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Umwelt & Nachhaltigkeit

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Der „Sonderbericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) über den Ozean und die Kryosphäre (die gefrorenen Komponenten des Erdsystems) in einem sich wandelnden Klima“ wurde am 25. September 2019 in Monaco vorgestellt. 104 Wissenschaftler aus 36 Ländern haben für die 900 Seiten starke Publikation den Wissensstand aus 6.981 Fachveröffentlichungen zusammengetragen und eine beunruhigende Botschaft im Gepäck: „Die Ermöglichung von Klimaresilienz und nachhaltiger Entwicklung hängt entschei-dend von dringender und ehrgeiziger Emissionsreduktion in Verbindung mit koordinierten anhaltenden und zunehmend ehrgeizigen Anpassungsmaßnahmen ab.“

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 15. Oktober 2019

Die Abhängigkeit der Menschheit von den Ozeanen und Gletschern sowie Eisschilden ist immens. Der globale Ozean bedeckt 71 Prozent der Erdoberfläche und enthält 97 Prozent des Wassers des Planeten. Etwa 10 Prozent der Landfläche sind von Eis, Schnee oder Permafrostböden bedeckt. Ein Ansteigen des Meeresspiegels im Zuge globaler Erwärmung wird vor allem Menschen in niedrig gelegenen Küstenzonen (derzeit 680 Millionen), 65 Millionen Bewohner in kleinen Inselentwicklungsländern und vier Millionen dauerhaft in der Arktis sesshafte Bevölkerungsgruppen treffen. Der IPCC sieht es als gesichert an, dass sich der globale Ozean seit 1970 ungemindert erwärmt und mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufgenommen hat. Seit 1993 hat sich die Geschwindigkeit der Meereserwärmung mehr als verdoppelt, was mit der Versauerung der Ozeanoberfläche durch CO2-Aufnahme einhergeht und einem zunehmenden Sauerstoffverlust bis in 1.000 m Tiefe.

Eisverluste der grönländischen und antarktischen Eisschicht und ein anhaltender Gletschermassenverlust lassen den mittleren globalen Meeresspiegel mit zunehmender Geschwindigkeit ansteigen. Selbst bei deutlicher Eindämmung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius wird der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 30 bis 60 cm ansteigen. Da aber die Erderwärmung eher auf einen Wert von 3,2 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts zusteuere, prognostizieren die IPCC-Wissenschaftler einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 1,10 m in den nächsten 80 Jahren. All dies gehe einher mit häufigen Extrem-wasserständen, maritimen Hitzewellen und extremen El Niño und La Niña-Ereignissen.

Für die betroffenen Menschen – zunächst vor allem in den Tropen – werden Überschwemmungen, Erdrutsche und Bodendestabilisierung große Herausforderungen mit sich bringen. Weltweit leben 380 Millionen Menschen weniger als fünf Meter über dem Meeresspiegel, die von Wetterextremen heimgesucht werden. Der Schutz von Küstenregionen – einige Inselstaaten werden voraussichtlich unbewohnbar – wird unter den IPCC-Projektionen zu einem kostspieligen Unterfangen. Der Weltklimarat prognostiziert bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg der Flutschäden um das 100- bis 1.000-Fache.

All das geht einher mit einem Rückgang der globalen Biomasse maritimer Tiergemeinschaften, mit der Verschiebung der Artenzusammensetzung und dem Verlust von Fangpotential, was gravierende Auswirkungen auf die Welternährungssituation hat. Dazu kommt das Tauen von 25 Prozent aller Permafrostböden bis zu einer Tiefe von 3 bis 4 Metern – selbst bei einer Klimaerwärmung von unter 2 Grad Celsius. Ungebremste Klimaerwärmung wird bis zum Jahr 2100 sogar zum Auftauen von 75 Prozent dieser ewig gefrorenen Landmasse führen, was gigantische Mengen an Treibhausgasen freisetzen wird.

Vor der FOLIE des IPCC-Berichts, der ausschließlich auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, machen die  zögerlichen Klimaschutzanstrengungen, die hierzulande unternommen werden, sprachlos. Der Philosoph Richard David Precht hat kürzlich das GroKo-Klimapaket in Handelsblatt-Magazin treffend seziert: „Man schaue nur auf unsere Regierungskoalitionäre. Obgleich niemand den menschengemachten Klimawandel bezweifelt und auch nicht das Tempo, mit dem er voranschreitet, begnügt man sich mit Schönheitskosmetik. Das gute Klima in der Regierung ist halt wichtiger als das schlechte auf der Erde. Man beschließt höhere Steuern für den notorisch zahlungsschwachen SUV-Fahrer und lockt mit sanft verbilligten Bahntickets. Keine Verhaltensänderung also, nur zweckdienliche Illusionen auf dem Weg ins Fiasko.“

*Titelbild: Eis in Spitzbergen. Foto ddp images/Bildagentur-online/TIPS-Images

 

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