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Wenn der Krebs zum Haustier wird

Die Schauspielerin, Autorin und HanseMerkur-Kundin Renan Demirkan hat für den Verlag Ralf Liebe mit „Wenn der Krebs zum Haustier wird“ einen bemerkenswerten Band mit 16 Texten vorgelegt, die 2016 im Rahmen einer von ihr geleiteten viertägigen Schreibwerkstatt für Krebspatienten in der Reha-Fachklinik „Sonneneck“ in Wyk auf Föhr entstanden sind. Gedacht war das Schreiben als „Schlüssel zu mir selbst“. Das Experiment ging auf. Empfehlung: unbedingt lesenswert! Denn, wie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin
Malu Dreyer in ihrem Vorwort schreibt: Die Geschichten „machen Mut und zeugen von Stärke und einem großen Lebenswillen.“

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 10. September 2019

Die nordfriesische Rehaklinik als Ort der Schreibübung und „(Über)-Lebenselixier“ war sorgsam gewählt. Renan Demirkan erkrankte 2013 selbst an Brustkrebs und erholte sich im „Sonneneck“ bei der Leiterin der Einrichtung, Dr. Cornelia Kaufmann, die im Jahre 2017 leider viel zu früh verstarb. Demirkan sieht Schreiben als „ein Blind Date mit sich selbst“. „Schreiben gibt Halt, denn beim Schreiben entsteht ein Zuhause.“ Und sie hat selbst erfahren, „wie unersetzbar wichtig das Aufschreiben der aktuellen Gedanken für die eigene Traumaarbeit ist!“

Und mit Traumata in Gestalt fürchterlicher Dämonen kämpfen jene 15 Frauen und Männer im Alter zwischen 46 und 72 Jahren, die den Mut aufbrachten, sich mit ihrer Krankheit prosaisch auseinanderzusetzen: mit Brust- und Gebärmutterkrebs, mit Leukämie und Zungengrundkarzinom, mit Blasenkrebs und der unheilbaren Bluterkrankung PNH. Als roter Faden durch alle „berührenden und aufwühlenden“ Texte zieht sich die bittere Erkenntnis, aus Pflichtbewusstsein oder Perfektionismus, aus Ehrgeiz oder aufgrund toxischer Familienkonstellationen buchstäblich am eigenen Leben vorbeigelebt zu haben, unachtsam, getrieben, fremdbestimmt, immer für andere funktionierend, aber ohne Raum für eigene Wünsche und Bedürfnisse. Eine 53-jährige Patientin schreibt: „Ich habe den Gedanken, ich werde vielleicht sterben, ohne jemals mit mir allein gewesen zu sein.“

In diesem Alleinsein im Angesicht der Abrissbirne Gottes, konfrontiert mit lähmender Angst ob der eigenen Endlichkeit durch eine existentielle Erkrankung erwächst aber für alle Betroffenen auch das große Geschenk der Selbstvergewisserung im Schreibprozess. Tabula rasa schafft Raum das für Leben, für Selbstachtung, für Mut, Gelassenheit, Freiheit des Augenblicks, für Geduld, Zeit und Muße, aber auch für bislang unterdrückte Wut und Trauer.

Und insofern sei dieser knapp 100-seitige Band uns allen zur Lektüre empfohlen, da er zum einen eine Menge Lebensweisheit bietet und zum anderen die Erlöse aus dem Verkauf in das gemeinnützige Erholungsangebot „Zeit der Maulbeeren gUG“ fließen, mit denen Renan Demirkan an Krebs erkrankten Frauen kostenlos Raum und Zeit zum Ausruhen bietet.

Wenn der Krebs zum Haustier wird – leben, lieben und arbeiten mit einem Trauma
ISBN 978-3-944566-84-9
Verlag Ralf Liebe, 10,00 Euro

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