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Ethik & Gesellschaft

„Ich möchte kein Guru sein…

..ich sage einfach meine Meinung“, sagt Jaron Lanier, Virtual Rality-Pionier mit hüftlangen Dreadlocks. Der Intellektuelle aus dem Silicon Valley wird in Fachkreisen „Octopus“ genannt, Office of the Chief Technology Officer Prime Unifying Scientist, was bei seinem Arbeitgeber Microsoft so viel heißt wie „Büro des Cheftechnologen und Universalgelehrten.“ Der Querdenker und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels (2014) hat am 5. Juni 2018 eine Streitschrift mit dem provozierenden Titel „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ vorgelegt.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 19. Dezember 2018

Die Botschaft verblüfft. Der Chefentwickler eines Computergiganten rät auf 204 Seiten zur digitalen Enthaltsamkeit, so wie der Schriftsteller Salman Rushdie als Reaktion auf die Wahl Donald Trumps seinen Twitter Account löschte. Larnier hat in der Tat keine Accounts bei Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp oder Snapchat und wendet sich in seinem Buch gegen all das, was er unter BUMMER subsummiert, ein Akronym das für Behaviors of Users Modified, and Made into an Empire for Rent. Mit BUMMER zahlen wir für kostenlose aber suchterzeu-gende und manipulative Netzwerkdienste nach seiner Einschätzung einen viel zu hohen Preis.

Als seelenlosen Algorithmen ausgesetzte Teilzeit-Testkaninchen, für die Werbung sich zu einer Verhaltensmodifikation in gigantischem Umfang entwickelt hat, wo allgegenwärtige Überwachung und subtile Manipulation vorherrscht, wo der Mensch zum Tier im Laborkäfig der Behavioristen degeneriert ist, wo er süchtig und von Netzwerkeffekten gefesselt wird und wo Fake-Fabriken über Bots und automatisierte KI-Systeme Verschwörungstheorien und Paranoia gedeihen lassen. Für Larnier wird BUMMER zur Bedrohung für das Überleben der Menschheit. „BUMMER ist nur pro Verfolgungswahn, pro Reizhaftigkeit und pro allgemeine Arschlochhaftigheit“, schreibt der Sohn jüdischer Emigranten, dessen Eltern dem Holocaust und den russischen Pogromen entkommen sind.

Im Frühjahr dieses Jahres resümierte Larnier im Kongresszentrum von Vancouver im Rahmen eines vielbeachteten Vortrags: „Ich kann diese Sachen nicht mehr soziale Netzwerke nennen. Ich nenne sie Imperien der Verhaltensmanipulation“. Sein Credo: „Wir müssen Freude, kritisches Denken, Individualität, Wissbegierde und andere Qualitäten fördern, die nicht in ein akkurates Raster passen. Sich die Kontrolle über die eigenen Informationen zurückzuholen, ist ein guter Weg.“ Und dann gab er in einem SPIEGEL-Interview am 3. November 2018 noch eine interessante Bobachtung zu Protokoll: „All die Eltern, die bei Google und Facebook arbeiten, erlauben ihren Kindern nicht, die Produkte zu benutzen, die sie selbst entwickeln. Es ist grotesk. Die Kids im Silicon Valley kriegen alle keine Handys und dürfen sich vor keinen Bildschirm setzen.“

 

 

 

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