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Ethik & Gesellschaft

Welttag der Sozialen Gerechtigkeit

Im Jahre 2009, also zu Beginn der Finanz- und Schuldenkrise, führten die Vereinten Nationen den World Day of Social Justice ein, um alljährlich am 20. Februar an das Leitbild der sozialen Gerechtigkeit in Gemeinschaften zu erinnern, mit dem Fokus auf Armut, Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit. Auch im aktuellen Koalitonsvertrag ist dieser Frage das Kapitel VII gewidmet: „Soziale Sicherheit gerecht und verlässlich gestalten“. Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu: „Der Wohlstand unseres Landes muss bei allen Menschen ankommen.“ Aber der Abstand zwischen Arm und Reich wächst, kritisiert die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation OXFAM in ihrem jüngsten Bericht Public Good and Private Wealth, vorgelegt zum Weltwirtschafts-forum in Davos im Januar 2019.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 11. Februar 2019

Die soziale Frage ist längst nicht mehr Gegenstand sozilogischer Hauptseminare an Universitäten. Sie ist mit dem Aufstieg populistischer Bewegungen in Europa in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die EU adressiert das Thema seit 2015 mit der Arbeit an einer europäischen Säule sozialer Rechte. Hierbei geht es u.a. um Chancengleichheit und Arbeitsmarktzugang, faire Arbeitsbedingungen sowie Sozialschutz und soziale Inklusion.

Denn die Zeit drängt: Studien der Bertelsmann-Stiftung aus den Jahren 2017 und 2018 haben an den Indikatoren Armutsvermeidung, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Nichtdiskriminierung und Generationengerechtigkeit gezeigt, dass im EU-Index zu sozialer Gerechtigkeit Deutschland nur auf Rang 7 rangiert, u.a. weil mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen in unserem Land Langzeitarbeitslose sind. Das ernüchternde Fazit: Trotz wirtschaftlicher Spitzenwerte waren 2016 in Deutschland mehr Menschen von Armut bedroht als im Krisenjahr 2010. Ungerechtigkeitsempfinden und Verunsicherung spiegeln sich im Misstrauen gegenüber Parteien: Von den Befragten, die die Gesellschaft als sehr ungerecht empfinden, haben über 60 Prozent kein Vertrauen in Parteien. Bei den besonders stark Verunsicherten liegt der Anteil bei 56 Prozent. Hier liegt das Warnsignal für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer demokratischen Gesellschaft ebenso wie  e i n e  Begründung für den Erfolg rechtspopulistischer Parteien.

Dass den Deutschen die soziale Gerechtigkeit sehr wichtig ist, ergab eine weltweite Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos in 28 Ländern aus dem vergangenen Jahr. Der Aussage „Individuelle Freiheit ist wichtiger als soziale Gerechtigkeit“ stimmen hierzulande nur noch 38 Prozent zu. Und nicht einmal die Hälfte der Deutschen (49%) glaubt, dass der freie Markt die besten Ergebnisse zeitigt.

Da liefert die aktuelle OXFAM-Untersuchung zur globalen Vermögensverteilung weiteren Sprengstoff. Danach sind die Vermögen der Milliardäre 2018 pro Tag um 2,5 Mrd. Dollar gestiegen, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung Einbußen von 11 Prozent oder 500 Millionen Dollar täglich hinnehmen musste. Aber wo viel Schatten ist, gibt es auch Licht. Denn tatsächlich hat sich die Zahl der Menschen in extremer Armut, die heute 736 Millionen beträgt (tägliches verfügbares Einkommen: 1,90 $), zwischen 1990 und 2010 halbiert. Gleichwohl lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung (46%), das sind etwa 3,4 Milliarden Menschen, von maximal 5,50 Dollar pro Tag.

Auf Deutschland heruntergebrochen steigerten die Milliardäre 2018 ihr Vermögen um 20 Prozent. Das reichste Prozent verfügt damit über ebenso viel Vermögen wie die ärmeren 87 Prozent. Das bedeutet, dass unser Land im europäischen und internationalen Vergleich zu den Industrienationen mit der größten Vermögens-ungleichheit gehört – und das bei einer Armutsquote von 15,8 Prozent, dem höchsten Stand seit 1996.

Wie sagte John F. Kennedy schon 1961: „If a free society cannot help the many who a poor, it cannot save the few who are rich.”

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