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Informationstag Brustkrebs Hamburg 2019

Im 16. Jahr fand am 10. Februar 2019 der Patientinnentag des Mammazentrums Hamburg am Krankenhaus Jerusalem statt – und zum sechsten Mal im Atrium der HanseMerkur. Eingeladen waren zwei Jahrgänge der im Zentrum an Brustkrebs operierten Frauen zu sieben Vorträgen, die neue Aspekte in der operativen und medikamentösen Therapie ebenso beleuchteten wie Aspekte der Lebensführung nach der Brustkrebsdiagnose.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 12. Februar 2019

„Wissen und ärztliche Kompetenz machen den Unterschied“ ist ein Credo des Hamburger Brustkrebszentrums, das nach dem Hamburger Krankenhausspiegel im Jahre 2018 1.465 onkologische Opera-tionen durchführte, mehr als alle übrigen Hamburger Krankenhäuser zusammen. Als ein nationales Referenzzentrum zur Behandlung des Mammakarzinoms ist die Einrichtung in der Hansestadt auf https://www.klinikbewertungen.de/ mit sechs Sternen gelistet, u.a. für „Qualität der Beratung“ und „Medizinische Behandlung“.

Dass das Mammazentrum Hamburg auch innovative Wege jenseits der Leistungskataloge von Krankenkassen und -versicherungen gehen kann; dafür sorgt eine eigene Stiftung, die u.a. auch eine Ambulanz für Chinesische Medizin (TCM) unterhält, aus der Dr. Barbara Kirsch-baum berichtete, die 40 Jahre Expertise zur asiatischen Heilslehre mitbringt und schon 30.000 Akupunkturen an 2.500 Patientinnen des Mammazentrums Hamburg durchführen konnte. Sie sieht die TCM als Teil einer integrativen Onkologie, die neben der Schulmedizin auch auf Mind-Body-Verfahren (Medi-tation, Yoga) und komplementäre Heilverfahren wie Mikronährstoffe setzt. Als wirksam erweist sich die TCM u.a. zur Linderung der Therapienebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit, über die Verum-Akupunktur zur Schmerzlinderung, bei Hitzewallungen, ausgelöst durch Tamoxifen sowie bei polyneuropathischen Sensibilitätsstörungen (Taubheit, Kribbeln und Missempfindungen) in den Extremitäten. Dr. Kirschbaum rekurrierte hier explizit auf zwei Studien aus dem HanseMerkur Zentrum für TCM am UKE des Neurologen und Privatdozenten Dr. Sven Schröder.

 Dem Tabuthema „Sexualität nach Brustkrebs“ nahm sich die Gynäkologin Dr. Elke Franzki über ein Zitat der Psychoanalytikerin Arlene Heyman an, die mit über 70 Jahren den Erzählband „Scary Old Sex“ veröffentlichte: „Solange der Mensch atmet, will er Sex.“ Doch was tun nach einer langwierigen Brustkrebs-behandlung, die einen massiven Eingriff in die Sexualität der Frau darstellt, was tun bei trockenen Schleimhäuten und dem Gefühl, von einer begehrenswerten Frau zu einer versehrten Patientin geworden zu sein? Dr. Franzki bemühte ein chinesisches Sprichwort: „Zwischen dem Wort und der Tat liegt das Meer“ und hatte doch einiges Rüstzeug und Tipps für die Überfahrt dabei: Granatapfelöl gegen Scheidentrockenheit, „Seien Sie mutig, entdecken Sie sich neu“ und vor allem: „Entdecken Sie die Selbstliebe und belohnen Sie sich mit Sex, der das Immunsystem stärkt. Und Priv.-Doz. Dr. Kay Friedrichs, der wie immer eloquent und brillant die Veranstaltung moderierte, setzte noch einen drauf: „Das Geheimnis einer guten Beziehung ist, dass man aus einer Serienaufführung eine Premiere macht.“

Zum Thema „Kinderwunsch bei/nach Brustkrebsdiagnose“ referierte Prof. Dr. Frank Nawroth, Gynäkologe bei Amedes Hamburg. Er hatte eine schlechte, aber viele gute Nachrichten im Gepäck. Einschränkend ist festzuhalten: „Wir Menschen sind schlecht fruchtbar.“ Aber: immer mehr Frauen überleben den Brustkrebs früher und besser und denken darüber nach, sich die Fruchtbarkeit noch vor der onkologischen Behandlung durch Einfrierung von Eizellen zu sichern. Aber: Bei einem mittleren Erstgebärendenalter von 31 Jahren in Deutschland tickt die biologische Uhr. So sind bei einer 40-Jährigen bereits 60 Prozent der Eizellen nicht mehr in Ordnung. Die Fehgeburtenrate steigt. Die erfolgreiche Einnistung einer Eizelle nach der Krebsbehandlung beträgt bei ihr nur noch 5 Prozent gegenüber 15 Prozent bei einer 30-jährigen Patientin. Überhaupt: die Wahrscheinlichkeit, nach einer Eizellenimplantation ein Kind zu bekommen, liegt durchschnittlich nur bei 30 Prozent. Der Eigenanteil dieses Verfahrens liegt derzeit bei rund 3.000 Euro. Ein Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen in der DACH-Region gibt Frauen, die sich mit dem Einfrieren ihrer Eizellen befassen, einen guten Überblick zu den Möglichkeiten und Verfahren. Prof. Nawroth rät übrigens zur Sicherung unbefruchteter und nicht befruchteter Eizellen: „Wer weiß, ob Sie nach der Krebsbehandlung noch mit Ihrem Partner zusammen sind.“

Aus dem Brustzentrum am Luisenkrankenhaus Düsseldorf berichtete die Studienleiterin und 1. Vorsitzende der Internationalen Senologie Initiative e.V., Dr. Trudi Schaper, dass 20 Prozent der Patientinnen unter der Chemotherapie mit Taxanen oder Platin-Derivaten auch irreversible Polyneuropathien (PNP) entwickeln, die sich so stark ausprägen, dass teilweise die onkologische Therapie abgebrochen werden muss. Dagegen beugt ein neues Thermoheilverfahren vor, das über Handschuhe und Füßlinge 30 Minuten vor, während der Behandlung und 60 Minuten nach Chemotherapiegabe Hände und Füße konstant auf 10 bis 12 Grad Celsius runterkühlt, um die Blutgefäße enger zu stellen so dass die toxischen Substanzen die Nervenendigungen nicht mehr erreichen. In einer Studie mit 108 Teilnehmerinnen waren durch dieses Verfahren 93 Prozent beschwerdefrei,ohne beeinträchtigende Symptome der PNP.

Prof. Dr. Felix Hilpert vom Mammazentrum Hamburg stellte neue operative Aspekte der Brustrekonstruktion vor. Auch wenn das brusterhaltende Operieren plus Bestrahlung der Restbrust medizinisch die Überlebenschancen nicht verschlechtert, treten immer mehr Frauen mit dem Wunsch einer Brustam-putation an die Mediziner heran. Prof. Hilpert: „Das Nichtschadenprinzip ist das wichtigste Prinzip der ärztlichen Tätigkeit.“ Gleichwohl gibt es für eine Mastektomie  klare medizinische Indikationen: entweder sind mehrere Tumore in einer Brust vorhanden oder die Lymphknoten der Haut befallen. Manchmal ergibt sich auch ein ungünstiges Tumor-Brust-Verhältnis oder es liegt ein DNA-Defekt durch mutierte BRCA-Gene vor. Die Rekonstruktion wird entweder über ein Implantat sichergestellt oder durch den Aufbau der Brust mit Eigengewebe, meist aus dem Bauchraum. Dies gelingt jedoch meist nicht in einem Schritt. Zwei bis drei OPs sind erforderlich.

Abschließend lenkte Hilperts Kollege am Hamburger Mamazentrum, Prof. Dr. Christian Schem, den Blick auf Fortschritte in der medikamentösen Therapie. Sein Credo: „Die Tumorbiologie wird für die Behandlung des Krebses immer wichtiger. Die Erkrankung wird immer individueller aufgearbeitet, die genomische Testung wird zum Standard.“ Dies sei auch dringend notwendig, da die Chemotherapie für die Patientinnen nicht nur das am meisten belastende Thema ist, sondern dass bewiesen sie, dass hier auch zu mindestens 25 Prozent übertherapiert wird. An die Stelle treten z.B. Immuntherapien. Ein komplexes Forschungs- und Therapiefeld, welches das Mammazentrum Hamburg neben anderen versucht, über das Portal https://www.senolog.de/ für Patientinnen, Angehörige und Interessierte in Alltagssprache zu übersetzen.

Und bei allen Erfolgen der onkologischen Therapie beschloss PD Dr. Kay Friedrichs mit einer optimistischen Botschaft den Informationstag Brustkrebs: „Mit Blick auf unsere 43.500 Patientinnen seit 1993 sinkt die Rückfallquote ständig. Aber der Erfolg besteht zu 99 Prozent aus Transpiration und zu einem Prozent aus Inspiration (Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt). Und viele einzelne Therapiekonzepte sind das Salz in der Suppe der Behandlung.“

Der 17. Informationstag Brustkrebs findet am 9. Februar 2020 im Atrium der HanseMerkur statt.

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