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Ethik & Gesellschaft

Millionen Mädchen fehlen

Am 11. Oktober ist internationaler Mädchentag. Er wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2011 initiiert um auf die schwierige und teilweise lebensbedrohliche Situation von Mädchen weltweit aufmerksam zu machen. Denn es gibt immer noch Länder, die das Leben von Mädchen und Frauen als minderwertig betrachten. In Indien wurden schätzungsweise seit 1980 12 Millionen weibliche Föten abgetrieben, weil Mädchen zu teuer sind. In dem Bericht „EVERY LAST GIRL“, der im Jahr 2016 von der Organisation Save the Children veröffentlicht wurde, ist Indien auf dem Girls‘ Opportunity Index auf Platz 90. Indien zählt also zu einem sehr unsicheren Ort, wenn man als Mädchen geboren wird.

Veröffentlicht von Anna-Katharina Haag am 18. September 2020

Die Mitgift ist in Indien eigentlich seit dem Jahr 1961 per Gesetz verboten. In der Wirklichkeit und aufgrund der gesellschaftlich vorherrschenden Meinung, dass die Braut und ihre Familie immer noch die Pflicht haben, Geld in eine Ehe einzubringen, lässt sich dieses Verbot nur schwer umsetzen und führt zu schrecklichen Folgen für Mädchen: Selektive Abtreibung. Viele Familien können sich eine Mitgift nicht leisten und lassen weibliche Föten deshalb abtreiben. Vom Gesetz her ist es verboten, das Geschlecht von ungeborenen Kindern festzustellen und eine selektive Abtreibung vornehmen zu lassen. Daher gibt es viele illegale Arztpraxen, die sogar in umgebauten Transportern umherfahren und schwangere Frauen einsammeln, um ihnen das Geschlecht mitzuteilen und im schlimmsten Falle eine Abtreibung vornehmen. Falls sich die Familie eine Abtreibung nicht leisten kann, werden die Mädchen ausgesetzt, verstoßen, getötet oder wie im Fall der kleinen Sita lebendig begraben.

Sita wurde nur durch einen Zufall gefunden, weil Eltern ihre verstorbene Tochter begraben wollten. Dabei stießen sie auf einen Tontopf, in dem das Frühchen schrie. Mädchen sind in dieser patriarchalischen Gesellschaft weniger Wert als Jungen, denn Jungen bedeuten einen weniger großen finanziellen Aufwand und bringen der Familie Ehre und nach einer Hochzeit auch Geld.

Doch auch wenn einem Mädchen das Leben durch ihre Familie gewährt wird, bedeutet dies kein sicheres Leben. Denn nach der Hochzeit muss sie sich ihrem Mann, dem Oberhaupt der Familie, unterstellen. Und dieser kann auch weiterhin finanzielle Ansprüche an seine Schwiegereltern stellen, sollte die Aussteuer seiner Meinung nach zu knapp ausgefallen sein. Können sich die Schwiegereltern eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht leisten, hat dies teilweise tödliche Konsequenzen für ihre Töchter. Denn diese werden von ihren Ehemännern im schlimmsten Fall einfach umgebracht. Zu einer der häufigsten Mord-Methoden zählt die Brautverbrennung, da diese schwer nachweisbar und sehr kostengünstig ist. Die Frauen kochen häufig mit Kochbenzin und werden von ihren Ehemännern damit übergossen und angezündet.

Dieser Abscheulichen Methode wurde auch Shashi zum Opfer, die 1979 von ihrem Mann im Hinterhof angezündet wurde, weil er von ihren Eltern einen Motorroller haben wollte. Obwohl dieser Fall schon viele Jahre zurück liegt, beschreibt er auch in der heutigen Zeit die grausame Gier der Ehemänner und den Wert der Frau. Den Tätern kann in den meisten Fällen nichts nachgewiesen werden, da es beispielsweise als Unfall oder Selbstmord dargestellt wird. Der Mann kann nach dem Tod seiner Frau erneut heiraten und wieder finanziellen Vorteil aus der Mitgift schlagen.

Die Diskriminierung von Mädchen und Frauen ist in der indischen Religion und damit auch in der Gesellschaft so tief verwurzelt, dass nicht einmal Gesetze zum Schutz von Mädchen und Frauen eine wirkliche Veränderung bewirken. Die Geschichten von Sita und Shashi beschreiben die traurige Realität vieler Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt. Viele von ihnen können nur auf ein sicheres Leben hoffen und darauf, dass sich die gesellschaftlich vorherrschende Meinung irgendwann ändert und ihre Töchter und Enkeltöchter irgendwann in Sicherheit aufwachsen können.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie hier:

https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/uno-bericht-140-millionen-weniger-maedchen-und-frauen-wegen-praeferenz-von-soehnen-a-f8f9e1ec-2194-4319-9960-6fec55553118

https://www.welt.de/vermischtes/article120782429/Brautverbrennung-ist-die-beliebteste-Methode.html

https://www.savethechildren.org/content/dam/global/reports/advocacy/every-last-girl.pdf

https://www.sueddeutsche.de/panorama/indien-maedchen-geburt-verbrechen-1.4641718

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