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Beruf & Familie

XMM: INTERKULTURELLER WORKSHOP – VORBEREITUNG AUF DEN DEUTSCHEN ARBEITSMARKT

Der Abschluss-Workshop 4 beim aktuellen XING Mentor Month öffnete den Beteiligten am 4. September 2018 die Augen für die kulturellen Unterschiede – und das nicht nur bei den Flüchtlingen. Vier Lehrstunden, spielerisch prall gefüllt mit Erfahrungsschätzen nicht nur für den deutschen Arbeitsmarkt sondern auch dafür, wie Integration gelingen kann.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 7. September 2018

Meine zweiten vier Stunden beim XING Mentor Month Workshop vergingen wie im Fluge, und als sich nach Aushändigung der Präsenzbescheinigungen alle Teilnehmer freundlicherweise noch einmal für ein Foto aufstellten, habe ich das Ende fast bedauert. Ist es doch ein überaus spannender Prozess zu erfahren, wie unterschiedlich wir und Mitbürger aus dem arabischen Kulturkreis ticken. Und wie die Mitarbeiter von XING Brücken zur Überwindung in Akzeptanz voreinander bauen.

Ich sitze an einem Tisch mit Salam, Quais und Yasser und spiele Karten. Die Regeln sind einfach. Die jeweils höhere Karte, unabhängig von der Farbe, sticht. Pik ist Trumpf und kann immer gelegt werden. Kann ich nicht stechen, muss ich drei Karten aufnehmen. Der Gewinner wechselt zum Nebentisch. Was er nicht weiß: hier sind die Regeln anders. Herz ist Trumpf. Gesprochen werden aber darf nicht. Wie läuft die Verständigung? Hintergrund: man sitzt plötzlich in einem anderen Kulturkreis mit anderen Werten und Einstellungen. Die Sprachbeherrschung zur Einordnung fehlt noch. „Sprechen, Geduld, flexibel sein“, heißt eine Lösung. Aber DIE Lösung gibt es häufig gar nicht.

Beispiel Eisberg-Modell. Sichtbar – über der Wasserlinie –und schnell zu erfassen für Zuwanderer sind etwa Musik, Kleidung, Essen und Kunst. Unsichtbar und sozusagen der größere Teil, der unter der Wasseroberfläche verborgen ist, sind die Geschlechterrollen, Kommunikationsstile, Konzepte von Freundschaft, Zeit und Hierarchien. Ich höre, dass es in Syrien undenkbar wäre, dass ein Chef mit den Angestellten Tischkicker spielt. Dass die Familienstrukturen wesentlich größer und der innerfamiliäre Zusammenhang wesentlich enger ist als in Deutschland. Dass Musik das Leben prägt, Musik unterschiedlich für die Tageszeiten. Musik, die in Taxis und Bussen gespielt wird. Dass Menschen sich auf der Straße begrüßen, dass Christen während des Ramadans öffentlich mitfasten, um nicht unhöflich zu sein, dass Frauen – statt die Hand zu geben – diese aufs Herz legen. Dass das Zeit-verständnis ein ganz anderes ist. Dass es nicht schlimm ist, mal einen Termin zu vergessen.

Beispiel Hierarchie. In Deutschland ist die Machtdistanz um den Faktor 3 geringer als in Syrien. Während hierzulande Eigeninitiative und Teamfähigkeit erwartet werden und Widerspruch in der Regel nicht sanktioniert wird, warten die Syrer eher auf Anweisungen und wagen Einwände gegen gestellte Aufgaben eher selten. Lamis aus Syrien, die mittlerweile bei XING arbeitet, stellt die Low Context Countries (Nordeuropa, USA), wo die Aufgaben wichtiger sind als die Beziehungen, den High Context Ländern (Arabien, Japan, Italien, Spanien), gegenüber. Hier herrscht eher die indirekte Kommunikation, das „Sprechen durch die Blume“, werden Informationen durch Erfahrungen erworben, steht das emotionale Gespräch mit langen Sätzen im Fokus, herrscht eine Rhetorik der Poesie und Romantik vor. Bei uns hingegen ist die Kommunikation explizit, reserviert und distanziert, kurze Sätze, schriftlich fixierte Regeln, Dokumente, Anweisungen. Da bricht es aus Samah heraus: „Aber wir brauchten die emotionale Sprache. Ohne sie hätte die Ausländerbehörde nicht geholfen, als wir kamen. Geduld, Warten, Papiere, das ist Deutschland.“

Als Trainerin Katharina zum Abschluss die Geschichte des Dänen erzählt, der mit gelber Brille ausgestattet in Japan auf Blaubebrillte stößt und merkt, dass es mit einem Brillenwechsel allein nicht getan ist, da ist es schön zu sehen, dass Samah und die anderen beide Brillen schon längst übereinandergelegt haben. „Das ist unser Leben jetzt. Wir stecken in der Mitte.“ Wenn man die Kursteilnehmer erlebt hat, ist einem um deren Integration nicht bange. Sie haben verstanden, dass es darum geht, Vielfalt anzunehmen, Offenheit aufzubringen, sich einzulassen in Respekt und Neugierde. Die nächste Möglichkeit auch für uns, darüber nachzudenken, ist der Tag des Flüchtlings 2018 am 28. September 2018 unter dem Motto „Vielfalt verbindet!“

 

 

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