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Ethik & Gesellschaft

Generation X und welche Generationen unsere Gesellschaft geprägt haben

Die verschiedenen Generationen aus der Vergangenheit und der Gegenwart könnten im Vergleich nicht unterschiedlicher sein. Und doch haben sie eines gemeinsam: die Suche nach einer prägenden Identität und dem Sinn ihrer Existenz. Dieser Prozess war und ist nie geplant, er geschieht einfach. Denn jede Generation versucht die gesellschaftlichen Ziele auf ihre eigene Art und Weise umzusetzen.

Veröffentlicht von Anna-Katharina Haag am 13. August 2019

Die 68er sind heutzutage fast jedem Menschen ein Begriff, denn sie kämpften gegen autoritäre Strukturen und den Krieg, für die Gleichberechtigung der Frau und für eine Gesellschaft, in der jeder frei und gleich leben kann. Sie stehen auch heutzutage noch immer für den sozialen Umbruch zwischen der Generation der Traditionalisten, deren sozio-kulturelle Welt von Gehorsam und Respekt geprägt war und den Generationen der Neuzeit, die sich nach und nach aus der konservativen Ecke heraus boxten. Einige kritische Stimmen sehen durch die 68er aber nicht nur den positiven Übergang in die Moderne, sondern verbinden diese Zeit vor allem mit einem enormen Wertverlust und sehnen sich nach einer traditionelleren Zeit zurück.

Den 68ern folgte eine Generation, die irgendwie zwischen den Stühlen stand, die 78er. Die politische Revolution wurde bereits von der Generation zuvor angestoßen, die Menschen lebten zunehmend freier und der Weg in eine offenere Gesellschaft war bereits geebnet. Also suchten sie ihr Glück im Sammeln von Erfahrungen und dem Ausbau der bereits gewonnen Errungenschaften wie beispielsweise Feminismus und Gleichheit. Sie waren der Übergang von einer Generation, die sich für alles interessierte zu einer Generation, der ein allgemeines Desinteresse zugeschrieben wird: Generation X.

Wie auch allen anderen Generationen werden auch der Generation X, die die Jahrgänge 1965 bis 1980 umfasst, typische Merkmale zugeschrieben. Hierzu zählen beispielsweise ein relativ hohes Bildungsniveau, ein ausgeprägtes Konsumverhalten oder Oberflächlichkeit und Egoismus. Das klingt erst einmal sehr negativ, aber viele betrachten diese Generation heutzutage als „Wandelnde zwischen zwei Welten“. Sie wuchsen in einer Zeit auf, in der das Wirtschaftswunder lange zurück lag, Massenarbeitslosigkeit dominierte und sich die Welt durch den kalten Krieg und die atomare Aufrüstung zunehmend unsicherer anfühlte. Kein Wunder also, dass sich einige von ihnen durch Desinteresse und Konsum vor dieser Angst zu schützen versuchten. Aber sie waren es auch, die uns von der analogen in die digitale Welt führten und maßgeblich dafür verantwortlich sind wie wir heute arbeiten und leben. Das einstige Desinteresse dieser Generation wurde von Innovationsgeist und dem Motto „Lean in – häng‘ dich rein“ abgelöst. Die Karrierechancen wurden in einem völlig neuen Kontext betrachtet. Ebenso wandelten sich die Chancen und Perspektiven der arbeitenden Frauen. Sie schafften es an die Konzernspitzen und entwickelten ein völlig neues Selbstverständnis von ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten. Diese Arbeitswut bis hin zu der Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse zeigte dieser Generation in Form des Burnouts aber auch ihre eigenen Grenzen auf. Kein Wunder also, dass für die nachfolgenden Generationen Y und Z die Work-Life-Balance das Wichtigste überhaupt darstellt.

Die Generation Y, auch Millennials genannt, sieht ihren Lebensinhalt nicht nur in der Arbeitswelt, sondern braucht für ein zufriedenes Leben einen angemessenen Freizeitausgleich. Dieser Wunsch resultiert auch daraus, dass sie bereits in eine digitalisierte und immer schneller werdende Welt geboren wurden und der Hektik des Alltags gerne einmal durch eine digitale Diät entfliehen. Ebenso wie die Generation zuvor haben sie politische Krisen und Terroranschläge bereits aktiv miterlebt und kennen das Gefühl einer allgemeinen Unsicherheit. Hieraus resultiert aber auch eine Stärke dieser Generation, denn aus Unsicherheit resultiert Improvisation und der Wunsch aus diesen Situationen das Beste machen zu wollen.

Das Schlussschlicht dieser Reise durch die verschiedenen Generationen bildet Generation Z, die sich eigentlich gar nicht mehr kategorisieren lässt. Die „Digital Natives“ kennen durch schnelle Internetverbindungen und günstige Fernreisen bereits die ganze Welt und lassen sich nicht mehr in vorgefertigte Schubladen quetschen. Es gibt keine allgemeine Identitätssuche mehr, denn diese Generation hat viele Identitäten. Sie handeln politisch frei und ungezwungen, wollen sich selbst kein Label mehr geben und teilen durch soziale Medien jedes mit jedem. Eine völlig neue Generation also, die fast alles vorher da gewesene ablöst und hinter sich lässt. Fast. Denn die Fridays for Future Demonstrationen, bei denen sich Schüler und Studenten aktiv für den Klimaschutz einsetzen, erinnern doch ein klein wenig an die politische Revolution der 68er, die sich auch für eine bessere Welt einsetzten. Anscheinend prägen die verschiedenen Generationen einander mehr, als ihnen eigentlich bewusst ist.

 

 

 

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