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Kinderschutz

Rezepte gegen Kinderarmut

Knapp 140.000 Kinder in Schleswig-Holstein sind von Armut betroffen. Der Kinderschutzbund des Kreises Stormarn macht mit der Aktion „Ein blaues Fähnchen für ein Kind“ darauf aufmerksam. Schulklassen jedes betroffenen Kreises stecken die Fähnchen auf eine öffentliche Wiese und machen mit dem blauen Fahnenmeer nicht nur die Öffentlichkeit auf Kinderarmut aufmerksam, auch die Schüler werden für das Thema sensibilisiert.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 26. September 2018

Eine vorbildliche Aktion. Denn gerade Kinderarmut ist eine Form von Armut, die man oft nicht sieht. Bereits die Zahlen aus Schleswig-Holstein sind erschreckend. Dabei ist der Kreis Stormarn, mit 7000 Kindern die in Armut leben, der drittreichste Kreis in Deutschland.

Auch in Nordrhein-Westfalen waren noch nie so viele Kinder arm wie derzeit. Und das trotz sinkender Arbeitslosigkeit. Aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung geht hervor, dass 500.000 Kinder auf Harzt IV angewiesen sind. 70.000 Kinder mehr als noch 2012. Natürlich drücken sich in dieser Höhe auch die Zahl der Flüchtlingskinder aus. Seit Jahren versuchen die NRW-Landesregierungen Kinderarmut mit Maßnahmen und Programmen zu bekämpfen. Anhand der steigenden Zahlen wird deutlich – bisher erfolglos.

Die Kinder sind mehr als je zuvor auf freiwillige Initiativen wie die Kinder-Tafel Vohwinkel e.V. angewiesen. Hierher können benachteiligte Kinder kommen, erhalten warme Mahlzeiten und haben die Möglichkeit mit Spielzeug und anderen Kindern zu spielen. Heinz Hilgers, seit 25 Jahren Präsident des Kinderschutzbundes, ist mit Themen wie der Kinderarmut vertraut. Er und andere Sozialverbände fordern: „Kinder müssen unabhängig von der Lebenssituation ihrer Eltern gleichgestellt sein!“ Sie rufen zu einer sogenannten Kindergrundsicherung auf. Es wäre eine Basisförderung, die die bisherigen verschiedenen finanziellen Unterstützungen wie Sozialgeld, Kinderzuschlag, Kindergeld, Kinderfreibetrag und Unterhaltsvorschuss ersetzt. Die Kindergrundförderung ist zunächst mit 619 Euro von Grund auf für alle gleich. Diesen Betrag müssten die Familien je nach ihrem Steuersatz selber versteuern. Dadurch würden ärmeren Familien ein höherer Beitrag der Kindergrundsicherung übrig bleiben, um ihren Kindern mehr zu ermöglichen. Dieser Beitrag würde insbesondere für Geringverdiener die Möglichkeit schaffen, ihren Kinder bei Grundbedürfnissen wie Essen, Pflege und Bildung sowie auch mit Freizeitangeboten, ein besseres Leben zu garantieren.

Die Kritik der Politik an diesem Modell liegt auf der Hand: Wird die höherer finanzielle Unterstützung dann auch für die Bedürfnisse der Kinder ausgegeben? Wird damit wirklich etwas gegen die Kinderarmut getan? Der aktuelle Ansatz der Politik gegen Kinderarmut vorzugehen richtet sich auf den Ausbau von besser bezahlten Jobs und der allgemeinen Schaffung von Arbeitsplätzen und nicht auf Veränderungen der finanziellen Unterstützung. Heinz Hilgers verspricht sich von diesem Vorgehen nichts: „Wir können noch mehr Jobs und noch mehr Arbeitsplätze schaffen. Wenn Familien mit drei Kindern deutlich über dem Durchschnitt verdienen müssen, um nicht in Armut zu leben, dann stimmt etwas mit unserem System nicht!“

Laut Studien der Bertelsmann-Stiftung haben Kinder die in Armut aufwachsen ein stark erhöhtes Risiko auch in Zukunft arm zu bleiben. Es wird also Zeit Maßnahmen zu ergreifen, die wirklich Erfolg versprechen.

Den ganzen Beitrag „Kinderarmut – Wie die Politik versagt“ finden Sie in der WDR Mediathek.

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