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Umwelt & Nachhaltigkeit

Klimaneutral bis 2030

„Es gibt nur zwei Dinge, die du falsch machen kannst: aufhören oder gar nicht erst anfangen“, heißt es. Bei der Hamburger OTTO Group, einer weltweit agierenden Handels- und Dienstleistungsgruppe mit mehr als 52.000 Mitarbeitern, hat man schon 1986 Naturschutz ernst genommen und als offizielles Unternehmensziel definiert. Bis 2030 nun will OTTO klimaneutral werden, gab der Konzern jüngst bekannt. Nur ein Thema von vielen auf der Veranstaltung „30 Jahre Corporate Responsibility (CR) und der Weg in die Zukunft“ am 17. Februar 2020, der wir beiwohnen durften.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 18. März 2020

Alexander Birken, CEO der OTTO Group, erinnerte daran, wie sich sein Unternehmen 2006 CR-Ziele setzte und noch in diesem Jahr den CO2 Footprint um 50 Prozent reduziert haben wird, nach dem Prinzip „vermeiden, reduzieren und kompensieren“, um gleich hinzuzufügen: „So kann es bei der Emission von CO2 nie allein darum gehen, sich durch den Erwerb von Zertifikaten quasi freizukaufen. Kompensation sollte aus meiner Sicht aber am Ende einer Kette wertvollerer Maßnahmen stehen.“ Denn seine Mission ist die Klimaneutralität in der gesamten OTTO Group bis 2030, „eine Kärrnerarbeit im Maschinenraum des Unternehmens“. Und er nennt drei Stichworte: Gebäudesanierung, Prozessoptimierung und E-Mobilität. Haltung zum Thema „Responsible Commerce that improves“ zu zeigen sei, so Birken, das Bedürfnis der Generation Y und Z. Ein Thema, das seit 1. März 2020 Prof. Tobias Wollermann, Vice President Corporate Responsibility, bei OTTO treibt.

Prof. Dr. Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensgruppe, spann einen weiten Bogen zu unzähligen Nachhaltigkeitsaktivitäten, welche die OTTO Group seit 1986 aufgesetzt hat. Schon vor über 30 Jahren wurde ein Umweltmanagementsystem aufgesetzt, wurden Pelze aus dem Sortiment genommen und mit Universitäten die Umweltauswirkungen der Textilherstellung auf jeder Produktionsstufe untersucht. Später wurden schwermetallhaltige Farben durch umweltfreundliche ersetzt, Sozialstandards mit Lieferanten vereinbart. Heute kann für jedes Produkt jede Stufe der Prozesskette nach Co2 Footprint, Wasserverbrauch und Energieeffizienz betrachtet werden. Die Initiative „Cotton made in Africa“ unterstützt derzeit über eine Million Kleinbauern beim Anbau nachhaltiger Baumwolle. Michael Otto sagt: „Ich bin heute beim Blick auf die Erde bestürzt und finde es schlimm, wie die Menschheit ihre Lebensgrundlage selbst vernichtet.“ Aber der Aufsichtsratsvorsitzende hält kämpferisch dagegen: „Nachhaltigkeit ist Teil der DNA unserer Unternehmenskultur.“

Bundesinnenminister a.D. Gerhart Baum attestierte der OTTO Group: „Hier gibt es Leidenschaft.“ Auch er zeichnete geschichtlich nach, wie noch zu Zeiten des „Club of Rome“ Unternehmer die Auffassung vertraten, dass Umweltschutz ein Standortnachteil sei. Eigentlich habe sich so schrecklich viel auch trotz Fridays for Future nicht getan, denn „die Politik denkt in Zyklen und hechelt den Tagesereignissen hinterher. Ein Klimapaket der Bundesregierung hätte es ohne Greta Thunberg nicht gegeben.“ Und dann hielt er im besten liberalen Sinne ein flammendes Plädoyer für die Schöpfung („Wir haben nur eine Erde. Ja, dann bewahren wir sie doch!“) und für die Verteidigung der Demokratie: „Digitalisierung und Globalisierung verändern alles. Das wird unterschätzt. Es stehen Freiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung der Gesellschaft auf dem Spiel. Viele Menschen haben Angst und verlangen Orientierung. Die Ängste werden von Verführern genutzt. Daher sollten alle demokratischen Kräfte zusammenhalten und unsere geglückte Demokratie mit der besten Verfassung, die wir je hatten, verteidigen. Der Parlamentarismus muss jetzt seine Stärke zeigen. Aber der Wohlstand unseres Landes hängt auch davon ab, dass wir uns öffnen, dass wir mutig und weltoffen bleiben. Verteidigen wir diese Demokratie!“

Die Transformationsforscherin Prof. Maja Göpel hatte ihren Ausführungen den Titel „Schluss mit Pillepalle – Nachhaltigkeit ist Kerngeschäft“ gegeben. Drei Fragen dominierten nach ihrer Einschätzung derzeit die Debatte. Erstens: „Werden wir eigentlich genug haben?“. Das „Club of Rome“-Thema, die Grenzen des Wachstums und der Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Auswirkungen von CO2 Emissionen, seien für jeden greifbar nah. Dass wir den Turnaround noch schaffen, sei eine eher ungeglaubte Geschichte. Gleichwohl müssten wir den Verzichtsdiskurs der Klimaleugner in einen Zukunftsdiskurs drehen, Visionen von einer Ökodiktatur in eine zukunftssichernde Agenda. Zweitens: „Werden wir genug teilen?“ Hier müssten soziale und ökologische Fragen ernsthaft betrachtet werden: Mindestlohn und Mietenentwicklung gehören auf die politische Agenda, da die Beschleunigung der Prozesse durch Algorithmisierung zwei Drittel der Bürger abhängen werde. Insofern sei Wertschöpfung neu zu betrachten. Drittens: „Wer ist eigentlich wir?“ Hier lösen sich Selbstverständlichkeiten auf, damit Neues entstehen kann. Dies biete aber auch die Chance, vom Pillepalle zur Ernsthaftigkeit zu kommen. Zu einem geerdeten Kosmopolitismus im Sinne des übergeordneten Ziels der Sustainable Development Goals (SDGs): „leaving no one behind.“ Wirtschaften müsse sich also in Lebensqualität für alle mit möglichst kleinem ökologischen Fußabdruck darstellen. Da wir alle Teil einer Schicksals- und Verantwortungsgemeinschaft seien, dürften die demokratischen Grabenkämpfe nicht zu groß werden, um das demokratische Modell nicht durch Populisten und Faschisten zu gefährden.

Nach Abschluss der Veranstaltung standen zwei Begriffe im Raum: Glaubwürdigkeit und Haltung. In Sachen Glaubwürdigkeit hat die OTTO Group einen beeindruckenden Track Record, da nachhaltiges Handeln seit über 30 Jahren Unternehmensziel und damit verankert in einem Top-down-Prozess ist. Alexander Birken sagt: „Es tut gut, Shareholder zu haben, denen das Thema eine Herzensangelegenheit ist.“ Und zur Haltung hat der OTTO CEO auch eine klare Botschaft: „Die Haltung eines Unternehmens und einer Branche zu gesellschaftlich relevanten Fragen wird auf kurz oder lang zu ihrer ‚licence to operate‘, zur unternehmerischen Überlebensfrage.“

The Young ClassX
Foto: Krafft Angerer
Alexander Birken
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Prof. Dr. Michael Otto
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Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D.
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Prof. Dr. Maja Göpel
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Prof. Dr. Tobias Wollermann und Prof. Dr. Michael Otto
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v.l.n.r.: Janina Lin Otto, Fernanda Brandao, Heinz-Gerhard Wilkens, Prof. Dr. Tobias Wollermann
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