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Ethik & Gesellschaft

Politische Bildung – Wenn Schüler keine Wahl haben

Die Schulzeit in prägend für den Rest unseres Lebens. Neben der schulischen Bildung wird den Schülern nämlich auch beigebracht sich eine eigene Meinung zu bilden. Das Schulleben trägt folglich auch zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bei. In Zeiten der politischen Zerrissenheit und verfassungsfeindlichen Gruppierungen kommt demzufolge auch den Schulen eine höhere Verantwortung zu.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 4. Januar 2019

Schwierig wird es mit der schulischen Verantwortung, wenn die Schulbücher für den Politikunterricht nicht alle Seiten des politischen Extremismus und Gruppierungen thematisieren, wie es kürzlich in einem Artikel in Die Welt veröffentlicht wurde.

Kommt es thematisch in dem Lernmaterial zur Gefahr für unsere Demokratie, wird zum Großteil der Rechtsextremismus und die Bedrohung durch den islamischen Terrorismus gesehen. Linksextremistische Strömungen werden hingegen kaum bis gar nicht thematisiert. Beispiele wie die Gewalttaten zum G20 Gipfel in Hamburg zeigen aber, dass insbesondere der Linksextremismus und -radikalismus nicht zu unterschätzen sind. Die Erkenntnis dieser Studie am Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung kommt zu dem Ergebnis, dass die Gefährdung für unsere Demokratie laut Schulbuch sehr einseitig dargestellt wird.

Carl Deichmann, Professor für Politikdidaktik an der Universität Jena, erklärt die Gewichtung mit der aktuellen politischen Lage: „Es ist wichtig, dass in der Schule die strukturellen Merkmale von Extremismus thematisiert werden, nicht nur dessen Ausprägungen“, sagt Deichmann. „Menschen, die aus einer Ideologie heraus einen absoluten Wahrheitsanspruch erheben und andere Menschengruppen pauschal ablehnen, gibt es auf allen politischen Seiten.“ Deichmann ist der Meinung, dass die Schule den Anspruch haben muss, die Merkmale von Extremismus analytisch herauszuarbeiten. Werden die Schüler in diesen Prozess nicht miteinebezogen oder ist die Lehre aus den Schulbüchern und von den Lehrkräften zu einseitig, besteht die Gefahr, dass die Schüler zu Erwachsenen erzogen werden, die auf einem Auge blind sind.

Auch Schulbuchforscherin und Politikwissenschaftlerin Eleni Christodoulou warnt vor der Einseitigkeit: „Im schlimmsten Fall könnte eine extrem einseitige Darstellung die Schüler erst recht in die Arme von Rechtsextremisten treiben.“ Christodoulou weißt aber auch darauf hin, dass allein die Schulbücher den Unterricht nicht gestalten. Es liege in der Verantwortung des Lehrers, wie er mit den ihm zur Verfügung stehenden Materialien umgehe und mit den Schülern zusammen die Formen des Extremismus beleuchtet.

Die Lücken im Schulbuch und einseitiger Lernstoff bergen die Gefahr einer eindimensionalen Bildung. Denn die Schüler müssen dem angebotenen Lehrbüchern und Unterricht der Lehrer folgen. Sie haben keine Wahl und sind angewiesen auf gute und vielfältige politische Bildung in der Schulzeit, um sich selber im weiteren Verlauf ihres Lebens, eine eigene politische Meinung bilden zu können.

 

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