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Kinderschutz

Me, My Selfie and I

Das Smartphone ist für viele Jugendliche die Kommandozentrale des Lebens geworden. Ein ständiger Begleiter, der als Fotoapparat, Videokamera, Fernseher, Navigationssystem, Radio, Uhr, Zeitung, Lexikon, Übersetzer, Kochbuch und vieles mehr, am wenigstens aber als Telefon dient. Aber was für Auswirkungen hat der wachsende Gebrauch für die Generation, die mit den Smartphones aufgewachsen ist und welche für ihre Eltern und Lehrer?

Veröffentlicht von Marie Mävers am 16. November 2018

„Me, My Selfie and I: Was Jugendliche heute wirklich bewegt“ lautet der Buchtitel der Psychologieprofessorin Jean Twenge, in dem sie sich auf die Folgen des erhöhten Smartphone Konsums unserer Gesellschaft konzentriert – insbesondere auf den der jungen Menschen. Der Buchtitel sagt schon einiges über ihre Forschung aus. Das Smartphone verleitet dazu, in einer Welt zu leben in der ich nur mich und mein Smartphone brauche, um zu „überleben“. Da ich das Smartphone bediene ist es quasi auch ein Teil von mir. Oder ich ein Teil des Smartphones? Wer hier wen bedient ist nämlich auch groß umstritten in der Smartphone-Debatte. 

„In der kommenden Dekade werden wir mehr junge Menschen erleben, die wohl das richtige Emoji für eine Situation kennen – nicht aber den richtigen Gesichtsausdruck.“ (Jean Twenge)

92 Prozent der Kinder im Alter von 12 oder 13 Jahren besitzen ein Smartphone. Bei den Jugendlichen sind es 97 Prozent. Weitere Studien haben ergeben, dass eben diese Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren täglich durchschnittlich zweieinhalb Stunden in den sozialen Medien verbringen. Zum Vergleich, Erwachsene nutzen die sozialen Medien täglich durchschnittlich 55 Minuten. Um mit diesem Konsum Schritt zu halten, blicken Kinder und Jugendliche alle 10 Minuten auf ihr Smartphone. Die Zahlen bestätigen das innige Verhältnis zu dem Smartphone (veröffentlicht in Der Spiegel).

Insbesondere wenn es um die Schule geht, eröffnen die Nutzungsgewohnheiten am Smartphone neue Problem- und Handlungsfelder. Frankreich hat sich bei der Smartphone-Diskussion in Schulen mit einem klaren Verbot positioniert. Die Nationalversammlung beschloss im Juli 2018 für alle Schüler bis 15 Jahre ein absolutes Tabu in der Schule und bei Ausflügen. Die Lösungen der Schulen in Deutschland sind ebenso wie unser Schulsystem, von Land zu Land unterschiedlich. Sie reichen von kompletten Verboten, zu  nur Unterrichtsverboten bis hin zur Integration in den Unterricht. Vorreiter im Bereich der digitalen Schule und Umgang mit dem Smartphone ist das Hamburger Osterbek-Gymnasium. Die Frage nach Verboten und Einschränkungen stellen sich an dieser Schule nicht, denn das Smartphone wird direkt in den Unterricht integriert. So dient eine App als digitales Klassenbuch und beinhaltet außerdem eine Sammlung an Aufgaben und Lernhilfen. Aufgabenblätter können von den Lehrern durch die App ersetzt werden. Der Vorteil, die App übernimmt auch die Auswertung, sodass der Lehrkraft mehr Zeit für die individuelle Betreuung bleibt. Stift und Papier gibt es auch noch, die Schule hat sich aber bewusst dazu entschieden den Schülern den richtigen Umgang und Möglichkeiten mit den Smartphones zu zeigen, weit über die sozialen Medien hinaus. Die Schule geht damit der Problematik die Verbote mit sich bringen, die Kontrolle, aus dem Weg. Diese Kontrolle ist beim Smartphone auch sehr schwierig, da es in jede Hosentasche passt und überall hervorgeholt werden kann. Mittlerweile gibt es sogar Bänder, die am Smartphone befestigt werden, um dem Handy als Umhängetasche eine weitere Funktion zukommen zu lassen. Es fällt daher schwer einen Überblick über den Gebrauch der Kinder und Jugendlichen zu haben. Es ist nicht zu vergleichen mit dem einen „Haus-Computer“, der angeschlossen in einer Ecke stand und an dem niemand unbeobachtet sitzen konnte.

Zurück zu der Psychologieprofessorin Jean Twenge und ihrer spannendsten These. Ihren Studien zufolge wird die Smartphone Generation langsamer erwachsen. „18-Jährige verhielten sich heute wie früher 15-Jährige, 13-Jährige wie früher 10-Jährige. Sie gingen seltener ohne ihre Eltern aus, sie tränken weniger Alkohol, sie hätten später und weniger Sex.“ Zwar wurden ihre Daten nur in den USA erhoben, doch auch deutsche Zahlen bestätigen diese Tendenz. Sie bestätigen auch, dass die Kommunikation mit Menschen, das „vor die Tür gehen“ und Erfahrungen in der Welt sammeln einen erwachsen machen. Die digitale Kommunikation am Smartphone bietet mehr, es ist ein Überfluss an Wissen und Möglichkeiten, nur findet die Interaktion mit einem Bildschirm statt. Jugendliche gehen seltener aus als früher. Sie chillen lieber zu Hause mit Freunden. Veranstalten ihre eigenen Sit-Ins, Parties oder Videoabende. Spotify und Netflix sei Dank.

Erwachsen werden war noch in keiner Generation leicht, bei Unsicherheiten waren dafür die Eltern da. Problematisch wird es nur dann, wenn die Eltern den Gebrauch des Smartphones vorleben. Beim Smartphone fällt es schwer ein gutes Vorbild zu sein. Anders als bei Gameboy, Playstation und Videospielen, sind die Erwachsenen von den Smartphones ebenso abhängig wie ihre Kinder, wenn auch meist im anderen Ausmaß. Für den Besitz eines Smartphones gibt es kein optimales Alter, meint auch Thomas Feibel, Experte im Bereich Kinder und Digitales. Eltern sollten auf die Entwicklung ihrer Kinder achten und beobachten wie verantwortungsvoll sie mit dem Smartphone umgehen. Der einfachste Weg zu einem gesunden Umgang, ist als gesamte Familie eine gemeinsame Lösung zum Smartphone-Gebraut festzulegen.

Machen auch Sie ganz einfach den Selbsttest und notieren Sie sich, wie häufig und wofür Sie ihr Smartphone am Tag benutzen. Insbesondere bei den sozialen Medien wie WhatsApp, Facebook usw. werden Sie feststellen wie gering der tägliche Durchschnitt von 55 Minuten ist. Mit dem neuen iPhone Update erhalten Sie ebenfalls eine skurrile Kontroll-App, die ihren Smartphone Gebrauch in der Woche misst und ihnen pünktlich zum Tatort am Sonntagabend ihre persönliche Wochenrückschau schickt. Eine Funktion der Kontroll-App, Sie können andere Apps nach einer von ihnen bestimmten Nutzungszeit automatisch schließen lassen. Wenn das mal keine Lösung für alle Probleme ist.

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