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Ethik & Gesellschaft

Tag der Wohnungslosen

Am 11. September war Tag der Wohnungslosen. Zu diesem Aktionstag wird in Deutschland seit vielen Jahren aufgerufen, um auf die Zahl und vor allem das Leben der Wohnungslosen aufmerksam zu machen. Gegenwärtig leben in Deutschland nach aktuellen Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe insgesamt 292.000 wohnungslose Personen. In diesem Jahr folgte eine beunruhigende Statistik: Die Menschen, die in Deutschland keine Wohnung haben, werden immer jünger.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 14. September 2020

Aus dem jährlichen Lebenslagenbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gehen weitere besorgniserregnde Zahlen hervor. Denn die Menschen werden nicht nur immer jünger, unter ihnen befinden sich auch immer mehr Frauen: Etwa jede fünfte wohnungslose Frau ist unter 25 Jahren alt, während bei den Männern jeder sechste dieser Altersgruppe angehört. Insgesamt sind 27 Prozent der Wohnungslosen weiblich, womit sich der Frauenanteil in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt hat. Die Sozialbehörden schätzen das Dunkelfeld weiblicher Obdachlosigkeit sogar noch viel größer ein, denn schließlich machen sich obdachlose Frauen oft „unsichtbar“, um sich vor der Gewalt auf der Straße zu verstecken.

Andrea Hniopek, Leiterin des Fachbereichs Existenzsicherung der Caritas Hamburg weiß, dass „Gewalt auf der Straße für weibliche Obdachlose schlicht der Alltag ist“. Sozialarbeiterinnen der Wohnungshilfe gehen davon aus, dass 90 Prozent der Frauen Gewalterfahrungen gemacht haben. Die große Gefahr besteht vor allem darin, dass Frauen auf der Straße gerne bei Männern untertauchen, um Schutz zu suchen. Diese nutzen aber häufig ihre Machtposition aus: „Viele Frauen nutzen Schlafplatzgelegenheiten bei Männern und leisten dafür Haushaltsdienstleistungen oder sexuelle Dienstleistungen. Das zeigt, wie prekär die Situation von obdachlosen Frauen ist.“, erklärt Hnipoek.

Ein wichtiges Hilfsangebot für obdachlose Frauen ist die Aufklärungsarbeit sozialer Initiativen. Hinzu kommt die Forderung der Hamburger Diakonie und der Wohnungslosenhilfe, Unterstützung aus der Politik zu erfahren, um Unterkünfte bereitzustellen. Insbesondere in dem nahenden Winter geht es wieder darum, den Obdachlosen Schutz vor der Kälte zu bieten. Einhergehend mit der Corona-Situation, wird für den Winter eine noch größere Ausnahmesituation erwartet. „In der Coronazeit haben wir gute Erfahrungen mit Einzelunterbringung gemacht – in diese Richtung muss sich das Hilfesystem weiterentwickeln“, erklärt Dirk Hauer, Leiter des Fachbereichs Migration und Existenzsicherung der Hamburger Diakonie. Keinesfalls dürften Einrichtungen in die Situation geraten, wohnungslose Menschen  mit Verweis auf Coronaschutzmaßnahmen abweisen zu müssen „und sie den Risiken des Lebens auf der Straße bei Kälte auszusetzen.“

Eine dieser beschriebenen wichtigen sozialen Einrichtungen ist das Jesus Center e.V. im Hamburger Schanzenviertel. Die Hamburger Institution gibt es jetzt seit 50 Jahren und anlässlich dieses Jubiläums gilt es einmal mehr, deren wichtige Arbeit in Hamburg zu würdigen. Ein Herzstück ihrer Arbeit ist das Café Augenblicke, dass seit über 30 Jahren eine Anlaufstelle für Wohnungslose, Drogenabhängige und Anwohner aus dem Schanzenviertel ist. Neben Gemeinschaft und Gespräch, Beratung und Hilfe, geht es auch um Essen und Trinken, Duschen und Kleidung. Das alles gibt es im Café Augenblicke. In einem Kurzfilm des NDR können Sie hier einen Einblick in die so wichtige Arbeit bekommen.

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