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Ethik & Gesellschaft

Innerhalb von 30 Minuten zurück zur Würde

Während am heutigen Valentinstag über 50 Prozent der Paare in Hamburg zusammen über 150 EUR für gegenseitige Geschenke ausgeben, sind mehr als 5.000 Menschen wohnungslos und weitere 1.910 Menschen obdachlos. Sie wünschen sich vermutlich nichts sehnlicher als einen warmen, sicheren und sturmfreien Platz, sowie Menschen die ihnen ein offenes Ohr schenken. GoBanyo, der erste Duschbus Deutschlands hat es sich als Aufgabe gemacht, den Menschen die Würde in Form einer Dusche zurück zugeben.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 14. Februar 2020

Am 7. Februar 2020 hat GoBanyo die Türen geöffnet und somit nicht nur Hamburgerinnen und Hamburgern die Möglichkeit gegeben, einmal hinter die Kulissen der fahrenden Badezimmer zu schauen. Der Duschbus, mit den drei voll ausgestatteten Badezimmern, ist seit Anfang Dezember 2019 auf den Straßen Hamburgs unterwegs. Bereits im ersten Monat hat das Team um Chris und Dominik an 15 Duschtagen 65 Duschgäste begrüßt und auch im Januar nehmen die Besucherzahlen nicht ab. 

An vier Tagen in der Woche steht der Duschbus, sowohl mit Hauptamtlichen, als auch mit ehrenamtlichen Helfern an drei Orten in Hamburg für Menschen, denen der Zugang zu einer Dusche fehlt, zur Verfügung. Während es am Montag zwischen 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr am Fischmarkt noch recht ruhig ist, kann es am Donnerstag von 9:00 Uhr bis 14:00 Uhr am Millerntor schon einmal zu Wartezeiten kommen. „Sonntag, von 13:00 Uhr bis 18:00 Uhr ist am Steintorplatz Großkampftag. Da haben wir schon einmal 26 Gäste an einem Tag gehabt.“, so Anselm, der Fahrer des ehemaligen Hochbahnbusses. Er hat mir auch erzählt, dass der Frauentag, am Samstag von 13:00 Uhr bis 18:00 Uhr, ebenfalls am Steintorplatz, noch nicht so stark besucht ist. Begründen tut er das mit dem noch bis März laufenden Winternot-Programm. „Kaum jemand würde auf einen sicheren Schlafplatz, für eine Dusche verzichten.“

Am Tag des offenen Busses hatte ich nicht nur die Möglichkeit, das Gefährt, das mich 13 Jahre lang zur Schule gebracht hat, von einer anderen Seite kennenzulernen, sondern auch die Menschen, die das Projekt GoBanyo von einer fixen Idee, über das Spendensammeln zu einer beliebten Anlaufstelle für Obdachlose gemacht haben, kennenzulernen. 

Da ist Chris, der Mann, der im Hintergrund die Fäden in der Hand hält. Dominik, der vermutlich als das Gesicht von GoBanyo bekannt geworden ist und nicht nur Katharina Fegebank, der zweiten Bürgermeisterin von Hamburg, sondern auch Schülern seine Geschichte und die Bedeutung von GoBanyo näher bringt. Stella und Anselm, die Ansprechpartner vor Ort, sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Immer wieder betonen sie aber: „Bei einer maximalen Auslastung von 30 Gästen pro Tag würden wir es ohne unsere anpackenden, putzenden und Ohr-schenkenden Ehrenamtlichen nicht schaffen. Wir sind stolz, sie zu haben.“ Auch HanseaticHelp ist mit einer Kleiderkammer im Bus vertreten. Nur so ist es den Duschgästen möglich, nach dem Gang ins Badezimmer, der warme Dusche, der Bartrasur oder dem neuen Haarschnitt in frischer Kleidung weiterzuziehen. 

Ich bin wirklich beeindruckt, wie man einen Bus so verändern kann, dass drei Menschen, einer davon sogar mit Rollstuhl, gleichzeitig in Ruhe duschen, auf Toilette gehen oder sich pflegen können. Für die meisten von uns ist es vermutlich kaum vorstellbar, nicht täglich zu duschen. GoBanyo zeigt aber, dass es möglich ist, Menschen diesen Zugang nicht länger zu verwehren. Damit dieses Privileg nicht nur Hamburgerinnen und Hamburger haben, denken sie bereits an einen Ausbau auch in anderen Städten oder Regionen. „Das Ruhrgebiet könnte unserer nächstes Ziel sein. Dort ist die Armut gut zu spüren und man könnte täglich in anderen Städten sein.“

Wenn man Anselm so zuhört, fragt man sich, warum müssen so viele Jahre vergehen, bis Projekte wie GoBanyo entstehen. Und wenn noch einigen  Valentinstag-Paaren klar wird, dass Zuneigung und Liebe am Valentinstag nicht unbedingt mit überteuerten Blumen, sondern auch mit Worten und Taten gezeigt werden können, kann das Geld bestimmt anders eingesetzt werden, zum Beispiel für eine kleine Geste der Menschlichkeit und Nächstenliebe am Gabenzaun?

Hier, im vorderen Teil des Busses befinden sich zwei Badezimmer.
Foto: Pia Kracke
Dies ist eins der beiden Badezimmer, aus dem vorderen Busteil. In dem Spiegelschrank können persönliche Gegenstände während des Duschens trocken gelagert werden.
Foto: Pia Kracke
Während des Betrieb befindet sich in diesem Regal neben den Handtüchern auch saubere Kleidung für die Duschgäste.
Foto: Pia Kracke
Das Badezimmer im hinteren Busteil ist behindertengerecht und das Waschbecken höhenverstellbar.
Foto: Pia Kracke
Katharina Fegebank, die zweite Bürgermeisterin von Hamburg und Dominik Bloh im Gespräch.
Foto: Pia Kracke

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