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Ethik & Gesellschaft

Ist ein Leben ohne Kinder in Deutschland nicht erlaubt?

Für Frauen, die in Deutschland leben und sich gegen die typische Familie, mit eigenen Kindern, entscheiden, wird es immer schwieriger. Sie finden keine Ärzte, die sie bei ihrem Wunsch der Sterilisation oder einer Abtreibung unterstützen. Auf sich allein gestellt kämpfen sie jahrelang für ein selbstbestimmtes Leben.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 17. September 2019

Als Kind habe ich liebend gern Vater, Mutter und Kind mit meiner Schwester und unseren Nachbarskindern gespielt. Nach der Schule, der Vorschule oder dem Kindergarten hat sich keiner von uns lange zu Hause aufgehalten. Wir waren zum Spielen verabredet. Bis 18 Uhr von montags bis freitags gab es kaum ein anderes Spiel für uns. Dass es jedoch auch Kinder und Jugendliche gibt, die sich weder für dieses Spiel noch an den Gedanken einer „richtigen Familie“ mit eigenen Kindern gewöhnen können, war mir zu dem Zeitpunkt natürlich nicht bewusst.

Dass Frauen beim Frauenarzt ausgelacht werden, wenn sie den Wunsch einer Sterilisation, also einem dauerhaften Abklemmen der Eierstöcke, äußern, erachte ich als wahnsinnig respektlos und unvorstellbar. Doch es geschieht öfter als gedacht. So eröffnet eine junge Frau im Alter von 14 Jahren ihrem Frauenarzt, dass sie sich Gedanken über eine Sterilisation macht. Anstatt mit Verständnis zu reagieren wird Sie ausgelacht und mit folgenden Worten vertröstet: „In zehn Jahren werden Sie sich sicher Kinder wünschen und dann ist alles vorbei.“ Es sind bereits mehr als zehn Jahre vergangen und der Wunsch der Sterilisation wird täglich größer. Doch findet sie niemanden, der diesen Eingriff vornimmt.

Ähnliche Gefühle bewegen eine 30-jährige Frau. Sie und ihr Freund sind eine tolle Familie, die sich keine Kinder wünschen. Ärzte wollen bei ihr aber auch keine Sterilisation vornehmen. Grund hierfür ist derselbe: Die Kinderplanung kann ja noch nicht abgeschlossen sein. Zumindest nicht nach den Gefühlen des Arztes. Dass bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren der Wunsch nicht erfüllt wird, ist noch ein wenig verständlicher als bei einer volljährigen Frau. Es sollte ihr erlaubt sein, voll und ganz zu entscheiden, ob sie ein Kind möchte oder nicht.„Frauen entscheiden sich mit 30, dass sie Kinder haben wollen. Wieso kann ich mich dann nicht dafür entscheiden, keine Kinder zu haben?“, argumentiert eine betroffene Frau.

Diese Selbstbestimmtheit der Frau wird auch in dem Fall einer gewollten Abtreibung eingeschränkt. Gesetzlich ist es den Ärzten nicht gestattet für diese Art der Behandlung Werbung zu machen. Kürzlich wurden wieder zwei Medizinerinnen für folgenden „Werbeslogen“ auf ihrer Homepage zu je 2.000 Euro Strafe verurteilt: „medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch in geschützter Atmosphäre“. Dabei wird es für Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden immer schwieriger Ärzte zu finden, die diese Behandlung durchführen. Auf Grund der gehäuften Mordanschuldigungen legen immer mehr ihre Arbeit nieder oder führen diese nur unter dem Schleier der Unbekanntheit durch. In vielen Fällen wissen nicht einmal die Beratungsstellen, die von den Schwangeren vor einer Abtreibung aufgesucht werden müssen, welche Ärzte Behandlungen dieser Art durchführen. Mit der in Deutschland stattfinden Diskussion um den Artikel §219a, ist der österreichische Gynäkologe Christian Final auf der Bildfläche erschienen. Er hat vor über zehn Jahren ein Ärzteportal erstellt, in dem Ärzte gelistet werden, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. 575 davon sind aus Deutschland, sie stammen von der „roten Liste“ der Abtreibungsgegner. Neben der Anschrift der Ärzte werden auch hier die möglichen Anwendung mit den entsprechenden Preisen genannt. Er berichtet, dass sich immer mehr Beratungsstellen die Liste anschauen, um den Frauen Ärzte nennen zu können, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen.

Auch wenn das Thema Sterilisation gerade in Deutschland auf Grund unserer Geschichte noch viel mehr Bedeutung hat, als in anderen Ländern, sollte es einer Frau freistehen, was sie mit ihrem Körper macht. Oder etwa nicht?!

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