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Beruf & Familie

Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen

Nach fast dreieinhalbmonatiger Corona-Zwangspause und sechs Wochen Sommerferien können Hamburgs Schüler seit gestern wieder zur Schule gehen. Das nichts wie vorher ist, zeigen allein die unzähligen Angebote an Kindermasken, die seit kurzer Zeit vermehrt in Drogerien, Supermärkten und Apotheken zu kaufen sind.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 7. August 2020

Um einen Regelbetrieb an allen 471 staatlichen und privaten Hamburger Schulen stattfinden lassen zu können, hat der Hamburger Senat, um Schulsenator Ties Rabe, strenge Hygieneregeln für die Schulen in der Landespressekonferenz am 4. August kommuniziert.

An den weiterführenden Schulen besteht eine Maskenpflicht für Schüler, Lehrer und Besuchende. Am Arbeitsplatz im Klassen- und Lehrerzimmer kann der Mund-Nasen-Schutz allerdings wieder abgesetzt werden. Grundschüler bis zehn Jahren sind von der Maskenpflicht befreit. Außerdem muss dafür gesorgt werden, dass die Schüler nur in engen Kontakt mit Schülern ihrer Klassenstufe kommen. Dafür müssen sowohl Pläne für den Pausenbetrieb als auch für die Essenszeiten erstellt werden. Zudem müssen strenge Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen vor dem Unterricht, durchgeführt werden.

Als Reaktion auf dieses Konzept gab es sowohl positive als auch negative Stimmen. Eltern die erleichtert sind, dass ihre Kinder wieder zur Schule gehen können und somit auch der Bildungsauftrag erfüllt wird, stützt die Aussage des Hamburger Bürgermeisters Peter Tschentscher: „Die ganzen Sorgen, die nämlich gerade jene Kinder haben, die zuhause nicht die besten Bedingungen vorfinden, die kein Kinderzimmer haben, die keinen Arbeitsplatz haben (…) – das wird uns alle wieder ereilen.“ Außerdem wurde in Hamburg aus der Erfahrungen des Kitabetriebes geschöpft, der seit Monaten bereits mehrere Tausend Kinder in den Kitas betreut. Denn auch diese Betreuung habe nicht zu einem Anstieg der Fallzahlen von Corona-Infizierten geführt. Zudem gebe es inzwischen wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass Kinder keine „Super-Spreader“ sind, sondern im Gegenteil gerade nicht hochinfektiös seien, erklärt Tschentscher das Hamburger Modell.

Zudem sieht der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte große Probleme in der Umsetzung einer Maskenpflicht im Unterricht: „Ein längeres Maskentragen beeinträchtigt bei Schülern die Leistungsfähigkeit,“ erklärt Präsident Thomas Fischbach. „Hinzu komme, dass die Kommunikation gestört sei, wenn es zwischen Schülern und Lehrern keinen richtigen Blickkontakt gebe.“

Gegen dieses Konzept und ein Verzicht auf die konsequente Maskenpflicht stellt sich in Hamburg aktuell die Elterninitiative „Sichere Bildung für Hamburg!“ Sie befürchten, dass sich in engen und schlecht belüfteten Klassenzimmern das Virus schnell und ideal verbreiten kann. „Auf dieser Basis ist ein sicherer und geordneter Schulbeginn nicht möglich“, erklärte die Initiative in einem offenen Brief, den bereits 800 Menschen unterzeichnet haben. Die Initiative fordert unter anderem, dass anders als geplant in den Klassenzimmern ein Mindestabstand zwischen den Schülern garantiert werden müsse. Dies könne etwa durch geteilte Klassen, Unterricht in Kleingruppen, weniger Wochenstunden und digitalen Unterricht geschehen.

Das größte Problem dieser Forderung besteht in der stetig wachsenden Schülerzahl in Hamburg. Für das Schuljahr 2020/21 ist die Zahl der Schüler um 6000 auf 235 190 gestiegen. Einen Anstieg, den es in dieser Größe seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Ein Unterricht nach den geforderten Maßstäben der Initiative würde bei ca. 7000 Klassen in Hamburg bedeuten, dass bei der Halbierung in zwei Lerngruppen, allein 14 000 Räume benötigt werden würden. Ganz zu schweigen von der doppelten Anzahl an Lehrkräften, die seit Jahren zu wenig sind. „Dann müsste wieder das passieren, was vor den Sommerferien alle als eine große Belastung empfunden haben, dass nämlich die Hälfte der Lerngruppen immer nur Unterricht hat und die andere Hälfte zuhause lernt“, erklärt Rabe.

Relativ einig sind sich die Politiker allerdings, dass wenn es zu einem erhöhten Infektionsgeschehen in den Schulen kommen sollte, dass eine Maskenpflicht, als Reaktion darauf, Schulschließungen ersetzen könnte.

Wie wir in die Lage gekommen sind, bei den wieder steigenden Infektionszahlen überhaupt über Masken in Schulen nachdenken zu müssen, bringt Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, auf den Punkt: Ich finde es schade, dass wir (…) wieder so hohe Infektionszahlen haben, dass ausgerechnet die Kinder sich wieder zuerst einschränken müssen. Hätten wir im Sommer etwas besser aufgepasst und weniger gefeiert, wäre diese Lage vermeidbar gewesen.“

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