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Umwelt & Nachhaltigkeit

meermenschen – Ausstellung mit Botschaft

Dieser Tage steht ob der EU-Plastikverordnung auch der prekäre Zustand der Weltmeere im Fokus der Medien. Jährlich werden in ihnen acht Millionen Tonnen Plastikmüll entsorgt.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 5. Juni 2018

Am 28. Mai 2018 zeigte das ZDF heute journal beispielhaft eine kleine Heideinsel vor Norwegens Küste, verwüstet über Jahrzehnte durch Unmengen von Plastik. Von Kunststoffen, die mittlerweile eine verheerende Verbindung mit dem Erdreich eingegangen sind, Mikropartikel, die über die Mägen der Tiere in die Nahrungskette gelangen. Nun hat China den Import von Plastikabfall gestoppt – aus Umweltschutzgründen. Heißt: Jene 700.000 Tonnen Plastik, die Deutschland bislang jährlich ins Reich der Mitte exportierte, liegen plötzlich vor unserer Haustür. Eine gigantische Herausforderung in unserem Land, wo die Recyclingquote von Sekundärstoffen, die in neue Produkte transferiert werden, bei nur 15 Prozent liegt. Denn im Vertrauen auf einen zeitlich unbegrenzten chinesischen Plastikmüllmarkt hat die Recyclingtechnik hierzulande nicht Schritt gehalten mit der Entwicklung der Verpackungsmaterialien.

Plastikmüll aber ist nur eines der großen Probleme der Weltmeere. Dazu kommen die Korallenbleiche, die Erwärmung und Übersäuerung, die Verschmutzung und Überfischung. Normalerweise sind es die Rückversicherer, die sich mit ihren Klimaforschungsabteilungen an der Umweltdebatte beteiligen. Schließlich ist etwa die warme Oberflächentemperatur des Meerwassers im Atlantik ein wesentlicher Faktor für die Bildung von Hurrikanen, die extreme Schäden verursachen. Aber auch die HanseMerkur als zweitgrößter Reisever-sicherer Deutschlands hat ein hohes Interesse an einer intakten Umwelt. Der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, bringt es auf den Punkt: „Umweltschutz und soziale Verantwortung sind eine unverzichtbare Grundlage des weltweiten Tourismus.“

Daher unterstützen wir rund um den „Tag des Meeres“ am 8. Juni die Ausstel-lung meermenschen des Hamburger Fotografen Wolfgang Köhler vom 1. Juni bis zum 30. Juni 2018 im Planetarium Hamburg. Er nennt seine 12 Bilder eine „Fotoinszenierung zum Schutz der Meere“, entstanden an Nord- und Ostsee. Eigentlich war er – ein Sylter Jung – angetreten, romantisch-schöne Meeresgeschichten über die Porträts von Menschen zu erzählen, deren Heimat oder berufliches Umfeld das Meer ist. Doch als er die ersten Klimaforscher getroffen hatte, gewannen die Geschichten über das bedrohte Ökosystem immer stärker an Bedeutung: in Erzählungen der Porträtierten, über die Erläuterung wissenschaftlicher Zusammenhänge und durch eigene Erfahrungen des Fotografen. Sein Fotoprojekt geriet so zu einer Botschaft, zu einem Appell an ein bewussteres Handeln und ließ dennoch auch Raum für Träume von einer besseren (Meeres-)Welt. „Meine Leidenschaft für Menschen und Themen rund um das Meer bleibt ungebrochen“, sagt Wolfgang Köhler. „Aber die Begegnungen rund um das Fotoprojekt haben mich nachdenklich gemacht. Dies bleibt keine einmalige Ausstellung. Weitere Meermenschen werden folgen.

Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und Präsident der Deutschen Gesellschaft CLUB OF ROME, erläuterte am 1. Juni 2018 im Anschluss an die Ausstellungseröffnung im Sternensaal des Planetariums die Dimension der menschlichen Klimabeeinflussung mit ihren Auswirkungen auf die Weltmeere. Wir liebten zwar die Meere, so der Wissenschaftler, gingen aber schlecht mit ihnen um, leiteten Gifte und Plastik ein, überfischten sie und trügen ob der CO2-Emission zur ständig steigenden Übersäuerung bei. Wir gefährdeten eine wesentliche Säule der Welternährung und der Klimaregulation. Die Gefahr des Kohlendioxid-Ausstoßes und seiner Langzeitwirkungen sei aber einfach zu abstrakt. Daher bedürfe des starker Narrative, Ausstellungen wie meermenschen, um Bilder in den Köpfen zu verfestigen und den Wandel von unten, von Bürgern und Verbrauchern, zu befördern.

In einer Zeit autokratischer Regime und wachsender populistischer Strömungen gingen international notwendige Kooperationen mehr und mehr verloren, befördert von einem US-Präsidenten, der das Klimaproblem als eine Erfindung der Chinesen bezeichne, um den USA zu schaden. Jenen USA übrigens, deren CO2 Pro-Kopf-Emission bei 16,5 Tonnen liege. Der deutsche Wert läge aber auch bereits bei nur knapp unter 10 Tonnen. Auf Weltklimakonferenzen zu hoffen, sei vergeblich. Seit 1990 habe es 23 von ihnen gegeben. Im gleichen Zeitraum stieg der CO2-Ausstoß um 60 Prozent! Das Meereis reduzierte sich um 40 Prozent. „Es erschließt sich mir nicht, wie Politik tickt“, so der 1954 in Hamburg geborene Latif, der sich sein ganzes Leben lang mit Meteorologie und Ozeanographie beschäftigt hat. Hoffnung, dass die notwendige dramatische Umkehr doch noch erreichbar sei, schöpft Latif aus dramatischen Umbrüchen, die wie der Mauerfall, der Atomausstieg oder die technologische Innovation Smartphone kurzfristig erfolgt seien.

Die tragische Ironie der Entwicklung läge vor allem darin, dass schon 1957 der Geochemiker Roger Revelle in der New York Times den CO2-Ausstoß der Menschen als ein „groß angelegtes geophysikalisches Experiment“ gegeißelt habe. „Wir haben also kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“, so Latif, dessen jüngstes Buch „Die Meere, der Mensch und das Leben“ unbedingt lesenswert ist.

Zur Ausstellung:

meermenschen
Eine Fotoinszenierung von Wolfgang Köhler

01.  bis 30. Juni 2018
Planetarium Hamburg, Linnering 1 (Stadtpark)
22299 Hamburg

Ausstellungskatalog zum Download

 

 

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