandssemester ermöglichen und vor allem auch Studierende aus dem Ausland anlocken soll.

Bei dem letzten Punkt werden den deutschen Universitäten allerdings immer wieder ihre Grenzen aufgezeigt. Keine der neuen Exzellenz-Universitäten taucht in dem internationalen Uni-Ranking auf den ersten 20 Plätzen auf. Ein großer Faktor ist dabei das gute Geld. So hat z.B. die Humboldt-Universität in Berlin einen Jahresetat von 400 Millionen Euro. Die amerikanischen Eliteuniversitäten sind meist privat. Stanford, mit knapp 16.500 Studenten ist halb so groß wie die Humboldt-Universität, hat allerdings einen Jahresetat von 6,3 Milliarden Dollar (2018) und ein Stiftungsvermögen von fast 25 Milliarden. „Durch das Stiftungsvermögen und ohne die Abhängigkeit von staatlichen Planungsprozessen können die amerikanischen Unis innerhalb kürzester Zeit neue Strukturen schaffen, etwa neue Institute bauen. Das ist ein System-Vorteil“, sagt Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Doch es scheitert längst nicht nur am Geld. Es geht vielmehr auch um Psychologie, das Selbstverständnis, den Ruf, den Nimbus. „Exzellenz hat auch viel mit Selbstbeschreibung, Symbolik und Erzählung zu tun. Mit kulturellem Kapital, das die eigene Institution ins rechte Licht rückt“, sagt Alt. Diesen Status, den die Universitäten dadurch erlangen, macht sie zur Elite.

Der daraus entstehende deutliche Reputationsvorteil einer amerikanischen Eliteuniversität zeigt sich in einem Beispiel um die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Kaum ein Text oder Fernsehbeitrag über ihren Werdegang verzichtet auf die Nennung einer Bildungsinstitution: die Stanford University in Kalifornien! Dabei hat von der Leyen hier noch nicht einmal studiert. Sie hielt sich da nur auf, weil ihr Mann dort angestellt war. Trotzdem macht sich nur die Erwähnung der berühmten Universität sehr gut im Lebenslauf.

In den Kreis der Exzellenz-Universitäten aufgenommen worden zu sein bedeutet für die Universität Hamburg und ihre Mitstreiter folglich nicht, jetzt automatisch zur Elite zu gehören. Werden aber die Vorhaben der Universitäten im Rahmen der ExStra umgesetzt und langfristig durch die Länder weiter gefördert, kommt es definitiv zu einer Steigerung der Qualität in der Forschung und Lehre in Deutschland. Und seien wir mal ehrlich, Fälle von Bestechungen um Studienplätze von prominenten Amerikanern, wozu es regelmäßig an den Eliteuniversitäten Stanford und Yale kommt, ist dann doch zu elitär.

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