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Ethik & Gesellschaft

Kann die Organspende kein freiwilliger Akt sein?

Die Organspende ist ein sensibles Thema und insbesondere in Deutschland in den letzten Jahren viel diskutiert. In vielen anderen EU-Ländern u.a. Belgien, Österreich, Polen, Portugal und Spanien, ist die Organspende bereits Pflicht. Auch in Deutschland wird aktuell über die sogenannte Widerspruchslösung diskutiert.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 8. Mai 2019

Wenn man es aus der Sicht der Kranken betrachtet, ist es fragwürdig wie lange die Bundesregierung für die Verabschiedung eines neuen Organspendegesetzes braucht. Täglich sterben in Deutschland schätzungsweise drei Menschen, während sie auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Der Bedarf an lebenswichtigen Organen ist dabei noch deutlich größer. Betrachtet man es aber aus der Sicht von Politik und Gesellschaft, ist es bei der Sensibilität des Themas teilweise nachvollziehbar. Immerhin stehen mittlerweile acht von zehn Bürgern der Organspende positiv gegenüber und es herrscht keine breite Ablehnung mehr für das Thema. Geht es aber in das Detail für den neuen Gesetzesentwurf, gehen die Meinungen auseinander.

Gesundheitsminister Jens Spahn und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sprachen sich Anfang April für die sogenannte Widerspruchslösung aus. Diese besagt, dass jeder als Spender gilt, der nicht zu Lebzeiten aktiv widersprochen hat.

Die Kritik liegt auf der Hand. In Zeiten von umfangreichen Datenschutzgesetzten ist es verboten in einen E-Mail Verteiler zu gelangen, ohne vorher seine ausdrückliche Zustimmung zu erteilen. Wenn bei dem wohl persönlicheren Thema, dem Spenden der eigenen Organe, automatisch mutmaßlicher Wille unterstellt wird, stehen die Kritiker auf der Matte. Dementsprechend liegt seit dieser Woche ein neuer Vorschlag für das Organspendegesetz auf dem Tisch. Eine Abgeordneten-Gruppe, zu der die Gesundheitspolitikerin der FDP Christine Aschenberg-Dungus, Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und die Linken-Chefin Katja Kipping gehören, setzen sich für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen ein. Der Entwurf sieht vor, durch bessere Aufklärung und leichteren Zugang zu dem Thema, die Zahl der Spendenbereiten in Deutschland zu steigern. „Auch sei es wichitg, sagt Baerbock, dass sich die Bürger in jeder Lebenslage noch einmal umentscheiden können.“

Die Grundlage ihres Gesetzesentwurfes gibt vor, über das sensible Thema wieder mehr ins Gespräch zu kommen. Künftig sollen Bürger jedes Mal, wenn sie ihren Personalausweis verlängern, von den Mitarbeitern der Ämter dazu aufgefordert werden, anzugeben, ob sie nach dem Tod ihre Organe spenden wollen. Dafür ist ein leicht zugänglicher Online-Register vorgesehen, der auch vom eigenen Computer oder Smartphone aus erreicht werden kann. Auch die Hausärzte sollen ihre Patienten alle zwei Jahre über die Organspende informieren und sie zu der Eintragung in den Online-Register ermutigen. Ein weiterer Aufklärungsweg wird über den Erste-Hilfe-Kurs beim Führerscheinerwerb gewählt, den nahezu jeder Bürger durchläuft. Für diesen Gesetzentwurf spricht die Tatsache, dass allein 2018 durch die Präsenz in den Medien, die Zahl der Organspendeausweise deutlich gestiegen ist.

Noch vor der Sommerpause, soll in einer Gewissensentscheidung der Abgeordneten im Bundestag, über das neue Organspendegesetz abgestimmt werden.

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