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Umwelt & Nachhaltigkeit

Royaler Austausch

Vergangene Woche hat eine neue Bienen-Königin bei uns Einzug gehalten. Auch wenn das royale Spektakel ausblieb, war der Austausch doch ganz spannend – vor allem für eine plietsche Siebenjährige, die uns mit einem ganzen Fragenkatalog begleitete und tatkräftig mit anpackte.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 22. Juni 2020

Wenn eine Königin aus Altersgründen abdankt und die Regentschaft der Neuen beginnt, ist das normalerweise eine Zeremonie, die mit rotem Teppich, Fanfaren, viel ehrwürdigem Tamtam und großer medialer Aufmerksamkeit einhergeht. Bei Bienen, den drittwichtigsten Nutztieren, heißt das schlicht „umweiseln“. Das liegt daran, dass die Herrscherin über rund 50.000 Bienen und mindestens 500 Drohnen im Fachjargon Weisel genannt wird.

Zugegeben, nicht sonderlich royal. Deshalb waren wir in der vergangenen Woche auch sehr ungestört als auf unserem Firmendach umgeweiselt wurde. Wochenlang hatten unsere Imker beobachtet, dass eines unserer zwei Bienenvölker schwächelt. Die amtierende Königin – mittlerweile vier Jahre alt – legt nur noch wenige Eier, die Menge an gesammeltem Honig und Pollen ist recht gering. Es wurde also dringend Zeit, frischen Wind ins Volk zu bringen, denn immerhin ist Ende Juli / Anfang August bereits die Honigernte!

Die Prozedur gestaltete sich als etwas schwierig, denn die alte Königin war unauffindbar. Tatkräftige Unterstützung hatten wir dabei von Yuki (7), Tochter von Robert Raeder, der unsere versicherungsmathematische Abteilung leitet. Yuki war ganz froh über die Abwechslung vom Homeschooling, zumal sie selbst daheim eine stattliche Weinbergschneckenzucht betreibt und gewissermaßen „vom Fach“ ist. Während der gemeinsamen Suche nach der verschollenen Königin hatte sie eine Menge Fragen, die Imker Benoit Larcher von BEE-RENT ihr ausführlich beantwortete. So weiß ich nun, dass Hummeln tatsächlich manchmal in Bienenbeuten fliegen, um etwas Honig zu klauen. Ähnlich wie bei uns Menschen, ist die Reaktion der Bienen darauf tagesformabhängig und reicht von Toleranz bis zur „handfesten Prügelei“, um den Eindringling zu vertreiben.

Nach langer Suche stellte sich heraus, dass die Königin seit dem letzten Besuch des Imkers vor zwei Wochen bereits gestorben war, denn das Volk hatte sich selbst mit viel Gelée Royal schon eine neue herangezüchtet. Anders als die Königinnen, die der Imker einsetzt, fehlte ihr der Markierungspunkt auf dem Rücken, deshalb war sie so schwer zu finden.

Genau wie bei den Menschen, sind zwei Königinnen und ein Volk eine ganz ungünstige Ausgangsituation. Imker Larcher entschied daher kurzerhand, die von ihm mitgebrachte Königin wie geplant einzusetzen. Die Königin, die das Volk selbst gezüchtet hat, ist mit einigen Begleitbienen in ein sogenanntes Begattungskästchen umgezogen. Dort wird sie für ein paar Tage bleiben, um die Basis für ihr neues Volk zu schaffen, das dann in eine größere Beute zieht.

Wir sind sehr gespannt, ob die Umweiselung den erhofften Erfolg bringen wird, denn natürlich wollen wir auch in diesem Jahr wieder möglichst viel Honig für den guten Zweck verkaufen. Yuki hat eine Menge neuer Eindrücke mitgenommen und war so begeistert, dass sie nun eine Bienen-Zeitung machen will, auf die wir in der Redaktion schon sehr gespannt sind!

 

Weder Kutsche noch Rolls Royce: Die Königin (blauer Punkt) reiste in einem kleinen Käfig an.
Foto: Silke Hirschfeld
Wer fragt gewinnt: Yuki mit ihrem Fragenkatalog.
Foto: Silke Hirschfeld
Imker Benoit Larcher auf der Suche nach der Königin,
Foto: Silke Hirschfeld
die in dem ganzen Getummel...
Foto: Silke Hirschfeld
..wirklich schwer zu finden war.
Foto: Silke Hirschfeld
Am Ende saß sie in einem kleinen Klammerkäfig fest, mit dem sie...
Foto: Silke Hirschfeld
...in das Begattungskästchen gesetzt wurde.
Foto: Benoit Larcher
Die Königin unseres anderen Bienenvolkes war durch ihre rote Markierung schnell zu finden.
Foto: Silke Hirschfeld

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