Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ethik & Gesellschaft

Nour bedeutet Licht

Am Mittwoch wurde nach fünfjähriger Umbauphase die Al-Nour Moschee in Hamburg-Horn offiziell eröffnet. Daniel Abdin, Vorsitzender des sunnitischen Islamischen Zentrums Al-Nour e.V., öffnete weit die Türen des Gebetshauses, um die rund 300 geladenen Gäste willkommen zu heißen.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 28. September 2018

In Hamburg gibt es 56 Moscheen. Die Al-Nour Moschee ist in mehrfacher Hinsicht etwas ganz besonderes, denn im Vergleich zu den meisten anderen Gemeinden, stammen ihre Gläubigen aus über 30 Nationen und bestimmen so die kulturelle Vielfalt der Glaubensgemeinschaft.

Das Islamische Zentrum Al-Nour ist aber nicht neu. Es wurde 1993 gegründet und liegt in Hamburg-St. Georg, in einer dunklen Tiefgarage, durch Neonlicht beleuchtet. Dank der wachsenden Anzahl an Muslimen beten dort freitags mittlerweile 2.500 Gläubige in zwei Schichten, weil der Platz kaum reicht. Für Daniel Abdin ein unhaltbarer Zustand – nicht nur für die Gläubigen, sondern auch für das Image. Er wollte nicht, dass der Islam sich im Dunkeln versteckt. Er wollte Transparenz, Licht und offene Türen, damit endlich ein Austausch stattfinden kann und der Islam für die oft zweifelnde, kritische und skeptische Öffentlichkeit nicht länger ein großes dunkles Fragezeichen ist.

Der Gemeindevorsitzende suchte lange nach geeigneten Räumlichkeiten und wurde fündig. Was dann passierte ist so besonders, dass es in Deutschland noch nie vorgekommen ist: Das Islamische Zentrum Al-Nour kaufte die ehemalige evangelische Kapernaum-Kirche. Eigentlich verbietet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den Verkauf an islamische Gemeinschaften. Doch das Gebäude wurde bereits 2002 aus Kostengründen entwidmet. Es wurde an einen privaten Investor verkauft, der es später an Abdin verkaufte.

Ein Handel, der sicher nicht überall auf Begeisterung stieß, denn auch im Stadtteil Horn, in dem rund 50 Prozent der Bewohner Migrationshintergrund haben, gibt es eine zweifelnde, kritische und skeptische Öffentlichkeit, für die der Islam ein großes dunkles Fragezeichen ist. Abdin war sich dieser Tatsache bewusst und steuerte fünf Jahre lang nicht nur einen Umbau, sondern vor allem einen interreligiösen Dialog und schaffte Transparenz zwischen dem entstehenden Gebetshaus, der Nachbarschaft und der breiten Öffentlichkeit. Bedacht darauf, die Gefühle der Anwohner und der ehemaligen Glaubensgemeinde nicht zu verletzen, fand der Umbau mit dem Ziel „außen Kirche, innen Moschee“ statt. Der ehemalige Taufstein der Kapernaum-Kirche findet nun einen festen Platz auf der Wiese, die um die Moschee führt, und wird mit einer Gedenktafel versehen. Die kunstvoll gestaltete bunte Fensterfront ist geblieben und wer genau hinsieht, findet auch das Kreuz darin. Das Innere des ehemaligen Kirchenschiffes wurde nach Mekka ausgerichtet und hell gestrichen. Entstanden ist ein helles buntes Gebetshaus. Wolfgang Weißbach, der ab 1966 als Pastor die Gemeinde der Kapernaum-Kirche viele Jahre begleitet hat, freut sich über das fröhliche Erscheinungsbild. Immerhin nennt er die Kirche „seine erste große Liebe“.

Adins unermüdliches Fingerspitzengefühl und der Austausch mit den umliegenden Gemeinden bescherten ihm und der evangelisch-lutherischen Gemeinde Horn 2013 den Sozialpreis, mit dem wiederum die Veranstaltungsreihe „Dialog auf der Baustelle“ finanziert werden konnte – ein Informations- und Gesprächsformat für die Nachbarschaft.

Bei der Eröffnung am Mittwoch waren sich alle Redner einig: Christen und Muslime glauben an den gleichen Gott und ein Gotteshaus bleibt ein Gotteshaus. Sie dankten Abdin für sein unermüdliches Bestreben nach Transparenz und dem interreligiösen Austausch. Die Türen der Al-Nour Moschee sollen auch in Zukunft weit offen bleiben für Nachbarn, Kirchenvertreter und alle Interessierten, um Brücken zu bauen sowie Ängste und Vorurteile abzubauen.

Mit Vorurteilen musste sich die muslimischen Gemeindevertreter trotz ihres Bemühens vor ein paar Tagen dann doch auseinandersetzen: Sprayer hatten fremdenfeindliche Parolen an die Mauern der Moschee gesprüht. Der Religionspolitische Sprecher der SPD, Dr. Lars Castellucci, sagte in seiner Rede am Mittwoch dazu: „Gefühle, die unterdrückt werden, landen als Schmierereien an den Wänden.“

Am 3. Oktober veranstaltet die Al-Nour Moschee einen Tag der offenen Tür. Wenn Sie sich informieren möchten, Fragen haben oder die Menschen in dem neuen Gotteshaus kennenlernen wollen, schauen Sie dort einfach mal vorbei.

 

 

 

Einlass zur offiziellen Moschee-Eröffnung
Der Gebetsraum wurde natürlich ohne Schuhe betreten
Samir El-Rajab, Imam und theologischer Leiter der Gemeinde
Daniel Abdin, Vorsitzender des Islamischen Zentrums Al-Nour
Dr. Christoph Krupp, Chef der Senatskanzlei
Hamad Ali Al-Hazeem, stv. Leiter des Botschafters des Staates Kuwaits
Alman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland
Pastor Dr. Klaus Schäfer, Direktor des Zentrums für Mission und Ökumene
Dr. Lars Castellucci, MdB, Religionspolitischer Sprecher der SPD

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*