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Kinderschutz

„Wäre das Leben eine Grundschule, würden Mädchen die Welt regieren.“

Am gestrigen Sonntag war Welt-Mädchentag. Auf Initiative von Plan International haben die Vereinten Nationen den „International Day of the Girl Child“ zum ersten Mal 2011 initiiert, um neben dem Welt-Kindertag und Welt-Frauentag auf die bestehenden weltweiten Unterschiede von Mädchen und Jungen aufmerksam zu machen. 

Veröffentlicht von Marie Mävers am 12. Oktober 2020

Rund 130 Millionen Mädchen gehen weltweit nicht zur Schule. Barrieren, wie Frühverheiratung, Frühschwangerschaft und sexuelle Gewalt erschweren ihnen den Zugang zu Bildung und hindern sie, selbstbestimmt zu leben. Die UN-Kinderrechtskonvention legt fest, dass Mädchen und Jungen dieselben, unveräußerlichen Rechte haben. Allerdings haben sie immer noch nicht dieselben Chancen: Im Verhältnis werden Mädchen häufiger diskriminiert und an ihrer freien, selbstbestimmten Entfaltung gehindert. Nach Angaben von Plan International Deutschland hat sich die Situation von fast elf Millionen Mädchen weltweit durch die Corona-Krise mit temporären Schulschließungen und Ausgangssperren zusätzlich verschärft. Sie seien unter anderem Zwangsverheiratung und Gewalt ausgesetzt.

Um auf diese bestehenden Missstände aufmerksam zu machen, leuchtete gestern auch die Stadt Hamburg in pink. Bundesweit wurden Häuser und Wahrzeichen in pink getaucht, in der Hansestadt waren es z.B. das Planetarium, das Holthusenbad, die Hauptkirche St. Petri sowie das Büro der Hilfsorganisation Plan International Deutschland in Hamburg. Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend twitterte unter dem #Weltmädchentag: „Mädchen können alles. Wir setzen uns dafür ein, dass die Rechte von Mädchen international gestärkt werden, sie besser vor Gewalt geschützt sind und überall ihren Weg machen können – unabhängig von Klischees und Rollenbildern.“

Aber auch hier vor Ort werden noch Geschlechterunterschiede gemacht. Mit Folgen, wie die Autorin Reshma Saujani erklärt. In Ihrem Buch „Mutig, nicht perfekt: Warum Jungen scheitern dürfen und Mädchen alles richtig machen müssen“, geht sie auf die tief verwurzelte Geschlechterrolle in unserer Gesellschaft ein und wie sich diese auf das Leben der Frauen auswirkt.

„Ich denke, Mädchen werden dazu erzogen, perfekt zu sein und keine Risiken einzugehen. Sie sollen gute Noten schreiben, aber sich am Klettergerüst nicht zu hoch hinauf wagen, weil sie fallen und sich weh tun könnten. Jungen hingegen sollen ruhig bis nach oben klettern und auch mal fallen.“ (Reshma Saujani)

Diese Erziehung im Kindesalter lässt Saujani auf Verhaltensmuster im Erwachsenenleben schließen. Frauen sind immer auf Perfektion bedacht. Studien zeigen, dass Frauen eher das Studienfach wechseln, wenn sie Zweien statt Einsen schreiben als Männer. Frauen verwenden viel zu viel Energie darauf, Fehler zu vermeiden und lesen dementsprechend Mails, Briefe und Nachrichten häufiger auf Fehler durch, bevor sie diese abschicken. Dieser Perfektionismus kann lähmend sein, weil er mit der Angst vorm Scheitern verbunden ist. Auch deshalb schlagen Frauen in ihrer Karriere oft den erwartbaren Weg ein, wählen Unis und Jobs, die sich im Lebenslauf gut machen, anstatt ihrem Herzen zu folgen. „Dabei läuft es in der Schule ja meist noch gut für die Mädchen. Wäre das Leben eine Grundschule, würden Mädchen die Welt regieren,“ zitiert Saujani einen bekannten Spruch.

„Natürlich müssen wir langfristig auch Strukturen verändern, Sexismus, Rassismus und ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bekämpfen. Aber mir geht es vor allem darum, welche Strategien Frauen entwickeln können, um in der Arbeitswelt, wie sie ist, erfolgreich zu sein.“ Auch aus diesem Grund hat die indisch-amerikanische Frau, die für den Kongress kandidierte, 2012 das gemeinnütziges Unternehmen „Girls Who Code“ gegründet, um Frauen in IT-Berufe zu bringen.

Reshma Saujani: „MUTIG, NICHT PERFEKT. Warum Jungen scheitern dürfen und Mädchen alles richtig machen müssen“ 222 Seiten, Originalverlag: Currency, New York 2019 , Originaltitel: ›Brave, not perfect. Fear Less, Fail More and Live Bolder‹ ISBN 978-3-8321-8129-1

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