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Ethik & Gesellschaft

Homosexualität im Islam

Schon die Überschrift dieses Beitrags stellt den Leser unweigerlich vor die Frage: Wird eine andere sexuelle Orientierung aufgrund der Lehren des Koran überhaupt von gläubigen Muslimen akzeptiert? Christian Awhan Hermann, der sich selbst als ersten offenen schwulen Imam Deutschlands bezeichnet, sieht eine der zentralen Lehren des Islams darin einen guten Weg zu finden – und zwar für alle Menschen.

Veröffentlicht von Anna-Katharina Haag am 30. Januar 2019

Hermann hat im Islam ein religiöses zu Hause gefunden und sieht als konvertierter Moslem eine noch größere Chance für unterdrückte Homosexuelle Muslime ein Netzwerk zu schaffen, das gleichzeitig Offenheit und Schutz bietet. Als Imam ist er Ansprechpartner für arabische muslimische Männer und Frauen, die ihre sexuelle Orientierung nicht offen ausleben können oder wollen. Täglich erreichen ihn viele Nachrichten von Menschen, die sich ihm anvertrauen und für einen Moment Zuflucht bei ihm finden. Viele von ihnen führen ein angepasstes Leben und erlauben sich nur während der Gespräche mit Hermann offen über ihre sexuellen Bedürfnisse zu sprechen. Denn Andersartigkeit ist für streng konservative Muslime ein Tabuthema. Menschen wie Hermann, die versuchen Tabus aufzubrechen und für Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung einzustehen, werden häufig als Bedrohung gesehen und öffentlich diskriminiert. Dies schreckt ihn aber nicht ab, sondern motiviert ihn zusätzlich, da er den Aufbruch des Islam in Richtung der Emanzipation spürt. Dieser Umbruch geschieht jedoch nicht auf der ganzen Welt, sondern in westlichen geprägten Ländern. In den USA gibt es beispielsweise bereits Moscheen, die von Transmenschen oder lesbischen Frauen geleitet werden. Ein klares Zeichen für den Wandel der religiösen Glaubensgrundsätze und des konservativ geprägten Weltbildes. Umso härter ist der Gegensatz zu den Ländern des Nahen Ostens, da hier Homosexualität in einigen Ländern noch immer unter Todesstrafe steht. Homosexuelle Menschen werden häufig zu Menschen 2. Klasse degradiert, öffentlich verfolgt und geächtet. Viele von ihnen haben also gar keine andere Wahl, als ihre sexuelle Orientierung zu verstecken oder im Geheimen auszuleben.

Die Hoffnung, dass der Islam irgendwann auch die gleichgeschlechtliche Liebe akzeptiert, gibt Hermann nicht auf. Er wird sich auch weiterhin dem Diskurs stellen, um sein Ziel zu erreichen. Denn für ihn steht fest: „In hundert Jahren werden homophobe Vorstellungen ausgestorben sein.“

 

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