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Kinderschutz

Klage gegen Inklusion – wie weit ist das deutsche Bildungssystem wirklich?

Derzeit geht ein gewaltiger Ruck durch die Medien. Ausgelöst hat ihn Christel Kelm, Schulleiterin eines Gymnasiums in Bremen, die Klage gegen die Bildungsbehörde eingereicht hat, um die Einrichtung einer Inklusionsklasse an ihrer Schule zu verhindern.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 16. April 2018

Inklusion im Bildungswesen ist zur Zeit ein beliebtes Thema in den Medien. Selbst große Verfechter des Themas plädieren mittlerweile dafür, die Förderschulen noch nicht ganz abzuschaffen. Nicht, weil sie die Idee der Inklusion im Schulsystem plötzlich anzweifeln, wohl aber deren Umsetzung. Diese ist tatsächlich häufig mangelhaft. Meist reicht der Bildungsetat nicht aus und es fehlt vor allem ausreichend geschultes Personal.

Es ist eine große Herausforderung für alle: Kinder mit den unterschiedlichsten körperlichen und geistigen Handicaps sollen in leistungsorientierte Klassen integriert werden, ohne dass es sie überfordert oder die schulische Entwicklung der übrigen Schüler gebremst wird. So ein Konzept braucht seine Zeit und es braucht vor allem Erfahrungen, die derzeit erst gemacht werden.

Christel Kelm klagt dagegen, dass diese Erfahrungen ausgerechnet an ihrem Gymnasium gemacht werden sollen: An der begehrten Schule mit hohem Anspruchsniveau soll es laut Bildungsbehörde ab dem kommenden Schuljahr eine Inklusionsklasse geben, in der dann auch Kinder mit Wahrnehmungs- und Entwicklungsstörungen unterrichtet werden.

Christian Gloede, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagte hierzu dem Hamburger Abendblatt „Wir unterstützen alle Bemühungen, die Ausstattung von Schulen im Sinne einer gelingenden Inklusion zu verbessern. Dies ist auch angesichts des Fachkräftemangels und unzureichender Grundausstattung dringend notwendig. Dass nun ausgerechnet ein Gymnasium den Klageweg beschreitet, um Inklusion gänzlich zu verhindern, ist auch Ausdruck eines längst überwunden geglaubten Standesdünkels. Diese Klage ist zudem geeignet, die soziale Spaltung der Stadt voranzutreiben.“ Der bildungspolitische Sprecher der Grünen in Bremen, Matthias Güldner, ergänzte: „Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist eine verbindliche Aufgabe für alle Schulen.“

In den nächsten Wochen werden wir sehen, wie das Verwaltungsgericht entscheidet. Tatsache ist, dass Inklusion in der Praxis nur dann funktionieren wird, wenn man auch bereit ist, sie zu leben, anstatt gegen sie zu klagen.

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