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Ethik & Gesellschaft

In guten wie in schlechten Zeiten

Nina Zacher, vierfache Mutter und liebende Ehefrau erkrankt mit Anfang 40 an der unheilbaren, degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, besser bekannt als ALS. Ihren größten Wunsch, ein Buch zu schreiben, beendet ihr Mann Karl-Heinz Zacher in Zusammenarbeit mit Dorothea Seitz. Eine herzzerreißende Geschichte über eine wahnsinnig starke Frau, die zwar den Kampf gegen die Krankheit, aber nie die Liebe zu ihrer Familie verliert.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 24. Juli 2020

Im Jahr 2013 beginnt sich der Körper von Nina Zacher zu verändern. Immer wieder hat sie Aussetzer, die viele Ärzte nicht erklären können. Sie selbst macht sich auf die Suche und hat ALS im Verdacht. Als sich dieser bestätigt, bricht eine Welt zusammen. Während der prognostizierten Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren wird ihr Körper langsam aber sicher alle erlernten und für sie alltäglichen Funktionen aufgeben. Das Halten und Beschützen ihrer vier Kinder wird sie nicht mehr so durchführen können, wie sie es sich gewünscht hat. Auch die heiß geliebten Feiern, Urlaube und Familienausflüge werden mit der Zeit unmöglich. Doch weder Nina Zacher, noch ihr Mann Karl-Heinz Zacher lassen sich davon unterkriegen. Immer wieder betonen sie, dass es richtige „Scheiß-Tage“ gibt, an denen sie ich fragen: Warum wir? Warum jetzt? Warum überhaupt? Aber da es darauf keine Antwort gibt, versuchen sie jeden Tag, jede Stunde so gut es geht zu genießen.

Ein letztes Mal in die USA, ein letztes Mal Oktoberfest, ein letztes Mal Essen gehen, bei dem sie nicht gefüttert werden muss. Für eine selbstständige und willensstarke Frau, wie Nina Zacher ist es wahnsinnig schwer zu akzeptieren, dass ihr Körper nicht mehr das macht, was sie will.

Mit der Ice-Bucket-Challenge im Jahr 2014 erlangt die Erkrankung des Nervensystems, nach Stephen Hawking, Aufmerksamkeit und Bekanntheit, die vor allem die Deutsche Gesellschaft für Muskelerkrankte e.V. und Chance zum Leben ALS e.V. für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen können. Auch Nina Zacher springt auf den Zug auf und erstellt eine öffentliche Facebook-Seite, auf der sie Freunde, Bekannte und Fremde auf dem Laufenden hält. Hierbei nimmt sie kein Blatt vor den Mund, lässt die Menschen aber kaum an den „Scheiß-Tagen“ teilhaben. Diese, aber auch die guten Tage und Stunden teilt sie gerne mit ihrem Mann. Er übernimmt die Pflege für sie. So wie sie es sich bei ihrer Hochzeit versprochen haben: In guten, wie in schlechten Zeiten. Auch wenn die Kommunikation immer schwieriger wird, Fremde Nina Zacher nicht mehr verstehen, hält das Paar die Kommunikation aufrecht.

Am heutigen Tag der digitalen Liebe, möchte wir einen kurzen Blick auf die fortschrittliche Technik werfen, die es beispielsweise Menschen mit ALS trotz fehlender Sprache ermöglicht sich anderen Menschen mitzuteilen. So hat Nina Zacher am Ende mit Hilfe ihrer Augen einen Computer steuern können, der für sie das Schreiben der Facebook-Post, das Sprechen oder das Verfassen der Abschiedsbriefe an ihre Familie und Freunde erleichtert hat.

Das Ehepaar Zacher zeigt nicht nur in vielen öffentlichen Auftritten, sondern auch in dem Buch Such dir einen schönen Stern am Himmel, wie Freunde, Familie und sie selbst mit der Krankheit umgehen und dass wahre Liebe nicht nur in guten Zeiten Bestand hat, sondern auch in schlechten, und so nahezu aussichtslose Lebensabschnitte gemeinsam zu meistern sind. Nicht immer sind sie von Erfolg gekrönt, machen uns aber auch deutlich, wie wichtig wahre, ehrliche und aufrichtige Freundschaft, Familie und Liebe ist.

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