HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2020. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2020. Weitere Informationen finden Sie hier.

Sport & Gesundheit

Mia & Ana – die wahren Freunde?

Neben Trinken gehört Essen zu den wichtigsten Dingen im Leben eines Menschen. Die Folgen fehlender Nahrungsaufnahme sind gravierend. Der Körper baut Stück für Stück ab. Erfolgt die Nahrungsverweigerung über einen längeren Zeitraum, erholt sich der sonst so gut funktionierende Körper nie mehr so wie er sollte. Doch für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist ein schlanker, für Außenstehende ein magerer, Körper wichtiger als ein gesunder. Wie Mia und vor allem Ana ihren Teil dazu beitragen ist erschreckend.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 16. März 2020

 „Wenn ich nicht dünn bin, bin ich nicht attraktiv!“, „Dünn sein ist wichtiger als gesund sein!“ oder „Ich darf nicht essen ohne mich schuldig zu fühlen!“ sind nur drei der zehn Gebote, die einem Ana an die Hand gibt. Während Sie diese Sätze lesen, werden Sie gewiss mit dem Kopf geschüttelt haben und sich fragen, wen wir hier zitieren. Die Frage ist mehr als berechtigt. Diese verachtenden Sätze stammen von Ana, die sich selbst als Freundin für jeden sieht, der durch Hungern und Disziplin wieder Kontrolle über sein Leben erlangen möchte. ProAna ist eine Bewegung, die der Anorexie (Magersucht) positiv gestimmt ist. Sie spricht meist junge Mädchen und Jungen an, um diese zu Höchstleistungen anzuspornen. Wer sein Leben nach den zehn Geboten, den 100 Tipps und den 40 Gründen ausrichtet, wird für Gewichtsabnahmen gefeiert und geehrt. Toll, wenn eine Freundin einen langsam aber sicher in die Krankheit mitsamt Erschöpfung begleitet und bis zum Tod noch Verbesserungspotential sieht, oder?

Sie glauben sowas kann Ihnen, Ihren Kindern, Ihrer Familie oder Ihren Freunden nicht passieren? Leider müssen wir Sie enttäuschen, denn die Zahlen sprechen dagegen. Drei bis fünf Prozent der Erwachsen in Deutschland haben eine Essstörung, bei Kindern und Jungendlichen sind die Zahlen noch extremer. 20 Prozent von ihnen zeigen Symptome einer Essstörung. In beiden Gruppen ist die Tendenz steigend. Denn nicht nur Magersucht, auch Bulimie und Fettleibigkeit sind Essstörungen. Bulimie wird zwar noch nicht so lange als Essstörung anerkannt wie Magersucht, hat aber ähnlich schlimme Auswirkungen. Es hat sich bereits die Bewegung ProMia (ProBulimia) unter den Betroffenen entwickelt und trotzdem bleibt diese oft im Verbogenen. Grund hierfür ist, dass die Erkrankten meistens ihr Gewicht halten und die Erkrankung erst dann auffällt, wenn Fingerkuppen, Lippen und Rachenbereiche von der Magensäure verätzt sind.

Da Essen so essenziell ist, ist es auch immer Thema. Auch dann, wenn man es gar nicht zum Thema machen möchte, wie beispielsweise bei einer Diät oder Ernährungsumstellung. Während dieser Zeit ist das Erste und das Letzte am Tag woran man denkt: Essen. Gerade Teenager suchen in der Pubertät ihren Platz in der Gesellschaft, hinterfragen und vergleichen sich stark miteinander. Das ist keine Neuigkeit, das war schon früher so. Genau zu dieser Zeit haben Ana und Mia leichtes Spiel, die jungen, unentschlossenen, unsicheren Menschen anzusprechen. Während Mia und Ana in den 2000er Jahren ausschließlich in Blogs und Foren ihr Unwesen getrieben haben, sind ihre neuen Anlaufstellen Instagram und WhatsApp. Bei Instagram werden entsprechende Hashtags verwendet, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Gleichgesinnte zu finden. „Menschen mit Essstörungen sind leicht zu beeindrucken und können sich daher nur schwer von ihrer Umgebung distanzieren“, erklärt Wally Wünsch-Leiteritz, Leitende Oberärztin des Kompetenzzentrum für Essstörungen in Lüneburg. Daher ist es kein Wunder, dass sich WhatsApp-Gruppen von Gleichgesinnten bilden, um sich ständig über Erfolge, oder wie wir sagen würden dramatische Entwicklungen auszutauschen. Sicherheit, Kontrolle und Anerkennung sind elementare Bausteine, die gerade in der Pubertät gesucht werden. Im Bereich der Magersucht, mit den ProAna-Anhängern, erhalten sie genau das. Die ganze Welt steht Kopf, aber ihren Körper halten sie vermeintlich unter Kontrolle. Sie halten Hunger aus oder ergreifen Gegenmaßnahmen. Anerkennung erhalten sie zuerst auch von ihrem realen Umfeld, wenn sie Gewicht abnehmen. Später dann ausschließlich von ihren virtuellen Freunden, die sich wöchentlich mit Bildern ihrer immer dünner werdenden Körper, täglich mit negativen Gewichtsentwicklung und stündlich mit Motivationssprüchen versorgen.

Durch die Möglichkeit ständig online zu sein und sich mit der ganzen Welt vernetzen zu können, vergleichen sich viel mehr Kinder und Jugendliche. Oft lässt sich durch die Anonymität ein Thema eher ansprechen. Silke Naab, Chefärztin der Jugendabteilung der Schön Klinik Roseneck, warnt allerdings: „Es ist nicht damit getan, dass sie ihre Ängste und Sorgen im Netz teilen, sondern diese Erfahrungen müssen die Kinder und Jugendliche auch im realen Leben machen.“ An dieser Stelle möchten wir sagen, eine Essstörung ist keine Phase, sondern eine psychische Erkrankung, aus der die Betroffenen nur mit Hilfe herauskommen. Das Thema totzuschweigen ist fatal und führt in zehn bis 20 Prozent der Fälle zum Tod.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*