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Umwelt & Nachhaltigkeit

Zero Waste – Bewusstsein, Passion oder lukratives Geschäft?

Unverpackt ist Trend und der Ruf nach Refill-Stationen wird immer lauter. Das ist auch gut so: Rund 40 Kilogramm Plastikmüll kamen in Deutschland pro Kopf 2018 zustande. Eine Einkaufstüte benötigt im Meer 10 bis 20 Jahre, bis sie sich komplett zersetzt hat. Eine PET-Flasche benötigt rund 450 Jahre, bis sie im Wasser zerfallen ist und zu Mikroplastik wird. Wir sind dem plastikfreien Leben mal ein wenig auf den Grund gegangen.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 11. März 2020

Als mittlerweile nicht rauchende Vegetarierin ohne Auto habe ich einen verhältnismäßig kleinen Carbon-Footprint. Allerdings liebe ich regelmäßige Challenges, die mich aus meiner Komfortzone heraus holen – vor allem, wenn sie darüber hinaus noch einem guten Zweck dienen. Das Jahr 2020 steht deshalb für mich unter dem allumfassenden Motto Minimalismus. Der komplette Verzicht auf die Anschaffung von Kleidung, Schuhen und Taschen ist da noch die kleinste Herausforderung (wenn man davon absieht, dass seit Jahresbeginn ständig etwas kaputtgeht). Anfang des Jahres habe ich säckeweise Kleidung, Bücher und CDs ausgemistet und sie entweder verkauft oder gespendet und sämtliche angebrochene Kosmetika aufgebraucht. Dabei ist mir erst bewusst geworden, wie viel Plastikmüll auf mein eigenes Konto geht. Die Reduzierung von (Plastik-)Müll ist seitdem fester Bestandteil meines Challenges-Kataloges und bestimmt mein Einkaufsverhalten.

Shampoo, Duschgel und flüssiger Handseife habe ich auf feste Produkte umgestellt, die meist nur in Papier verpackt sind. Statt Frischhaltefolie gibt es nur noch Bienenwachstücher. Diverse Kosmetik, Putzmittel, Brot, Essig, Käse, Joghurt und Nussmilch mache ich inzwischen selbst. Doch die hierfür benötigten Zutaten sind allzu oft in Plastik verpackt, deshalb habe ich mir am Wochenende einige Unverpacktläden in Hamburg-Ottensen angesehen – mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung:

Stückgut (Am Felde 91)
Der Tante Emma Laden besticht durch sein umfangreiches, überwiegend regionales Angebot. Von Süßigkeiten, über Getreidesorten, Nüsse, Pasta, Öl & Essig, Putzmittel und einem großen Kosmetikangebot ist alles zu haben. Entweder, man erwirbt dort eine plastikfreie Verpackung oder bringt seine eigene mit – beides ist möglich.

Ein Nachteil ist der verwinkelte Grundriss des Ladens, bei dem man sich zur Stoßzeit sehr auf die Füße tritt. Fast ein K.O.-Kriterium sind allerdings die Preise. Ich konnte kein Produkt entdecken, dass preislich nicht weit über dem der verpackten Konkurrenz lag. Das ist zum einen schade, weil „unverpackt“ so nicht in der breiten Bevölkerung ankommen wird. Zum anderen ist es auch rational nicht zu erklären, dass jemand wesentlich mehr zahlen soll, während er gleichzeitig auf Verpackungsmaterial und -prozedur verzichtet.

Lavatara (Eulenstraße 81)
Klein, aber fein! Im Lavatara besticht das Design. Im Gegensatz zu anderen Unverpackt-Läden hat das Lavatara nur Körperpflegeprodukte und Haushaltsreiniger – und davon auch nicht viele. So gibt es ein Spülmittel, ein Waschmittel, eine Bodylotion und ein Shampoo etc. Genau das richtige also für Minimalisten.

Die Kunden können entweder ihre eigene Verpackung mitbringen oder gegen Gebühr die stylischen Flaschen im Lavatara erwerben, um sie später nachfüllen zu lassen. Nun kann man kritisieren, dass die Flaschen aus Kunststoff sind. Anja Zerbaum erklärte mir hierzu, dass diese Entscheidung auf Wunsch der Kunden getroffen wurde, die Angst haben, dass ihnen Glasflaschen im Bad zerbrechen. Sämtliche Produkte sind ökologisch produziert und verzichten auf Parabene, Silikone und Mikroplastik. Neben dem Design erfreut vor allem der Preis, der sich kaum von denen in Biomärkten unterscheidet.

s’Fachl (Bahrenfelder Straße 79)
Kein Unverpackt-Laden, aber ein Laden voller nachhaltiger Produkte. Das Konzept ist einfach und gut durchdacht – denn im s’Fachl kann man ein Fach anmieten und seine Produkte dort präsentieren und verkaufen. Entsprechend vielfältig ist das Angebot vom Kunsthandwerk über Gin bis zum Chili-Öl. Die Produkte sind durchgehend regional.

Der Grund, warum der Laden hier erwähnt wird: Zur Zeit wird dort eine riesige Auswahl an Bienenwachstüchern angeboten, bis hin zum Lunchbeutel. Außerdem gibt es dort aktuell Reinigungstücher aus PLA (einer Maisstärkefaser) und Baumwolle, die komplett kompostierbar sind.

Das Fazit: die Auswahl an plastikfrei und unverpackt ist da und wächst. Um in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, braucht es aber eine gesunde und faire Preispolitik. Schon im eigenen Interesse werden wir das mal im Auge behalten und weiter darüber berichten.

 

 

 

Stückgut, Im Felde 91, in Hamburg-Ottensen
Körperpflege und Putzmittel zum Selbstzapfen
Die Körner Bar im Stückgut
Lavatara, Eulenstraße 81
Klare Ziele...
...und klares...
...Design

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