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Beruf & Familie

XMM – So geht Integration!

Wenn ein Geflüchteter in einem anderen Land ankommt, ist seine Integration nicht dadurch abgeschlossen, dass er ein Dach über dem Kopf hat und die Sprache lernt. Er braucht eine Perspektive und gesellschaftliche Teilhabe. Der Beruf spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Der Business-Netzwerker XING hat deshalb ein tolles Projekt ins Leben gerufen, von dem wir Ihnen in den nächsten Wochen berichten wollen.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 10. August 2018

Wie erstelle ich ein professionelles Businessprofil? Worauf wird in Deutschland beim Lebenslauf und im Bewerbungsanschreiben geachtet? Welche Fragen erwarten mich beim Bewerbungsgespräch und was antworte ich? All das sind Fragen, die wir uns alle schon einmal gestellt haben und die viele von uns heute noch nervös machen. Dabei sind die meisten von uns in Deutschland aufgewachsen und haben die deutsche Sprache quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Wie muss es dann denen gehen, die aus einer völlig anderen Kultur kommen, deren Studium hier vielleicht nicht in gleichem Maße anerkannt wird und deren Muttersprache eben nicht Deutsch ist?

XING hat hierfür den XING Mentor Month ins Leben gerufen. Er dauert im wahrsten Sinne einen Monat und besteht aus vier Workshops, in denen unterschiedliche Themen rund um den Wiedereinstieg ins Berufsleben behandelt werden. Die Teilnehmer sind Geflüchtete. Bevor sie teilnehmen können, wird ein Qualifikationscheck durchgeführt. Bestimmte Kriterien, wie z. B. Sprachniveau B2 und ein abgeschlossenes Studium oder eine vergleichbare Qualifikation, müssen erfüllt sein. Die Workshops gliedern sich in die Themenschwerpunkte Lebenslauf und XING-Profil erstellen, Anschreiben formulieren und Bewerbungen verschicken, Interkulturelles Training für den Berufsalltag, Bewerbungsgespräche. Neben den Referenten werden die Teilnehmer von den sogenannten Helping Hands betreut. Das sind XING Mitarbeiter, die den Teilnehmern ehrenamtlich zur Seite stehen, um ihnen bei der Erstellung ihrer professionellen Unterlagen und Profile zu helfen.

Im ersten Workshop in dieser Woche ging es um das Business-Profil und den Lebenslauf. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, gefolgt von einer Einführung in das Thema, ging es an die Arbeit. Bemerkenswert war die Betreuungsdichte: Jeder Teilnehmer hatte eine eigene Betreuung und darüber hinaus gab es noch Helping Hands, die umhergegangen sind und beratend zur Seite standen oder parallel recherchiert haben. Denn ganz so einfach ist es eben nicht, ein Qualifikationsprofil aus einem Land ins Deutsche zu übertragen.

Ich durfte am Dienstag Rania über die Schulter schauen. Sie hat Mathematik studiert und vor ihrer Flucht vor rund drei Jahren über zehn Jahre lang an der Oberstufe eines Gymnasiums in Aleppo unterrichtet. Genau das kann sie hier nicht, denn obwohl ihr Deutsch sehr gut ist, fehlen ihr unzählige mathematische Begrifflichkeiten. Wenn sie in Hamburg Veranstaltungen an der Universität besucht, möchte sie Antworten, die mit Zahlen zu tun haben, am liebsten in den Hörsaal rufen, denn die weiß sie alle. Wenn es aber um mathematische Fachbegriffe geht, ist sie noch unsicher. Rania will sich deshalb in Deutschland neu orientieren und Richtung Wirtschaft oder Wissenschaft gehen. Etwas, das mit Zahlen und Mathematik zu tun hat, aber eben nicht unterrichten. Die berufliche Vielfalt, die uns hier im Land geboten wird, kann jemanden, der neu hier ist, ganz schön verwirren. Und so hat es doch einige Zeit gedauert, bis in der Profil-Rubrik „Ich suche“ alle Business-Schlagworte für die Branchen eingegeben waren, die für Rania in Frage kommen.

Besonders interessant war der Austausch, der während des Workshops zustande kam, denn während die Teilnehmer vielleicht noch fremd in diesem Land sind, sind die Helping Hands oft fremd in deren Fachbereichen. Deshalb mussten Rania und die anderen viel über das erzählen, was sie vor ihrer Flucht beruflich gemacht haben und über die Auszeichnungen und Titel, die sie in ihrer Heimat erlangt haben.

In dem Workshop haben beide Seiten viel voneinander gelernt. In der kommenden Woche geht es weiter. Dann werden die ersten Bewerbungsanschreiben formuliert. Wie es sich für einen guten Business-Netzwerker gehört, ist XING übrigens gerade fleißig dabei, für den Mentor Month zu Netzwerken: Firmen haben die Möglichkeit Profile für vakante Stellen einzureichen und die Kandidaten können sich darauf bewerben. Die Organisatoren legen viel Wert darauf, dass es sich dabei nicht um eine Jobvermittlung handelt. Ziel des Projektes ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

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