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Sport & Gesundheit

„Bei Akutversorgung des Schlaganfalls das am besten versorgte Land weltweit“

Im Forum Zukunftsmedizin der Rheinischen Post stehen unter dem Aspekt der modernen und individualisierten Datenmedizin die großen Krankheitsbilder der Kardiologie, Neurologie und Onkologie im Mittelpunkt. Als Projektpartner dieser Plattform sprachen wir mit Spitzenmedizinern der fokussierten Fachdisziplinen. Das zweite Interview unserer kleinen Gesprächs-Reihe haben wir mit Prof. Dr. med. Joachim Röther, dem Chefarzt der Neurologischen Abteilung mit überregionaler Stroke Unit, der Neurophysiologie und der Neurologischen Intensivmedizin an der Asklepios Klinik Hamburg-Altona geführt.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 10. Februar 2020

Smartphone-basierte digitale Tests zur Erfassung auch subtiler Gedächtnisprobleme gelten als Revolution in der vorklinischen Behandlung von Alzheimer, da so eine engmaschige Verlaufsbeobachtung den Neurologen die Chance zur rechtzeitigen Disease Interception zu ermöglichen. Was versprechen Sie sich von diesen digitalen Helfern? Sehen Sie die Chance auf Therapieoptionen, bevor klinische Symptome ausgeprägt sind?  

Das Smartphone wird zukünftig ermöglichen, die kognitive Leistungsfähigkeit mit Hilfe digitaler Tests zu erfassen und könnte somit eine Rolle bei der Früherkennung und Langzeitbeobachtung dementieller Entwicklungen spielen.

Diese Apps werden vor allem dann interessant werden, wenn Medikamente für die Frühtherapie vor Beginn der Erkrankung zur Verfügung stehen. Zwar waren bisher alle Versuche, mit Antikörpern gegen das Amyloid, die Zellzwischenräume „frei zu putzen“, und damit den neuronalen Datenverkehr wieder herzustellen, negativ, aber die Studien gehen weiter, und es ist zu hoffen, dass in absehbarer Zeit eine Therapie zur Verfügung steht, die das Amyloid aus dem Gehirn herausschleust. Wahrscheinlich sind Kombinationsstherapien erforderlich, die sich nicht nur gegen das Amyloid richten, sondern auch andere Prozesse, wie veränderte Neurofibrillen und Botenstoffe adressieren.

Bei der Behandlung von Parkinson gibt es immer wieder Hinweise auf neue Ansätze wie die Immuntherapie, bei der spezielle Antikörper injiziert werden, die sich an die verklumpenden Eiweiße binden, um diese aus dem Gehirn zu entfernen. Wie schätzen Sie die Wirksamkeit dieses Verfahrens ein?

Neue Studien mit passiven Impfungen, die sich gegen gegen das Synuclein richten sollen zumindest den Verlauf der Parkinson Erkrankung stoppen oder verzögern. Eine Phase-2-Studie an rund 300 Parkinsonpatienten im Frühstadium verabreicht den Teilnehmern alle vier Wochen eine Infusion und prüft nach 52 Wochen, ob die Krankheit gebremst, gestoppt oder sogar gebessert wurde. Allerdings gibt beim Menschen bisher noch keinen Beleg, ob eine Reduktion des Alpha-Synucleins die Parkinsonsymptome bessern kann. Es spricht zwar viele dafür, dass Alpha-Synuclein ein zentraler Angriffspunkt für die Therapie ist, allerdings ist dies keine Erfolgsgarantie. Erfahrungen mit Impfungen aus der Alzheimerforschung zeigen, dass der Krankheitsmechanismus kompliziert ist und ein einzelner Angriffpunkt ggflls. nicht ausreicht, um den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen.

Jährlich sind 260.000 Patienten von einem Schlaganfall betroffen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft fordert eine bundesweite telemedizinische Schlaganfallversorgung. Welche Vorteile bieten Telestroke-Netzwerke und wie arbeiten diese?

Telestroke Netzwerke sind ein wichtiger Bestandteil der Schlaganfallversorgung in Deutschland. Überall dort, wo kleine Kliniken keine Schlaganfallexpertise vorhalten können, springen große Neurovaskuläre Netzwerke ein, um per „Tele-Doc“ akute Hilfe zu leisten. So unterhält zum Beispiel das Neurozentrum der Asklepios Klinik Altona einen rundum die Uhr Telestroke Dienst für die Bewohner und Besucher der Nordseeinsel Sylt. Erleidet dort ein patient einen Schlaganfall, so wird der Tele-Doc eingeschaltet, eine fahrbare Videoeinheit mit einer hochauflösenden Kamera zur neurologischen Untersuchung des Patienten. Der Neurologe in Altona führt mit Hilfe des Internisten vor Ort die neurologische Untersuchung durch, beurteilt die computertomographische Untersuchung des Gehirns und entscheidet, ob eine Lysetherapie sinnvoll ist, oder der Patient als Notfall in die nächstgelegene Stroke unit auf das Festland, zB nach Flensburg, geflogen wird. Mit seinen 330 von der DSG zertifizierten Stroke unit und telemedizinischen Einheiten ist Deutschland im Hinblick auf die Akutversorgung des Schlaganfalls das am besten versorgte Land weltweit.

 


Prof. Dr. Joachim Röther, ASKLEPIOS Klinik Altona

 

 

 

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