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Kinderschutz

Kindheit und Jugend im digitalen Zeitalter

Auf Einladung der Stiftung Kulturglück hält Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE und am Altonaer Kinderkrankenhaus, heute einen Vortrag zu dem viel diskutierten Thema in der Hamburger Google-Zentrale.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 17. April 2018

Als Mitglied der Jury des HanseMerkur Preises für Kinderschutz hat er uns vorab ein paar Fragen beantwortet:

Die DAK hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, die vom Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE begleitet wurde. Das nüchterne Fazit: SocialMedia kann süchtig machen. Ärger, Traurigkeit und Unruhe, sobald der Zugang zu den sozialen Medien verwehrt wird, wurden bereits als Entzugserscheinungen bezeichnet. Ging es uns denn damals nicht genauso, wenn die Eltern ein Telefonverbot oder Stubenarrest verhängt haben? Worin besteht der Unterschied?

„Die Studie benutzt Kriterien für eine Störung, die es gar nicht gibt. Und. es sind nur 2,6% (!) der Kinder betroffen. Die Mehrheit kommt gut zurecht. Und es stimmt: dann hätten wir vor 20 Jahren für eine große Zahl an Mädchen die Diagnose Telefonsucht stellen müssen…“

Kinder und Jugendliche sind nicht in der Lage sich die mobilen Geräte selbst zu kaufen, sondern bekommen sie von ihren Eltern. Müssen diese Ihrer Meinung nach durch Medienpädagogik-Angebote stärker in die Pflicht genommen werden?

„Das gesamte Thema ist aus meiner Sicht primär ein Erwachsenenthema. Wir sind verantwortlich für die Technologie, die Software etc. Daher ist es auch primär unsere Aufgabe, uns verantwortlich darum zu kümmern.“

Cybermobbing ist durch die Anonymität und schnelle Verbreitungswege eine einfache und sehr perfide Form des Mobbings. Sollte Social Media nicht ein Pflichtfach werden, damit die Kinder den vernünftigen Umgang „von der Pike auf“ lernen?

„Nach meinem Eindruck wird so etwas vielfach in Schulen aufgegriffen, wenn auch Mobbing überhaupt oft stiefmütterlich behandelt wird.“

Laut der Studie kommunizieren 2/3 der Jugendlichen miteinander über WhatsApp. Viele gaben an, mit ihren Freunden mehr über Social Media zu kommunizieren als mit ihnen zu reden. Verlernen wir miteinander zu reden? Und welche Auswirkung hat es?

„Schreiben führt nicht zum Verlernen von Sprechen! Denken Sie nur an die vielen Sprachnachrichten, die heute versendet werden. Was wir immer unterschätzen: die Intensität der Kontakte hat deutlich zugenommen.“

Die Vortragsveranstaltung findet heute um 19:00 Uhr in der Hamburger Google-Zentrale, ABC-Straße 19, statt. Der Eintritt ist frei, jedoch bittet die Stiftung Kulturglück um eine freiwillige Spende. Anmeldung und weitere Infos finden Sie hier.

Foto: Nina Grützmacher / rechts im Bild: Prof. Dr. Michael-Schulte-Markwort

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