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Ethik & Gesellschaft

Wenn Hilfe eine Berufung ist

Nach dem im Sommer 2015 große Flüchtlingswellen in Europa ankamen, waren alle Europäer aufgefordert zu helfen. Denn allein durch politische Führung und Regelungen ließen sich die Flüchtlinge nicht unterbringen und erst recht nicht integrieren. Dazu stellten sich etliche ehrenamtliche Helfer zur Verfügung – auch hier in Hamburg.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 15. Januar 2019

Eine von den ehrenamtlichen Helfern war Susi Petzold. Das Beeindruckende, sie ist es immer noch. Denn ebenso wie die Flüchtlingswellen abgenommen haben und damit auch die Dramatik der Situation, hat auch das große Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer abgenommen. Es ist menschlich, die Flüchtlinge gehören nun zu unserer Gesellschaft dazu. Aber tun sie das wirklich? Ohne Integration würde auch bei der abnehmenden Flüchtlingswelle langfristig ein Problem auf uns zukommen. Denn die meisten von ihnen werden hierbleiben, brauchen Arbeit, eine Wohnung und müssen in die Gesellschaft integriert werden. Das schafft der Staat nicht alleine. Von diesen Gedanken wird auch Petzold, ausgebildete Journalistin und Mutter von zwei erwachsenen Kindern, täglich angetrieben. Sie betreut heute noch immer 25 Flüchtlinge. Darüber hat sie jetzt ein Buch geschrieben – ihr sogenanntes „Protokoll“, dass ich Ihnen heute sehr ans Herz legen möchte.

Das Buch „Manchmal vergesse ich, dass ich ein Flüchtling bin“ ist einfach aufgebaut. Petzold protokolliert ihren Austausch mit vier Geflüchteten aus Afghanistan und dem Iran: die Frauen Raziye und Kobra und die Männer Belal und Victor. Die Einfachheit in ihren Beschreibungen machen das Buch und ihre Arbeit so authentisch.

Ihre Gespräche drehen sich um notwendige Dinge, wie eine Wohnung zu bekommen und einen Job, um Geld zu verdienen, bis hin zu benötigtem Sprach- und Matheunterricht. Durch ihre Gespräche mit den Flüchtlingen bringt sie dem Leser aber vor allem die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und denen des Mittleren Ostens nahe und lässt einen auch so manchmal auch über sein eigenes Verhalten nachdenken. Was ihnen in Deutschland nicht gefalle, fragt Susi Petzold im Buch. Die Antwort von Belal: „In der Schule haben einige überhaupt keinen Respekt vor ihren Lehrern. Und es gibt hier Leute, die haben keine Lust zu arbeiten und bekommen dann auch noch Geld vom Staat. Das geht überhaupt nicht!“ Auf der anderen Seite beschreibt der Werkstattbesitzer Sven Kalinna, der u.a. auch Belal in seiner Werkstatt beschäftigt, die unterschiedlichen Mentalitäten im Arbeitsalltag. Insbesondere Themen wie Pünktlichkeit und Verbindlichkeit von Aussagen, haben in Deutschland eine ganz andere Bedeutung und müssen den Flüchtlingen teilweise erst noch beigebracht werden. „Jungs wie Belal lernen das aber schnell“, so Kalinna, „die sagen, wenn das hier so ist, dann mache ich das auch so.“ Wir können folglich noch viel voneinander lernen.

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit ist Petzold eine Herzensangelegenheit: „Es geht um so viel, um alles. Den Erhalt unserer Gesellschaft, unserer Gemeinschaft, der Demokratie – um Deutschland, um Europa.“ Sie packt es an.

 

Das Buch „Manchmal vergesse ich, dass ich ein Flüchtling bin“ ist im Dezember 2018 im Leuchtfeuer Verlag erschienen, 92 Seiten, 9,80 Euro 

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