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Umwelt & Nachhaltigkeit

Wenn Kinder die Massen mobilisieren

Womöglich hätte eine 35-jährige Aktivistin, die jeden Freitag vor dem Rathaus in Stockholm sitzt, nie diese Aufmerksamkeit bekommen. Auch wenn Greta so manch einer anfangs nur erwachsen belächelt hat oder viele in den anfänglichen Fridays for Future Bewegungen eine Eintagsfliege gesehen haben – was seitdem passiert ist, hätte wohl niemand für möglich gehalten. Mittlerweile gibt es Parents for Future, Artists for Future, Health for Future und natürlich Scientists for Future. Sie alle standen am 20. September zusammen und demonstrierten weltweit für den Klimaschutz.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 23. September 2019

Am vergangenen Freitag gipfelte das Engagement der Kinder und Jugendlichen in einem globalen Klimastreik in über 150 Ländern, bei dem vor allem auch Erwachsene und Firmen ihre Mitarbeiter dazu aufriefen zu demonstrieren. Ingesamt gingen weltweit mehr als 10 Millionen Menschen auf die Straßen. In Deutschlands Hauptstadt versammelten sich rund um das Brandenburger Tor 100.000 Menschen. In Hamburg konnte der ganze Protestzug kaum in Bewegung gesetzt werden, weil die vermutete Teilnahme von 30.000 Menschen fast dreimal so hoch übertroffen wurde.

In einem Spezial der taz zum Weltklimastreik berichten junge Aktivisten der Fridays for Future (FFF) aus aller Welt, was sie antreibt und vor allem wie groß die Unterschiede in der Aufgeklärtheit der Menschen über den Klimawandel sind.

„Neulich erlebte ich die Beer­digung des ersten Gletschers, den Island wegen des Klima­wandels verlor. Ich möchte so etwas nie wieder erleben. Ich streike, weil ich finde, Unter­nehmen müssten Verantwor­tung zeigen – und uns nicht sagen, wir müssten mehr Fahrradfahren und Man­delmilch trinken. Die Regie­rung sollte uns ernster neh­men, statt auf Firmen zu hö­ren, die Verluste fürchten.“ (Gunnhildur Fríða Hall- grímsdóttir, Reykjavík, Island, 19)

„Es ist nicht so einfach für uns in Liberia, zu streiken. Ich hoffe trotzdem, unsere Regierung übernimmt mehr Verantwortung, um Lösungen für den Klimawandel zu finden. Unsere Region ist oft über­schwemmt. 2017 und 2018 gab es schwere Hochwasser. Straßen, Schulen, Marktplätze und Krankenhäuser wurden überflutet. Deshalb konnte ich im Oktober 2017 für fünf Tage und im Oktober 2018 für fast zwei Wochen nicht zur Schule.“ (Rita Nuahn, Paynesville, Liberia, 18)

In Japan gibt es wenig junge Leute, die sich um Klima­gerechtigkeit sorgen. Ich denke, der Grund dafür ist erstens die fehlende Bericht­erstattung in der Presse, zweitens interessieren sich viele nicht für soziale Fragen. Aber in Japan gibt es viele Zeichen des Klimawandels. Es gibt plötzlichen Starkregen und unerwartete Taifune. Zu viele Banken investieren weiter in Kohle und andere nichtnachhaltige Projekte.“ (Takuro Kajiwara, Tokio, Japan, 18)

Auch Iqbal Badruddin, 27, aus Pakistan engagiert sich für FFF und hat dafür sogar seinen Job aufgegeben. Er berichtet, dass FFF in Pakistan an den Universitäten und nicht an den Schulen beginnen musste: „Hätten wir die Schulkinder gebeten zu streiken, wäre die Bewegung schon tot. Die Eltern und die Regierung wären dagegen. Das Bildungsniveau in Pakistan ist so schon sehr niedrig. Da sollen die Kinder in der Schule bleiben. Viele Menschen können nicht lesen und schreiben, sie haben noch nie etwas vom Klimawandel gehört und wissen erst recht nicht, was man dagegen unternehmen kann.“ Deshalb sieht er die größte Aufgabe in Pakistan darin, die Leute aufzuklären.

Auch der Suchmaschienen-Riese Google widmet sich am 20.September dem Weltkindertag.

Ungeplant oder nicht – kurioserweise fiel auf den Tag des globalen Klimastreikes, der Weltkindertag. Nicht nur, dass es um die Zukunft unserer Kinder geht, über ein Jahr ist es her, dass ein Kind in den Streik getreten ist und damit eine noch nie dagewesene Klima-Bewegung angestoßen hat. Unter dem Motto „Wir Kinder haben Rechte!“, machen sich in Deutschland vor allem Unicef und das Kinderhilfswerk für die Jüngsten unserer Gesellschaft stark. Zählbare Fortschritte sind leider momentan ebenso wenig, wie auf der Klimaebene zu verzeichnen. Die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz stagniert noch immer in Diskussionen. Immerhin feierte das Bundesland Thüringen dieses Jahr erstmals den Weltkindertag im größeren Stil und geht mit gutem Beispiel voran: denn hier ist der Weltkindertag seit 2019 ein Feiertag und damit erstmals schul- und arbeitsfrei. Damit will die Rot-Rot-Grüne-Regierung ein Zeichen für die Kinderrechte setzen und den Freistaat kinder- und familienfreundlicher gestalten.

Solche Beispiele und das Engagement von Millionen Menschen für das Klima lässt hoffen, dass Wegschauen bald schwerer als Hingucken sein wird.

Viele Radfahrer beteiligten sich an der Hamburger Demo und warben für eine autofreie Innenstadt.
Auch bei dieser Klimademo fehlte es nicht an kreativen Plakatsprüchen
und plakativen Aufforderungen.
Der zentrale Treffpunkt am Jungfernstieg stand zwei Stunden still.
Erst dann ließen sich die über 80.000 Menschen geordnet in Bewegung setzen.
Neben den Schülern waren beim Weltklimastreik vor allem auch Universitäten und Firmen dabei.

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