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XMM: Der Bewerbungsprozess – ein Buch mit sieben Siegeln

Am Dienstag dieser Woche nun Workshop 3 beim aktuellen XING Mentor Month. Acht Teilnehmer aus Syrien und Afghanistan und Recruiterin Martina im Powerplay über vier Stunden. Die Themen: Bewerbungsprozess und –gespräch, Stärken- und Schwächen-Analyse und Interview-Training auf dem heißen Stuhl.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 31. August 2018

Meine Kollegin Silke Hirschfeld hat am 17. August schon darüber berichtet, wie sie auch als Beobachterin den XING Mentor Month-Workshops viel gelernt hat. Ich kann das nach meiner Erstbegegnung nur bestätigen. Mir wurden vor allem die Augen dafür geöffnet, wie wichtig es für Flüchtlinge ist, kulturelle Unterschiede auch und gerade im Bewerbungsprozess zu kennen und zu überbrücken.

Im Stuhlkreis sitzen zwei Frauen und sechs Männer mit sehr guter Vorbildung im IT-Bereich, im Maschinenbau, im Groß- und Außenhandel, im Digital Marketing oder der Sozialarbeit. Sie berichten davon, dass Jobs in der Heimat eher über Freunde denn über Qualifikationstests vermittelt wurden und erfahren, dass ein deutscher Personaler nur zwischen 30 bis 50 Sekunden pro Bewerbungssichtung verwenden kann, dass im Lebenslauf jene Buzz Words erscheinen müssen, die zum Stellenprofil passen, dass von 100 Bewerbern vielleicht zehn ein vorfilterndes Telefoninterview und vier ein persönliches Vorstellungsgespräch erhalten. „Willkommen in Deutschland“, sagt Martina, die wertschätzend aber klar und strukturiert durch den Spätnachmittag führende Recruiterin von XING.

Jene vier Stunden, über die sich die noch in Intensivsprachkursen steckenden Teilnehmer zum Feierabend weiterbilden, sind prall gefüllt mit Informationen. Sie bekommen eine Menge Rüstzeug für potentielle Arbeitgeber mit auf den Weg. „Ihr müsst Menschlichkeit und Authentizität zeigen, um Ängste und Vorurteile der Menschen zu überwinden“, ist einer dieser Sätze, die hängenbleiben. Dazu viel Dramaturgisches: der Small Talk zum Einstieg in ein Bewerbungsgespräch. Keine Politik- oder Religionsthemen, nicht über Gehaltsfragen einsteigen, die letzte Zigarette spätestens eine Viertelstunde vor dem Termin, ein warmer und fester Händedruck. „Ihr müsst zeigen, Ihr wollt diesen Job um alles in der Welt.“

Und dann die Zwei-Minuten-Übung. Jeder erzählt seinem Gegenüber seinen Lebenslauf in zwei Minuten – mit Augenkontakt. Kulturell für viele schwierig. Aber auch die Männer müssen es lernen, die Personalerin anzuschauen, wenn sie vortragen. Martina: „Zuhause mit Freunden oder vor dem Spiegel üben, üben, üben.“

Am Ende wird es gar philosophisch: „Jede Stärke ist auch eine Schwäche“. Diese Diskussion in einer fremden Sprache zu bewältigen, nötigt mir Respekt ab, ebenso wie der heiße Stuhl im Mittelkreis, auf dem sich alle den Fragen der Personalverantwortlichen stellen und sich respektabel schlagen. Warum haben Sie sich bei uns beworben? Kennen Sie unsere Mitbewerber? Welche Menschen machen es Ihnen schwer, mit ihnen zu arbeiten? Was macht Sie zu einem guten Teamplayer? Wann geraten Sie unter Stress? Und dann kommen dabei manchmal fast poetische Antworten heraus: “Wenn ich schlecht geschlafen habe, wird die Atmosphäre trockener.“ Ich freue mich auf die nächste Woche mit Najib, Feras, Mahmoud, Quais, Rania, Yasser, Samah und Amer.

 

 

 

 

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