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Sport & Gesundheit

Zukunftsdruck

Nicht nur die Weltbevölkerung wächst stetig, auch der Kalorienbedarf der Menschen nimmt ständig zu. Denn auch das steigende Körpergewicht und die steigende Körpergröße der Menschen wird den globalen Bedarf an Kalorien aus Lebensmitteln erhöhen. 

Veröffentlicht von Marie Mävers am 27. Juli 2020

Diese Ergebnisse veröffentlichte Ende 2019 ein Forschteam um Stephan Klasen von der Universität Göttingen. Selbst bei gleichbleibendem Body Mass Index (BMI) – also die Maßzahl, die das Körpergewicht eines Menschen im Verhältnis zu seiner Körpergröße bewertet – und konstanter Körpergröße würde der globale Kalorienbedarf allein aufgrund des Bevölkerungswachstums um über 60 Prozent ansteigen. Die Forscher gehen dabei von rund 11,2 Milliarden Menschen im Jahr 2100 aus. Weil die Menschen aber nicht nur immer mehr, sondern auch immer schwerer und größer werden, liegt der Anstieg des weltweiten Kalorienbedarfs noch einmal um 18 Prozent höher, so die Kalkulation der Göttinger Wissenschaftler. Der größte Zuwachs beim Kalorienbedarf sei in Nigeria, Indien und der Demokratischen Republik Kongo zu erwarten. In China, Japan und Russland sei bis 2100 hingegen sogar mit einem reduzierten Kalorienbedarf zu rechnen.

Diesen Ergebnissen zufolge muss eine Veränderung in unserem Konsumverhalten stattfinden. Eine wissenschaftliche Studie der EAT-Lancet Kommission hat sich diesem Thema angenommen und mit einem Ernährungsplan für eine Weltbevölkerung von über 10 Milliarden Menschen ein Modell konstruiert, dass die Weltbevölkerung gesund ernähren kann, ohne dabei der Umwelt zu schaden. Sie nennen es die sogenannte planetare Gesundheitsdiät.

Dabei bezieht die Studie zwei wichtige Faktoren mit ein: die menschliche Gesundheit und die der Natur. Dass unsere Ernährung, trotz des großen Wissen darüber, nicht im Gleichgewicht ist, beweisen folgende Zahlen: Mittlerweile leiden über zwei Milliarden Menschen an Übergewicht. Demgegenüber stehen mehr als 800 Millionen Menschen, die an Hunger leiden. Außerdem kommt die Lancet-Studie zu dem Ergebnis, dass „ungesunde Ernährung ein größeres Risiko für Erkrankung und Sterblichkeit darstellt als ungeschützter Sex und der Konsum von Alkohol, Drogen und Tabak zusammen.“

Auch im Hinblick auf den Umweltschutz hat die globale Ernährung einen immer größeren Stellenwert. Bei der Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft wird eine große Menge an Treibhausgasen freigesetzt. Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge sind knapp 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen in der Ernährung auf tierische Produkte zurückzuführen – insbesondere auf Fleisch. Hinzu kommen die Verwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die der Natur großen Schaden zufügen. Außerdem steigt der Wasser- und Flächenbedarf immer weiter. Damit bleibt Die globale Nahrungsmittelproduktion die Hauptursache für den Klimawandel.

Der vorgestellte tägliche Ernährungsplan der Zukunft umfasst insgesamt etwa 2.500 Kalorien. Der Ernährungsplan der Forschungsgruppe soll dabei eher als Orientierung, nicht als strikter Tagesplan dienen. Er kann an verschiedene Ernährungsstile und Anbausysteme angepasst werden. Generell lautet der Grundsatz der Studie: „Fleisch- und Zuckerkonsum halbieren. Obst, Gemüse und Nüsse sollen dafür in doppelter Menge auf dem Speiseplan landen.“

Ernährungsplan der Zukunft:

  • 7 g Rindfleisch
  • 7 g Schweinefleisch
  • 29 g Geflügel
  • 40 g Fisch
  • 232 g Reis, Weizen, Mais und andere Vollkornprodukte
  • 50 g Kartoffeln, Maniok oder andere stärkehaltige Knollen
  • circa 0,2 Eier
  • 250 g Milch oder Milchprodukte
  • 25 g Nüsse
  • 25 g Erdnüsse
  • 25 g Soja
  • 50 g Hülsenfrüchte
  • 5 g Schweinefett
  • 31 g Süßungsmittel inklusive Zucker
  • 300 g Gemüse
  • 200 g Obst
  • 40 g ungesättigte Fette wie Olivenöl
  • 6,8 g Palmöl

Die größte Umstellung für den Menschen unterstreicht gleichzeitig die aktuelle Diskussion um Masstierhaltung und unseren Fleischkonsum. Der Ernährungsplan sieht lediglich 43 Gramm Fleisch pro Person pro Tag vor. Das wären in einem Jahr ca. 16 Kilogramm. Zum Vergleich: aktuell liegt der durchschnittliche Fleischkonsum für jeden Bundesbürger bei 60 Kilogramm.

Doch wer weiß, ob in den Wandel nicht noch kulinarische Neuerungen einfließen werden. Der wachsende Markt für pflanzliche Fleischalternativen gibt diesen Trend vor. Das erst 2018 gegründete Unternehmen Redefine Meat möchte bereits in diesem Jahr eine ganz neue Fleischalternative auf den Markt bringen: Steak aus dem 3D-Drucker. Das israelische Start-up um Mitbegründer Eshchar Ben-Shitrit haben ein Verfahren entwickelt, die eine nachhaltige Alternative zu der Aufzucht von Tieren und dem Verzehr von Tierprodukten bietet. Mit Unterstützung von Köchen, Metzgern, Lebensmitteltechnikern und Geschmacksexperten ist ein Produkt entstanden, in das über 70 Parameter einfließen. Die Rezeptur ist offiziell noch nicht bekannt, soll aber aus drei pflanzlichen Eiweißquellen, Fett und Wasser bestehen. Für den Markteintritt bereitet das Unternehmen bereits 3D-Drucker vor, die dann in der Gastronomie vertrieben werden sollen. Auf diese Weise kann in den Großküchen Fleisch nach Bedarf und auch nach eigenen Rezeptwünschen „gedruckt“ werden z.B. ob das Steak weicher oder fettiger sein soll. Ganz neue Möglichkeiten für eine spannende Zukunft.

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