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Kinderschutz

Wir Kinder haben Rechte!

Dieses Motto haben das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland anlässlich des heutigen Weltkindertages 2019 ausgerufen. Es ist ein besonderes Datum, denn die UN-Konvention über die Rechte des Kindes hat in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag. Dass die Rechte der Kinder eine neue Dimension erlangt haben und sie diese auch einfordern, wissen wir seit 65 Wochen. So lange ist es her, dass Greta Thunberg das erste Mal mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ vor dem Schwedischen Reichstag demonstrierte und damit die weltweite Bewegung Fridays for Future auslöste. Denn Kinder haben ein Recht auf Zukunft und dazu gehört eine gesunde Erde.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 20. November 2019

Einer der größten Verfechter der Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz ist unumstritten Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes und langjähriges Jurymitglied des HanseMerkur Preise für Kinderschutz. In seiner jüngsten Kolumne in Kinderschutz aktuell, der Zeitschrift des Kinderschutzbundes, kommt auch er am Phänomen Greta nicht mehr vorbei. Der Blick des 71-jährigen Kinderschützers auf die 16-jährige Klimaaktivistin und ihre Anhänger ist so gut, dass wir ihn hier ungekürzt wieder geben möchten:

„Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Zöpfe, kaum 1,50 Meter groß und nur mit einem Pappschild bewaffnet, das war der Anfang. Skolstrejk För KLIMATET also „Schulstreik für das Klima“ stand auf diesem Schild. Seit dem 20. August 2018 streikt Greta Thunberg immer freitags.

Sie kämpft für nichts weiter als für das Recht der jungen Generation auf einen lebenswerten Planeten – auch in Zukunft.

Aus ihrem aussichtslos wirkenden Schulstreik ist im letzten Jahr eine Bewegung entstanden, wie wir sie lange nicht gesehen haben, Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt demonstrieren zu Millionen – oft gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern – für wirksame Maßnahmen im Kampf gegen die Klimakatastrophe.

An Fridays for Future kommt niemand mehr vorbei. Die Jugendbewegung prägt seit Monaten die politische Debatte. Das ist der alleinige Erfolg von Greta Thunberg und ihren Mitstreitenden!

Es betrübt mich, dass die Bundesregierung mit der Verabschiedung ihres Klimapakets unter anderem aus Angst vor möglichen Gelbwesten-Protesten nur sehr zögerlich reagiert. Anstatt sich das dringende Anliegen der jungen Generation, ihrer Eltern und Großeltern zu eigen zu machen und ein vorbildhaftes Klimaschutzgesetz zu verabschieden, zögert und taktiert sie. Die Große Koalition verspielt damit nicht nur Vertrauen, sie nimmt auch bewusst die Konsequenzen der Erderwärmung in Kauf – die aber von unseren Kindern getragen werden müssen.

Es gibt keinerlei Anzeichen für eine Gelbwesten-Bewegung in Deutschland. Klimaschutz kann auch sozial ausgewogen gestaltet werden. Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen etwa ist kostenneutral, vermindert Unfälle und verringert den CO2-Ausstoß. Ein Verbot – oder zumindest eine drastische Besteuerung – innerdeutscher Flüge trifft nicht die unteren und mittleren Einkommen. Mir ist jedenfalls keine Erzieherin bekannt, die zwischen Frankfurt und Berlin hin- und herjettet. Ein mutiger Ausbau des Schienenverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs könnte das Auto für viele Menschen überflüssig machen. Stattdessen muss ich leider feststellen: Die Koalition hat der Mut verlassen.

Vorbildhaft sind hingegen für mich die jungen Menschen von Fridays for Future: Mit großer Zuversicht blicke ich Kindern und Jugendlichen entgegen, die ihr Recht auf Beteiligung einfordern. Die die Unkenrufe über die angeblich unpolitische Jugend Lügen strafen. Und die für sich und ihre Zukunft öffentlich streiten. Das sind die Menschen, deren Sorgen und Nöte wir ernst nehmen müssen. Meine Unterstützung jedenfalls haben sie.

Herzlichst,
Ihr Heinz Hilgers“

Fotos: Wolfgang Köhler (Titelbild), Michaela Kuhn (Pressekonferenz HanseMerkur Preis für Kinderschutz)

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