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Ethik & Gesellschaft

Kiffen, alles andere als ein Kinderspiel

Die Pubertät ist eine Phase des Ausprobierens. Meistens fällt der erste Joint auch in diese Zeit. Gefährlich wird es dann, wenn Jugendliche durch Gruppendynamiken oder psychische Auswirkungen eine Sucht entwickeln. Warum Sie auf keinen Fall wegschauen und es verharmlosen sollten…

Veröffentlicht von Marie Mävers am 30. Oktober 2018

„Ach reg dich nicht auf, das haben wir doch früher auch getan.“ Diese Situation erleben wir häufig, wenn es um die kleinen Sünden unserer Kinder geht. In vielerlei Hinsicht trifft das auch zu und alles zu verbieten macht unsere Kinder auch nicht zu besseren Erwachsenen. Geht es aber um den Cannabis Konsum, so hat sich von früher bis heute einiges verändert!

Das Cannabis von vor zehn Jahren ist nicht mit der heutigen Substanz zu vergleichen. Marihuana aus den 80er und 90er Jahren hatte einen THC-Gehalt (Tetrahydrocannabionol) von zwei Prozent – heute sind es 12 Prozent! Gleichzeitig ist der Cannabidiol-Gehalt gesunken. Dieser hat die Nervenzellen noch teilweise geschützt. Durch diese neue Zusammensetzung  hat sich auch das Rauscherlebnis verändert. Den früheren gedämpften Rausch, begleitet von einer Euphorisierung und einer intensiven Sinneswahrnehmung, gibt es so nicht mehr. Das heutige zwölfprozentige Marihuana sediert viel stärker, gleichzeitig hat die halluzinatorische Wirkung zugenommen. Durch die neue Zusammensetzung ist es auch viel gesundheitsschädlicher, insbesondere für Jugendliche. Warum das so ist, erklärt Prof. Dr. Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter der Suchtabteilung für Kinder- und Jugendliche am Universitätsklinikum Eppendorf. Das zentrale Nervensystem befindet sich bis zum 21. Lebensjahr noch im Entwicklungsprozess. Einzelne Nervenzellen werden erst im jungen Erwachsenenalter mit einer Art Schutzmantel umhüllt. An genau diese Hirnstrukturen dockt aber das THC an, sodass sie bei regelmäßigem Konsum nicht altersgerecht ausreifen können. Das kann Folgen in der Emotionsregulierung bedeuten. Denn diese Hirnareale sind verantwortlich für die Wechselwirkung von Denken und Emotionen. Liegt eine Verletzung dieser Areale vor, können sich Emotionen wie Angst, Traurigkeit oder Wut ungehemmt entladen, weil sie nicht durch unser Denken selbst reguliert werden z.B. sich selbst zu beruhigen bei Angst.

Ein intensiver Konsum kann eine Verminderung der Intelligenz zur Folge haben. Außerdem kommt es zu Lern-, Aufmerksamkeits-, Auffassungs-, Konzentrations- und Motivationsstörrungen. Insbesondere Mädchen sind anfällig für depressive Störrungen und damit auch für eine erhebliche Selbstmordgefährdung. Aus diesen Gründen und, weil er es in der täglichen Arbeit mit den 15 bis 18 Jährigen sieht, ist Dr. Thomasius ganz strikt gegen eine Legalisierung: „Kiffen im Jugendalter sollte ein absolutes No-Go sein, mindestens bis zum 18. Lebensjahr!“. Der allergrößte Fehler wäre es wegzuschauen oder es zu verharmlosen.

Einen guten Ansatz verfolgen die Niederländer. Bekanntlich herrscht hier ein hoher Konsum durch die Erlaubnis zum privaten Gebrauch für Erwachsene. Um in Schulen den Konsum einzudämmen und Gruppendynamiken durch ganze konsumierende Klassen zu verhindern, entwickeln Eltern gemeinschaftlich Präventionsprogramme. In einer Art Vertrag wird festgehalten, wie Eltern darauf reagieren müssen, wenn Sie erfahren, dass ein Kind oder eine Gruppe kifft.

 

Wo die nächste Suchtberatungsstelle ist, finden Sie auf den Seiten Keine Macht den Drogen oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

 

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