HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 25. Oktober 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kinderschutz

Generation Wodka

„Jedes zehnte 12-jährige Kind betrinkt sich einmal in der Woche“, das ist keine Behauptung, sondern eine Feststellung von Bernd Siggelkow, dem Gründer der Arche. Gemeinsam mit zwei Co-Autoren zeigt er in dem Buch „Generation Wodka -Wie sich unser Nachwuchs mit Alkohol die Zukunft vernebelt“ die Präsenz und Akzeptanz der Gesellschaftsdroge Alkohol.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 4. September 2019

Seit dem ich das Buch gelesen habe, hat sich mein Blick auf die Gesellschaft und mich selbst verändert. Ich bin viel kritischer geworden, akzeptiere eine positive Meinung zum Thema Alkohol nur noch schwer und versuche mithilfe diverser Gespräche und Diskussionen, Alkohol mehr zu einem Problem, anstatt einem Bestandteil der Gesellschaft zu machen.

Denn sind wir mal ehrlich: Alkohol ist überall und zu jedem Anlass anerkannt. Es wird zum Geburtstag, dem Jubiläum, der Verabschiedung, der Hochzeit, der Trauerfeier sogar zum Feierabend angestoßen. Und mit was? Natürlich mit Alkohol. Bestellt man sich eine Cola – oder noch schlimmer: ein Wasser – wird komisch geschaut. Nicht selten kommt die Frage, warum man nicht trinkt? Es werden wilde Spekulationen losgetreten, für die man sich rechtfertigen muss. Dabei sollte es genau andersherum sein. Wir sollten uns fragen, warum nehmen wir die Droge Alkohol mit einer Selbstverständlichkeit zu uns, ohne dies zu hinterfragen?

Vermutlich liegt es an der ständigen Anwesenheit des Alkohols. Zu Hause steht der Alkohol gut sichtbar und leicht zugänglich im Regal, dem Vorratsraum oder dem Kühlschrank. So kommt es, dass bereits Kinder den Respekt verlieren, ganz nach dem Motto: „Wenn Mama und Papa davon so viel vorrätig haben, dann wir es schon nicht so schlimm sein“, so Siggelkow.

Zudem sieht man nicht nur in den Bars, sondern auch in den Bahnen und anderen öffentlichen Orten Erwachsene jeden Alters nach einem langen und stressigen Arbeitstag ein Bier zischen, frei nach dem Motto: „Ein Bier ist doch kein Alkohol!“

Aber diese Annahme ist falsch. Ein Kind im Alter von 13 Jahren, mit einer Körpergröße von 150 cm und einem Gewicht von 45 Kilogramm hat nach zwei Bieren á 0,5 Liter einen Promillewert von 1,03. Das ist schon viel, aber durch den herben Geschmack des Bieres weichen die Kinder und Jugendliche viel öfter auf (Bier-)Mischgetränke aus. Diese haben einen höheren Alkoholgehalt der durch den wesentlich süßeren Geschmack jedoch nicht so gegenwärtig ist, wie beim Bier. Wodka wird wie Saft oder Cola einfach heruntergekippt, bis der Zustand der Besinnungslosigkeit erreicht ist und Jugendliche sich mit der Anzahl ihrer Krankenhausaufenthalte profilieren.

Doch nicht nur die Gesellschaft, auch die Medien haben natürlich eine entscheidende Rolle. Alkoholkonsumenten werden jung, glücklich und mit einer Menge Freunde dargestellt. Kein Wunder, es würde vermutlich kaum jemand Alkohol kaufen, wenn die Werbung ihm suggeriert, dass er am Ende des Abends bewusstlos, allein und mit Mageninhalt-bekleckertem T-Shirt in einer dunklen Gasse endet.

Bernd Siggelkow verwendet klare Worte, die die Mittäterschaft des Staates an der Generation Wodka unterstreichen: „Bringen wir es auf den Punkt: Das Rauchen und Saufen wird durch den Steuerzahler mitfinanziert und durch Subventionen der Schnapsbrennereien wird dieser für immer mehr Kinder und Jugendliche erschwinglich.“.

Blicken Sie sich mal um und beobachten, wann Alkohol bei Ihnen oder in Ihrem Umfeld in den Mittelpunkt oder ins Unterbewusstsein gerät. Ich gehe davon aus, es wird keinen Tag dauern bis Sie Alkohol sehen, riechen, trinken, davon hören oder eine Aufforderung ablehnen, ganz gleich, wo Sie leben.

Sobald Ihnen die Situation bewusst wird, stellen Sie sich vor, Sie sind zwischen 13 und 18 Jahre alt und haben Ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden. Haben keine starke Basis hinter sich. Wie einfach ist es dann zum Alkohol zu greifen, wie im Song Astronaut von Andreas Bourani und Sido  um „[…]die Sorgen, Problem in einem Becher voll Wein zu ertränken […]“ und zu fliegen?

Jeder von uns kann dabei helfen, die Generation Wodka zu stoppen und einen Beitrag leisten, damit Alkohol als Droge wahrgenommen wird.

Hilfreiche Argumente und reale Geschichten liefert das Buch

„Generation Wodka-
Wie sich unser Nachwuchs mit Alkohol die Zukunft vernebelt“

adeo Verlag, ISBN 978-3-942208-45-1
11,99 EUR

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*